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Posts Tagged ‘Diät’

Vegetarier leben eindeutig gesünder, aber: Ein bisschen Fleisch schadet nicht. So kann man die aktuelle Studienlage zusammenfassen. Vegetarier legen länger, sie erkranken seltener an Diabetes mellitus und leiden weniger an Übergewicht. Außerdem gibt es viele Hinweise darauf, dass Vegetarier seltener an Krebs erkranken.

Ein vegetarisches Mahl, © Corinn auf pixelio.de


Vegetarier und Vegetarier – das ist noch lange nicht dasselbe

Manche Vegetarier lehnen jede Form tierischer Nahrung ab, sie essen also auch keine Eier, trinken keine Milch und verwenden keinen Honig. (Viele dieser sogenannten „Veganer“ lehnen sogar Schuhe und Möbel aus Leder ab.) Andere Vegetarier essen zwar kein Fleisch, trinken aber Milch und essen Käse („Lakto-Vegetarier“), wieder andere akzeptieren Milch und Eier („Ovo-Lakto-Vegetarier“). Wieder andere lehnen zwar das Fleisch ab, nehmen aber sehr wohl Fisch zu sich. Eine letzte Gruppe ißt Fleisch nur in sehr seltenen Fällen („gemäßigte Vegetarier“).

Vegetarier achten nicht nur beim Essen auf ihre Gesundheit

Vegetarier rauchen weniger, trinken weniger Alkohol, sehen weniger fern und bewegen sich mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung. Wissenschaftler versuchen, diese Effekte heraus zu rechnen, wenn sie den Gesundheitszustand der Vegetarier mit dem der Gesamtbevölkerung vergleichen. So ganz gelingt dies aber nie.

Die Heidelberger Vegetarierstudie

21 Jahre lang, von 1978 bis 1999 beobachtete ein Team unter der Leitung von Prof. Jenny Chang-Claude am Heidelberger Krebsforschungszentrum drei Gruppen von Vegetariern: Gemäßigte, die etwas Fleisch zu sich nahmen und reine Veganer, die weder Fleisch noch Milch noch Eier aßen sowie die Gruppe der Ovo-Lacto-Vegetarier, die Milch und Eier neben einer rein pflanzlichen Diät genießen.

In allen drei Gruppen war die Sterblichkeit gegenüber der Normalbevölkerung deutlich reduziert: Bei den Männern um die Hälfte, bei den Frauen um ein Drittel. Vor allem der Tod durch Herzinfarkt konnte reduziert werden, aber auch Krebs, Magendarm- und Atemwegserkrankungen waren seltener.

Besonders günstig schnitten die Teilnehmer ab, die nicht rauchten, Alkohol nur mäßig konsumierten, Übergewicht vermieden und sich regelmäßig körperlich bewegten. Auch hier, wie in vielen anderen Studien auch, erwies sich das Rauchen als der größte aller Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit.

Die Adventisten-Studien

Die Siebenten-Tag-Adventisten sind eine protestantische Freikirche mit weltweit mehr als 16 Millionen Mitgliedern, die meisten davon leben in den USA. Die Anhänger dieser Glaubensrichtung halten sich sehr streng an bestimmte, vermutlich gesundheitsfördernde Regeln: Sie rauchen nicht und sie trinken wenig oder keinen Alkohol. Unter den Adventisten gibt es viele Vegetarier, aber auch viele Spielarten der Diät bis hin zu normaler (amerikanischer) Kost.

Das macht die Adventisten zu einer idealen Gruppe, um Einflüsse der vegetarischen Kost auf die Gesundheit zu untersuchen, ohne dass Störfaktoren wie Alkohol und Rauchen die Ergebnisse verfälschen.

Die Adventist Health Study-2 startete im Jahre 2002 und dauert bis heute an. Mit 96.000 Adventisten aus den USA und Kanada ist die Untersuchung eine der größten und umfangreichsten Studien zur Frage Gesundheit und vegetarische Ernährung weltweit.

Obwohl diese Studie och nicht abgeschlossen ist, lässt sich heute schon sagen: Vegetarier erkranken seltener an einer Koronaren Herzkrankheit (Herzkranzgefäßverengung), seltener an Diabetes und Übergewicht sowie seltener an Dickdarmkrebs.

Gibt es Nachteile bei vegetarischer Kost?

