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Cannabis

img-320_cannabis_sativa.jpgCannabis (griech.: κάνναβις [kannabis] – Hanf), Pflanzengattung mit nur einer einzigen Art: dem Gewöhnlichen Hanf (Cannabis sativa).

C. wird angebaut, um Fasern zur Herstellung von Seilen, Schnüren und Textilien zu gewinnen.

Darüber hinaus scheiden vor allem blühende weibliche Pflanzen ein Harz aus, das als Haschisch gewonnen wird. Marihuana ist ein Gemisch aus getrockneten Blütenständen. Häufig wird der Ausdruck Cannabis auch als Sammelbezeichnung für diese beiden Rauschmittel verwendet, die in Deutschland und den meisten anderen Ländern der Welt verboten sind.

C. wird auch kultiviert, um aus den Samen ein pflanzliches Speiseöl, das Hanföl zu gewinnen.

Es wurden mehr als 30 verschiedene Hanfsorten gezüchtet, die sich je nach Verwendungszweck den Gruppen Faserhanf, Ölhanf oder Drogenhanf zuordnen lassen.In Deutschland war nach den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes der Anbau von C. im Zeitraum von 1981 bis 1996 ganz verboten. Seitdem ist die Kultur wieder erlaubt, wenn die angebauten Sorten weniger als 0,2 % Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten. (Speziell für die Drogenproduktion gezüchtete Sorten enthalten bis zu 20 %!) THC, das ist die Substanz, die in erster Linie verantwortlich ist für die berauschende Wirkung der Hanfpflanze.

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Hanf ist ein schnellwachsendes, einjähriges krautiges Gewächs, das bis zu vier Meter hoch werden kann. Die Hanfpflanze ist zweihäusig, d. h. es existieren „weibliche“ und „männliche“ Exemplare. Wer Öl oder Drogen erzeugen will, der muss auf Abstand zwischen den Pflanzen achten, damit die männlichen leicht entfernt werden können, denn die männlichen produzieren zu wenig THC-haltiges Harz und auch keine ölhaltigen Samenfrüchte. Es werden auch einhäusige Pflanzen angebaut, die männliche und weibliche Blüten an einem Stamm tragen.

Haschisch und Marihuana

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Haschisch (vom arabischen Wort für Gras, auch: „Dope“, „Shit“) besteht aus dem Harz der blühenden weiblichen Cannabispflanze. Nach der Ernte wird es mit Streckmitteln versetzt und zu bräunlich-grünen Platten gepresst.

img-224_marihuana.jpgMarihuana (aus dem mexikanischen Spanisch) wird aus den getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze hergestellt, es hat tabakähnliche Konsistenz.

Das selten konsumierte Haschischöl ist ein konzentrierter Auszug aus dem Blütenharz der Cannabispflanze. Der konzentrierte Extrakt wird vielfach nur hergestellt, um den Schmuggel zu erleichtern – das Konzentrat wird gestreckt und als Haschisch weiter verkauft.

Der vermutlich wichtigste psychoaktive Wirkstoff aller drei Rauschmittel ist das Tetrahydrocannabinol (THC). Allerdings sind noch 60 weitere chemisch ähnliche Substanzen in der Cannabispflanze nachgewiesen worden, die teilweise ähnliche, aber auch antagonistische Wirkungen entfalten.

Der THC-Gehalt der drei Zubereitungsformen schwankt stark, er hängt u. a. ab von der gewählten Hanfsorte und der Menge an zugefügten Streckmitteln. Im allgemeinen enthält Marihuana 1 – 14 %, Haschisch 5 – 10 % und Haschischöl 30 bis 50 % THC.

Der Konsum aller drei Cannabisprodukte erfolgt in erster Linie über das Rauchen sog. Joints – selbst gedrehte, meist großvolumige Zigaretten. Haschisch wird zerbröselt und mit Tabak vermischt, Marihuana kann auch pur verwendet werden und Haschischöl wird auf die fertige Zigarette geträufelt. Der Gebrauch von Wasserpfeifen kann die Wirkung intensivieren.Mitunter werden auch Kekse mit Cannabisextrakt gebacken oder Haschisch in Tee suspendiert getrunken.

