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Posts Tagged ‘Benzos’

Things are different today,
I hear evry mother say
Cooking fresh food for a husbands just a drag
So she buys an instant cake and she burns her frozen steak
And goes running for the shelter of a mothers little helper
And two help her on her way, get her through her busy day

Doctor please, some more of these
Outside the door, she took four more
What a drag it is getting old

(Rolling Stones: Mothers Little Helper)

Benzodiazepine bilden eine Gruppe von Medikamenten, die zur Behandlung von Angstzuständen, Schlafstörungen, Krampfanfällen und Muskelverspannungen eingesetzt werden. Zur Einleitung von Narkosen oder zur Beruhigung bei lästigen Untersuchungen wie Magen- oder Darmspiegelungen kommen intravenöse Benzodiazepine zum Einsatz.

1957 wurde der erste Vertreter dieser Gruppe – das Chlordiazpeoxid – durch Zufall entdeckt und 1960 unter dem Handelsnamen Librium® auf den Markt gebracht. Kurze Zeit später folgte das Diazepam, als Valium® bald der absatzstärkste Vertreter der Substanzgruppe.

Heute verzeichnet die Rote Liste mehr als 100 verschiedene Benzodiazepinpräparate. Sie unterscheiden sich nicht prinzipiell in ihren Wirkungen sondern nur in der Pharmakokinetik – in der Schnelligkeit des Wirkungseintritts oder der Wirkdauer zum Beispiel.

Wie wirken die Benzodiazepine?

Benzodiazepine verstärken die Wirkung einer körpereigenen Substanz, des Nervensignalstoffs (Neurotransmitters) Gamma – Amino – Buttersäure (GABA). Dadurch wird auch die Wirkung anderer Neurotransmitter wie Noradrenalin und Serotonin beeinflusst.

Müde, ohne Angst, aber auch ohne Interesse

Benzodiazepine entspannen, machen müde, vertreiben Angst und Sorgen, führen aber auch zu Interesselosigkeit, vermindertem sexuellem Antrieb und dadurch ausgelösten Partnerschaftskonflikten.

Alte Menschen stürzen häufiger

Besonders bei älteren Patienten können Benzodiazepine zu Stürzen führen. Auch lösen sie bisweilen Aggression und Verwirrung aus – besonders häufig ebenfalls bei Älteren.

Viele Substanzen aus dieser Gruppe werden im Körper des Menschen zu wirksamen Stoffwechselprodukten umgewandelt, dadurch ergibt sich bei vielen Präparaten eine extrem lange Wirkdauer von mehreren Tagen.

Jeder zehnte Deutsche nimmt eins

10 bis 17 % aller Deutschen nehmen wenigstens einmal im Jahr ein Medikament aus der Gruppe der Benzodiazepine, 1 bis 2 % nehmen es länger als ein Jahr ein. Auf 1,7 Millionen schätzt die Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren die Zahl der medikamentenabhängigen Deutschen, die meisten davon sind abhängig von Benzodiazepinen.

Einsatz als Psychopharmakon – für kurze Zeit gut wirksam

Akute Erregungs- und Angstzustände lassen sich oft ganz hervorragend und ohne schwerwiegende Nebenwirkungen mit Benzodiazepinen behandeln. Das geht aber nur für kurze Zeit – der Körper gewöhnt sich sehr schnell an die Wirkung. Außerdem entwickeln sich recht schnell Abhängigkeit und Sucht, schon nach zwei Wochen kann es soweit sein. Schließlich helfen die Medikamente nicht mehr, sie werden nur noch eingenommen, um quälende Entzugserscheinungen zu vermeiden.

Schlafmittel: Nicht länger als 14 Tage

Benzodiazepine als Schlafmittel sind ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den früher oft verwendeten Barbituraten. Sie sind weitaus besser verträglich als ihre Vorgänger – Selbsttötung mit „Benzos“ ist kaum noch möglich, mit Barbituraten war dies an der Tagesordnung.

Zur Behandlung von Schlafstörungen sollten Benzodiazepine nicht länger als 14 Tage eingenommen werden. Am besten von vornherein nur jeden zweiten Tag eine Tablette nehmen, oder vielleicht nur einmalig eine, um vornherein die Abhängigkeitsgefahr so gering wie möglich zu halten.

Ist die Wirkdauer zu lang, steigt vor allem bei älteren Menschen das Risiko eines Sturzes. Zu kurz wirksame B. haben bisweilen sehr unangenehme Nebenwirkungen wie aggressives Verhalten, plötzliches Aufwachen und Erinnerungsverlust.

Die Schlafqualität wird immer verschlechtert – ein gewisser ‚hangover‘, eine Tagesmüdigkeit ist nie ganz zu vermeiden.

Zur Behandlung der Epilepsie und zur Muskelentspannung

Epileptische Anfälle werden akut oft mit einem Benzodiazepinpräparat wie Diazepam i.v. oder rektal behandelt. Bei chronischer Epilepsie kommt Clonazepam zum Einsatz.

Tetrazepam wird oft bei Verspannungszuständen der Muskulatur eingesetzt, ob es einen Vorteil gegenüber dem preiswerteren Diazepam hat, ist noch umstritten. Natürlich besteht auch beim Einsatz als Muskelentspannungsmittel eine Suchtgefahr.

Über eine Million Abhängige

Abhängigkeit von B. ist sehr häufig, über eine Million Deutsche sind betroffen. Am häufigsten ist die Niedrigdosisabhängigkeit – über Jahre hinaus wird eine übliche therapeutische Dosis genommen, der Körper hat sich an die Wirkung gewöhnt (eine Toleranz entwickelt). Das Mittel wirkt also gar nicht mehr wie früher, der Süchtige kann aber nicht ohne auskommen, weil er die Entzugserscheinungen: Unruhe, Angst und Schlafstörungen fürchtet.

Viel seltener ist die primäre Hochdosisabhängkeit, bei der schnell auf hohe Dosen gesteigert wird. Von einer sekundären Abhängigkeit spricht man, wenn die B.-Sucht zu einer anderen Sucht hinzutritt – z.B. wenn das B. die Entzugssymptome beim Alkoholentzug mildern sollte oder der Ecstasy-Freak das Benzo als „Downer“ brauchte, um endlich wieder etwas Ruhe nach dem Dauertanz zu finden.

Gefährlicher Entzug

Der Entzug vom Benzodiazepin sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, die Entzugserscheinungen können sehr gravierend sein: Krampfanfälle, Selbstmordneigung, Unruhe, starke Angstgefühle. In der Regel wird die Dosis langsam reduziert, um Zwischenfälle möglichst zu vermeiden.

Quellen

Deutsche Hauptstelle gegen Sucht: Medikamente (dort Faltblatt Benzodiazepine als PDF-Datei abrufbar

Ärztekammer Schleswig Holstein, Hans Wille: Benzodiazepine – praktische Tipps

suchtzentrum.de: Benzodiazepine

Epilepsienetz.de: Benzodiazepine im Einsatz gegen Epilepsie

Bild: © Helga7 auf pixelio.de

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