Bei Kleinkindern und Säuglingen, bei Schwangeren und Stillenden kann es bei der extremen Form der vegetarischen Ernährung, dem „Veganismus“ zu Mangelerscheinungen führen. Kleinkinder können dadurch in ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung deutlich zurückbleiben. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn sie diese Ernährungsform v.a. bei Kleinkindern praktizieren möchten. Eine ovo-lakto-vegetabile Ernährung sorgt hingegen in allen Lebensaltern für eine ausreichende Zufuhr sämtlicher Nährstoffe.

Quellen und weiterführende Links

Deutsches Ärzteblatt: Vegetarier weniger diabetesgefährdet

Deutsches Ärzteblatt: Studie: Fleischesser sterben früher

Spiegel der Forschung: Ernährung und Gesundheit von Vegetariern – Die Gießener Vegetarierstudie (pdf.)

Robert Koch-Institut: Was essen wir heute?

Deutsches Krebsforschungszentrum: Vegetarierstudie: Ein bisschen Fleisch schadet nicht, wenn man sonst gesund lebt

American Journal of Clinical Nutrition (auf PubMed): Vegetarian diets: what do we know of their effects on common chronic diseases?

Loma Linda University: Adventist Health Studies

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Vegane Ernährung: Nährstoffversorgung und Gesundheitsrisiken im Säuglings- und Kindesalter

Link zur Bildquelle: Pixelio.de

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Viele meiner Patienten sind davon überzeugt: Ein hohes Cholesterin im Blut lässt sich durch Diät wirkungsvoll senken. Stimmt das? Viele Ärzte empfehlen ihren Patienten, weniger tierisches und mehr pflanzliches Fett zu essen, um länger zu leben. Ist das bewiesen?

Das Arzneimitteltelegramm, eine Fachzeitschrift für Ärzte und Apotheker, hat alle verfügbaren Studien einer kritischen Analyse unterzogen. Das Resultat ist recht ernüchternd. Ich versuche die umfangreiche Analyse des Fachblatts in den wesentlichen Punkten zusammenzufassen.

1.) Durch strenge Diät mit wenig tierischem und mehr pflanzlichem Fett ließ sich der Cholesterinwert um 11 bis 14 % senken. Dies ist nicht viel, wenn man sehr hohe Cholesterinwerte hat. Bei einem Wert von 300 sinkt das Cholesterin auf rund 260 bis 270 – auf jeden Fall ist das immer noch zu hoch. Darüber hinaus zweifelt das Arzneitelegramm den Wert der Studien an: Sie sind oft Jahrzehnte alt, wurden zum Teil in Heimen durchgeführt. Man darf bezweifeln, ob sich die Ergebnisse auf den heutigen Alltag übertragen lassen.

2.) Es ist bislang nicht erwiesen, dass sich das Leben verlängert durch weniger (tierisches) Fett in der Nahrung. Die größte Studie zum Thema Fett war die Untersuchung der WHI (Women’s Health Initiative). Immerhin 48.835 Frauen wurden in dieser Diätstudie im Durchschnitt 8,1 Jahre lang beobachtet. Die WHI-Studie konnte weder Lebensverlängerung noch Schutz vor Herzinfarkt durch Fettverzicht nachweisen.

3.) Auch der Wert von Fischölkapseln ist nicht belegt.

4.) Schon seit langem ist bekannt, dass die Einwohner von Kreta länger leben und weniger Herzinfarkte erleiden als die finnischen Staatsbürger. Auch die anderen Anwohner des Mittelmeers scheinen vor Herzinfarkten besser geschützt zu sein als die Nordeuropäer. Was liegt näher, als die Ernährung dafür verantwortlich zu machen? Olivenöl gegen Schweinefleisch, das wurde die neue Devise der Gesundheit. Die Mittelmeerdiät als Garant für ein langes Leben? Leider fehlen bis heute die wissenschaftlichen Belege für diese Vermutung, sagt das Arzneitelegramm.

5.) Sogenannte „Transfettsäuren“ entstehen, wenn Fette hoch erhitzt werden. Auch bei der industriellen Verarbeitung von Backwaren über die Tiefkühlpizza bis zur Margarineherstellung steigt der Gehalt von Transfettsäuren. Naturbelassene Fette enthalten fast nie oder nur wenig Transfettsäuren. Auch hier ist die Beweißlage dürftig, da aber alle Studien in die gleiche (negative) Richtung weisen, empfehlen die Autoren des Fachblatts (vorsorglich) so weit wie möglich Transfettsäuren zu vermeiden. Also: Weniger Pommes, weniger Fertiggerichte, Fette nicht überhitzen.