Cannabiswirkungen und Nebenwirkungen

Die Wirkung tritt nach dem Rauchen praktisch sofort ein, erreicht nach 15 bis 30 Minuten ihren Höhepunkt und klingt nach zwei bis drei Stunden wieder völlig ab. Gegessenes oder getrunkenes Haschisch wirkt erst nach einer bis drei Stunden – so geschieht es leicht, dass der Konsument versehentlich erheblich mehr aufnimmt als er ursprünglich plante.

Die Art der Wirkung hängt von der Art und Menge des aufgenommenen C. ab, von der Situation, in der konsumiert wird, außerdem von der Stimmungslage und der psychischen Grundstruktur des Konsumenten. Als angenehm wird ein Gefühl der Entspannung, des Wohlbefindens und der gesteigerten Kommunikationsfähigkeit erlebt. Dass die Gedanken oft sehr sprunghaft verlaufen, dabei ungewöhnliche Assoziationen auftreten, wird nicht als störend empfunden. Viele Konsumenten erleben eine Intensivierung der Sinneseindrücke: Farben erscheinen intensiver, Tasteindrücke werden verstärkt wahrgenommen. Die Zeit scheint still zu stehen, vielleicht, weil das Kurzzeitgedächtnis gestört ist.

Vor allem bei höheren Dosen und bei gedrückter oder ängstlicher Ausgangsstimmung kann C. auch Unruhe, Angst und Panik auslösen. Eine depressive Stimmungslage wird u. U. weiter verschlechtert. Die Unruhe kann sich bis zur Psychose steigern.

C. vermindert die Reaktionsgeschwindigkeit, stört Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Die daraus resultierende Fahruntüchtigkeit hält acht bis zwölf Stunden an, dauert also rund vier mal so lange wie der Rausch. Zusätzlich konsumierter Alkohol verstärkt die Ermüdung.

An körperlichen Symptomen verursacht C. häufig gerötete Augen, gesteigerten Appetit, Mundtrockenheit, eine leichte Erhöhung der Pulsfrequenz und in sehr hohen Dosen auch einen Blutdruckabfall, der zum Kollaps führen kann.

Langzeitfolgen des Cannabiskonsums

Langjährige Cannabiskonsumenten lernen schlechter, d. h. sie können sich neue Informationen schlechter merken: Die Einbußen sind zwar nur gering, aber deutlich nachweisbar. Die meisten Studien beschäftigen sich mit Erwachsenen, die Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen sind vermutlich ausgeprägter.

Die Entwicklung einer chronischen Bronchitis wird durch regelmäßige Cannabisinhalation gefördert – unklar ist, welche Rolle der gleichzeitig eingeatmete Tabakrauch spielt. Haschisch- und Marihuanaraucher nehmen mehr Teer und krebserzeugende Substanzen auf als Zigarettenraucher, daran ändert auch die Wasserpfeife nichts – sie filtert nicht, sondern kühlt den Rauch nur ab.

Ein dauerhafter Gebrauch kann eine psychische Abhängigkeit erzeugen, neuere Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass nach Absetzen der Droge auch körperliche Entzugssymptome auftreten, also eine körperliche Abhängigkeit auftreten kann. Allerdings entwickeln nur vier bis sieben Prozent aller C.-Raucher eine Sucht.

Sehr umstritten ist das amotivationale Syndrom infolge Cannabiskonsums. So soll es nach Ansicht einiger Untersucher nach langfristigem Missbrauch zu einem Verlust oder Abschwächung des Antriebs und des Interesses kommen. Andere sind jedoch der Meinung, dass fehlender Ehrgeiz und Antrieb eher eine Ursache als eine Folge des Haschischrauchens sind.

