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Posts Tagged ‘Dorothea Christiane Erxleben’

Dorothea Christiane ErxlebenDorothea Christiane Erxleben war die erste deutsche Ärztin mit einem Doktortitel. Sie wurde am November 1715 in Quedlinburg, einer kleinen Stadt am Nordrand des Harzes im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt – damals zu Preußen gehörig – , geboren.

Ihr Vater, Christian Polykarp Leporin, praktizierte als Arzt und war mit der Pastorentochter Anna Sophia Leporin verheiraretet. Weil die kleine Dorothea sehr kränklich war, war sie von der Hausarbeit befreit und wurde von ihrem Vater zusammen mit ihrem älteren Bruder unterrichtet. Später erhielt sie auch privaten Unterricht vom Direktor des örtlichen Gymnasiums – Mädchen war der Besuch dieser Schulen verboten. Ihr Vater führte sie in die praktische Medizin ein, nahm sie auch zu Hausbesuchen mit.

1741 genehmigten die preußischen Behörden im ersten Jahr der Regentschaft des aufgeklärten Friedrichs des Großen Dorothea als erster Frau das Medizinstudium an der Universität Halle. Als ihr Bruder, der mit ihr studieren wollte, sich jedoch durch Flucht dem preußischen Militärdienst entzog, traute sich Dorothea nicht mehr an die exklusiv männliche Einrichtung.

Dorothea gab ihre Studienpläne zunächst auf und heiratete den verwitweten Prediger Johann Christian Erxleben, der fünf Kinder mit in die Ehe brachte, vier eigene Kinder kamen im Laufe der Jahre noch hinzu.

Der Familie ging es finanziell schlecht, die vielbeschäftigte Mutter versuchte, durch die illegale Ausübung des Arztberufs das Familieneinkommen aufzubessern. Natürlich wurde sie von den eingesessenen Ärzten beim Quedlinburger Stiftshauptmann angeschwärzt, der ihr prompt das weitere Praktizieren ohne die damals dafür erforderliche Dissertation untersagte.

timbre_allemagne_60pf_dorothea_erxleben_1988.jpgAm 6. Januar 1754 – kurze Zeit nach der Geburt ihres vierten Kindes – war es dann soweit, Erxleben hat ihre Dissertation mit dem Titel: Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsichern Heilung der Krankheiten fertiggestellt. Sie verteidigt die Doktorarbeit mit Bravour in flüssigem Latein vor den Professoren der Universität.

Mit Doktortitel durfte „Frau Dr.“ Erxleben nunmehr legal den Arztberuf ausüben und betrieb in Quedlinburg eine erfolgreiche Praxis, in der sie schwerpunktmäßig Frauen und Kinder behandelte, bis sie 1762 – viel zu früh im Alter von 46 Jahren – an einem Brustkrebs verstarb.

Bereits 1742 erschien ihre Abhandlung mit dem Titel: Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten. Den Beweis ihrer Behauptung, dass Frauen ebenso wie Männer zu einer akademischen Laufbahn und Tätigkeit als Ärztin befähigt sind, hat sie mit ihrem eigenen Leben eindrucksvoll und zum ersten Mal in Deutschland erbracht.

Es dauerte dennoch über 100 Jahre, bis Frauen in Deutschland generell zum Medizinstudium zugelassen wurden – in Preußen erstmals zum Wintersemester 1908/1909.

Ausführlicher Lebenslauf auf der Geschichtsseite von Till Bergner

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