Vergessen Sie bei aller Unsicherheit aber nicht, dass zuviel Fleisch und Fett auch aus anderen Gründen nicht gesund sind. Die Nebenwirkungen reichen von Übergewicht über Gicht bis zum Dickdarmkrebs.

Und mehr Gemüse und mehr Fisch hat auch noch andere Vorteile: Weniger Schilddrüsenerkrankungen, mehr Vitamine, bessere Verdauung und vieles mehr.

Dennoch, ich war mal wieder erstaunt. Erstaunt darüber, wie schnell Experten uns Diäten empfehlen, ohne daß irgendwelche Beweise vorliegen.

Übrigens: Ziemlich eindeutig und unbestitten ist der Zusammenhang zwischen erhöhtem Cholesterin und erhöhtem Herzinfarktrisiko. Auch ließ sich zweielsfrei beweisen, dass Cholesterinsenker-Tabletten einen Schutz vor dem zweiten Herzinfarkt bieten bzw. einen Bypass oder eine aufgedehntes Herzkranzgefäss länger offen halten.

Quellen

arznei-telegramm 2/10, 12. Febraur 2010, Seite 19 – 23

Bild: Rainer Sturm auf Pixelio.de

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Das British Medical Journal, eine der bedeutendsten medizinischen Zeitschriften weltweit, hat in seiner Weihnachtsausgabe 2008 wieder einmal kräftig mit medizinischen Mythen aufgeräumt.

maultaschenDie Mehrzahl meiner Patienten und auch viele meiner Kollegen würden mit Nachdruck behaupten: Essen am Abend macht dick!. Stimmt das wirklich? Setzen also Schnitzel oder schwäbische Maultaschen, abends gegessen, wirklich mehr an als wenn dasselbe mittags verzehrt wird ?

Die Kalorien-Bilanz entscheidet über das Gewicht, nicht der Zeitpunkt der Mahlzeit

„Mitnichten !“ sagen die Herausgeber der englischen Fachzeitschrift. Sie berufen sich dabei auf eine Vielzahl gründlicher Untersuchungen weltweit.

Es stimmt zwar: Menschen, die das Frühstück auslassen, haben ein größeres Risiko, dick zu werden. Das liegt aber nicht daran, dass sie abends mehr essen. Tatsächlich nehmen sie den ganzen Tag über vermehrt Kalorien zu sich. Regelmäßig über den Tag verteilt essen, hält schlank. Wer nur eine oder zwei Mahlzeiten zu sich nimmt, verzehrt mehr Kalorien als ein regelmäßiger Esser.

Aber ob die Hauptmahlzeit abends, mittags oder morgens eingenommen wird, ist dem Körper egal. Das einzige was zählt ist die Bilanz: Aufgenommene Kalorien minus verbrauchte Kalorien.

Noch ein paar weitere Mythen …

So ganz nebenbei erledigen die Engländer noch ein paar kleinere, hartnäckige medizinische Gerüchte:

  • Kinder werden nicht von Zucker hyperaktiv (aber viele Eltern finden ihre Kinder hyperaktiv, wenn sie glauben, dass sie Zucker gegessen haben).
  • Weihnachtssterne sind weder für Mensch noch Tier giftig.
  • Über den Kopf geht genau so viel Wärme verloren wie über jeden anderen Teil des Körpers auch.
  • Es gibt keine Häufung von Selbstmorden rund um oder an Weihnachten.
  • Es gibt kein wirksames Heilmittel gegen den Alkoholkater.

Quelle

BMJ 2008;337:a2769: Festive Medical Myths (engl.)

Bild: Schwäbisches Nationalgericht, © Albrecht E. Arnold auf pixelio.de

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In einem amerikanischen Versuchslabor erhielten Ratten alternativ Joghurt mit Süßstoff oder mit Traubenzucker. Die Ratten, deren Joghurt mit Saccharin gesüßt war, fraßen mehr und wurden dicker als ihre Versuchskollegen, deren Joghurt mit Glukose abgeschmeckt wurde.