C. verursacht vermutlich keine dauerhaften Psychosen. Zwar gibt es v.a. bei Überdosierung psychotische Symptome, sie klingen in der Regel jedoch nach einigen Stunden wieder ab. Anderseits kann möglicherweise eine schon latent bestehende, aber noch nicht manifeste Psychose nach C.-Konsum zum Ausbruch kommen – C. verursacht nicht die Psychose aus, es “triggert“ den Ausbruch lediglich.

THC

Tetrahydrocannabinol (THC) ist vermutlich der entscheidende psychoaktive Wirkstoff aller Cannabiszubereitungen. THC bindet sich an den Cannabinoid-Rezeptor (CB1-Rezeptor) im Gehirn des Menschen, diese Rezeptoren kommen vor allem in den Basalganglien, dem Hippocampus und im Kleinhirn vor.

Beim Rauchen werden 20 % des THC-Gehalts im Cannabis aufgenommen, nur 6 % bei oraler Aufnahme. Nach anfänglicher Anflutung des THC im Blutplasma kommt es zu einer ausgeprägten Umverteilung ins Fettgewebe.THC wird in der Leber zu Tetrahydrocannabinolcarbonsäure, THC-COOH und zu 11-OH-THC umgewandelt, anschließend zu 70 % über die Gallenflüssigkeit in den Darm ausgeschieden, aus dem Darm jedoch wieder zu einem großen Teil in den Körper aufgenommen (sog. enterohepatischer Kreislauf). 30 % verlassen den Körper über die Nieren mit dem Urin, meist als mit Glucuronsäure verbundene THC-Carbonsäure (glucuronidierte THC-COOH).

Die Besonderheiten der Pharmakokinetik des THC führen dazu, dass THC nach einer Woche erst zu 30 % endgültig abgebaut und noch ca. ein Monat nach dem letzten Joint im Urin nachweisbar ist.

THC wird in Deutschland und anderen Länden als Medikament eingesetzt, vor allem bei Erbrechen durch eine Krebstherapie mit Zytostatika oder bei Untergewicht infolge von AIDS. Der internationale Freiname von THC als Arzneimittel ist Dronabinol. THC erwies sich weiterhin als wirksam gegen einige Formen der Epilepsie, es senkt den Augeninnendruck, wirkt schmerzstillend, erweitert die Bronchien und lindert Muskelkrämpfe bei Multipler Sklerose.

In Deutschland ist kein Fertigpräparat im Handel, in den USA z. B. wird THC als Marinol® vertrieben. Der Arzt muss Dronabinol auf einem speziellen Formblatt, dem sog. Betäubungsmittelrezept verordnen. Der Apotheker importiert THC entweder abgabefertig aus dem Ausland oder er stellt nach ärztlicher Anweisung ein THC-Präparat in Form von öligen Tropfen, Hartgelatinekapseln oder alkoholischen Lösungen zur Inhalation in speziellen Geräten her.

Geschichte

C. stammt ursprünglich aus Zentralasien, in China wurde es schon vor mehr als 10 000 Jahren als Nutzpflanze angebaut. Schon früh verbreitete sich der Hanf bis nach Europa – die frühesten Funde von Hanfsamen in Deutschland werden auf 3500 v. Chr, . datiert. Genutzt wurde der Samen zur Ölgewinnung, die Fasern zur Herstellung von Textilien, Seilen und später Segeln und Papier. (Die Gutenbergbibel und die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung bestehen beide aus Hanfpapier.)

Als Medizin wurde C. zum ersten Mal in einem Arzneibuch des chinesischen Kaisers Sheng-Nung aus dem Jahre 2737 v. Chr.erwähnt. Der Kaiser empfahl die Droge als hilfreich gegen Rheuma, Malaria und andere Entzündungen.Die Verwendung als Rauschmittel begann vermutlich in Indien, oft in religiösen Zeremonien – C. ist in Indien bis heute nicht verboten, es gilt als göttliches Geschenk Shivas.Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wurde C. weit verbreitet als Medikament und als Rauschdroge in Europa benutzt, das Knaster-Rauchen war beliebt bei den Armen, während die Reichen den Tabak bevorzugten.