Die Studie der beiden Psychologen Susan Swithers und Terry Davidson von der Purdue University wurde in der Februarausgabe 2008 des amerikanischen wissenschaftlichen Fachblatts Behavioral Neuroscience veröffentlicht.

Die Untersucher konnten bei den mit Saccharin gefütterten Ratten eine deutlich geringere Kerntemperatur als bei den Traubenzuckerkollegen messen.

Dass diese Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind, wird von vielen Ernährungswissenschaftlern bezweifelt. Einer von ihnen ist der Epidemiologe Adam Drewnoski von der Universität Washington. Seine zusammen mit anderen durchgeführte Bewertung mehrerer klinischer, epidemiologischer und Laborstudien ist im Fachblatt European Journal of Clinical Nutrition erschienen.

Drewnowski ist sich ganz sicher, dass Süßstoff (Menschen) beim Abnehmen helfen kann. Zur Untermauerung führt er eine Reihe von Untersuchungen an Übergewichtigen an, in der Süßstoffe die Gewichtsreduktion und die anschließende Gewichtsstabilisierung erleichterten.

Die oft geäußerte Theorie, dass der vermehrte Verbrauch von Süßstoffen parallel der Zunahme des Übergewichts in den Industrieländern verläuft, hält er für eindimensional. Zusammen mit dem steigenden Verbrauch an künstlichem Zucker gebe es auch eine Zunahme des durchschnittlichen Kalorienverbrauchs und eine drastische Reduzierung der körperlichen Aktivitäten.

Weitere Tierversuche halten Drewnoski und seine wissenschaftlichen Kollegen für entbehrlich: Normalerweise folge den Versuchen an Tieren die Untersuchungen am Menschen und nicht umgekehrt.

Zusammenfassung der (Ratten-) Studie auf Wissenschaft.de

Auf der Website von Behavioral Neuroscience ist die Studie im englischen Originaltext herunterzuladen (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1037/0735-7044.00.0.000)

Bellisle, F. and Drewnowski, A. (2007). Intense sweeteners, energy intake and the control of body weight. European Journal of Clinical Nutrition. 61, 691-700. – Zusammenfassung der Studie auf Englisch

Scientific Blogging: Study: Artificial Sweeteners Helpful In Weight Control – umfangreiche Zusammenfassung der Arbeit von Drewnoski et. al. auf Englisch

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Schon seit längerem ist bekannt, dass süße Limonaden eine Menge Fruchtzucker enthalten. Bekannt ist auch, dass Fruchtzucker die Konzentration von Harnsäure im Blut ansteigen lässt. Noch nicht untersucht wurde bisher die Frage, ob Limonade auch wirklich die Gicht fördert.

Wir empfehlen unseren Patienten mit erhöhten Harnsäurewerten heute in der Regel eine purin- und alkoholarme Diät. So sollten z.B. Hülsenfrüchte und Fleisch – besonders Niere, Leber und andere Innereien – gemieden oder zumindest reduziert werden. Über süße Limonaden haben wir nicht gesprochen.

Müssen wir aber ab sofort. Den Grund liefert eine Untersuchung von Hyon K Choi vom Arthritis Research Centre of Canada in Vancouver und Gary Curhan von der Harvard Medical School in Boston, USA. Ihre Untersuchung wurde am 31. Januar 2008 von der angesehenen englischen medizinischen Fachzeitschrift British Medical Journal veröffentlicht.

Die Forscher analysierten die Daten von 46 393 Männern aus der seit 1986 laufenden health professionals follow-up study ohne Gicht in der Vorgeschichte und beobachteten, wie oft diese in einem Zeitraum von 12 Jahren einen Gichtanfall entwickelten. Sie setzten dies in Verbindung mit dem durchschnittlichen Konsum von mit Zucker gesüßter Limonade. Sie kamen dabei zu dem Ergebnis, dass ein Glas Softdrink am Tag das Risiko für Gicht um 45 % erhöht, bei zwei und mehr Gläsern um mehr als 85 %!.

Diätlimonaden, also mit Süßstoff gesüßte Softdrinks, erhöhen das Risiko nicht.

Die Studie mit dem Titel: Soft drinks, fructose consumption, and the risk of gout in men: prospective cohort study im Britisch Medical Journal online, englisch

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