Auf der zweiten Internationalen Opium Konferenz 1925 in Genf wurde ein weltweites Verbot von Cannabis als Rauschmittel beschlossen. Indien und einige andere Staaten behielten sich jedoch vor, den C.-Konsum im eigenen Land weiterhin zu gestatten, verpflichten sich aber, den Export zu unterbinden.

Erst 1929 wurde der Beschluss der Konferenz durch eine Änderung des Opiumgesetzes in deutsches Recht umgesetzt – seit dem ist C. als Rauschdroge in Deutschland illegal, allerdings war C. als Medikament immer noch erhältlich; in Deutschland wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die medizinischen Wirkung von C. erforscht. Der Bedarf an Fasern (für Uniformen, Rucksäcke etc.) durch den Krieg förderte den Hanfanbau in Deutschland, Amerika und anderen Ländern.In der Nachkriegszeit war in Deutschland und Europa das Interesse an C. gering, die Droge war weitgehend in Vergessenheit geraten. Erst die Hippiebewegung brachte ein Comeback des jahrtausendealten Rauschmittels in Europa und den USA.

1971 kam es in Deutschland zu einer Verschärfung des Cannabisverbots durch das neue Betäubungsmittelgesetz, das das alte Opiumgesetz aus den 1920er Jahren ablöste, möglicherweise als Reaktion auf die Jugendbewegungen der 1968er Jahre.Der Besitz, der (ungenehmigte) Anbau und der Handel mit Cannabis sind in Deutschland (und den meisten anderen Staaten der Welt) verboten. Nicht strafbar ist in Deutschland der Konsum. Beim Besitz geringer Mengen Droge wird in der Regel von Strafverfolgung abgesehen – welche Menge als gering anzusehen ist, wird jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich entschieden.

Statistik

1973 hatten rund 25 % der männlichen und 13 % der weiblichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 bis 24 Jahre in ihrem Leben wenigstens einmal schon Cannabis konsumiert. Im Jahre 2004 waren dies schon 40 % der männlichen und 31 % der weiblichen Befragten aus der gleichen Altersgruppe. Zwei Trends sind also deutlich erkennbar: Der Cannabiskonsum hat in den letzten drei Jahrzehnten deutlich zugenommen und der früher bestehende Geschlechtsunterschied gleicht sich aus.

Besonders drastisch stieg die Zahl der Klienten, die wegen Suchtproblemen mit Cannabis die Drogenberatungen aufsuchten – von rund 8000 im Jahr 2001 auf ca. 18 000 im Jahr 2005.

Rund 4 % aller deutschen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren konsumierte im Jahre 2004 regelmäßig (mehr als 10 mal im Jahr) Cannabis, das entspricht rund 400 000 Menschen.

Nach den Daten des Bundeskriminalamts wurden im Jahre 2006 rund 5 1/2 Tonnen Haschisch und fast 3 Tonnen Marihuana sichergestellt. Nach Alkohol und Nikotin steht Cannabis an Platz drei der am häufigsten konsumierten Suchtdrogen, es ist die wichtigste illegale Droge in Deutschland.

Das wichtigste Anbauland ist Marokko, von dort gelangt das Cannabis über Spanien, Frankreich, Belgien und vor allem die Niederlande nach Deutschland.

Durch die Zucht neuer, kleinwüchsiger Sorten mit hohem THC-Gehalt wurde anfangs in den Niederlanden, zunehmend jetzt aber auch in Deutschland das indoor growing von Cannabis populär, d. h. die illegale Hanfaufzucht im Haus, z.T. in Schränken, die mit Pflanzenlampen und Ventilatoren zu Gewächshäusern umgestaltet wurden.

Weblinks

Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) Basisinformationen Cannabis (pdf)

Drugcom.de von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA über Cannabis

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