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Posts Tagged ‘Influenza A H1N1 – Ausbruch in Mexiko und den USA’

mexikoSoeben wird der erste (gesicherte) Fall aus Spanien gemeldet. In Mexiko sollen bereits über 100 Menschen an der neuen Seuche gestorben sein, gesichert sind aber nur 18 Fälle bei immerhin über tausend Patienten mit Schweinegrippeverdacht. Weiterhin nur leichte Verläufe der Erkrankung werden aus den USA gemeldet, von den 20 gesicherten Fällen musste nur ein Patient im Krankenhaus behandelt werden.

Epidemie in Mexiko seit März 2009?

Schon seit März dieses Jahres wurde eine Häufung von Todesfällen im Zusammenhang mit grippeähnlichen Erkrankungen aus dem Zentrum Mexikos gemeldet.

Anfang April isolierte man in San Diego , an der Grenze von Kalifornien zu Mexiko gelegen, einen Influenza – A – Virus, der sich mit den herkömmlichen Verfahren nicht weiter klassifizieren ließ. (Die beiden Kinder, aus dessen Nase man den Abstrich gewonnen hatte, waren gar nicht so schwer krank und sind mittlerweile wieder ganz gesund. Der Grund für den Abstrich war wohl der Bericht über die mexikanischen Todesfälle. )

Der Abstrich wurde weitergereicht zur Centers for Disease Control (CDC), der zuständigen amerikanischen Gesundheitsbehörde. Diese klassifizierte den Virus als neue Variante des Influenza – A – Virus und verpasste ihm die Bezeichnung A/California/04/2009 A(H1N1).

Den gleichen Erreger wiesen amerikanische Untersucher nun auch in Mexiko nach. Jetzt erst waren die Zutaten für das große (Medien-)Spektakel gemischt: Todesfälle plus unbekanntem Erreger! (Das schon sechs Wochen zuvor etliche gesunde junge Mexikaner an einer Grippe verstarben, war keine Schlagzeile wert.)

Das CDC klärte das Erbgut des neuen Virus auf und entwickelte einen Test, mit dem der neue Schweinegrippevirus weltweit nachweisbar sein wird. Wenn jetzt also an allen Ecken der Welt neue Infektionen nachgewiesen werden, muss dies nicht unbedingt auch eine rasende Verbreitung anzeigen: Es ist durchaus möglich, dass der Virus schon vorher da war, aber nicht bestimmt wurde – wie zuvor in Mexiko.

Nur leichte Fälle in den USA – hohe Sterblichkeit in Mexiko?

Immer noch erstaunlich: Todesfälle werden nur aus Mexiko berichtet, in den USA scheinen alle Erkrankungen sehr leicht zu verlaufen. Ob dies wirklich, wie Andreaas Bohn in einem Kommentar meint, an der unterschiedlichen Gesundheitsversorgung in Mexiko und den USA liegt, wage ich zu bezweifeln. So stark ist meiner Meinung nach der Einfluss der Medizin auf den Verlauf der Grippeerkrankung nicht: Ob die neuen antiviralen Medikamente tatsächlich Todesfälle verhindern können, ist bisher noch umstritten.

Hier besteht noch weiter dringender Aufklärungsbedarf!

Wie ist der neue Virus entstanden?

Der neue Virus setzt sich zusammen aus Bestandteilen des amerikanischen Vogelgrippevirus, des nordamerikanischen Schweinegrippevirus, der Variante desselben Virus aus Europa und Asien sowie dem menschlichen Influenza-A-Virus.

Höchstwahrscheinlich entstand er in einem grippekranken Schwein, welches sowohl von einem Menschen als auch von einem Vogel angesteckt wurde. Heraus kam eine neue Variante, die auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Da der Mensch keine Möglichkeit hatte, Abwehrstoffe gegen den völlig neuen Virus zu entwickeln, ist eine weite und schnelle Verbreitung zu befürchten. (Die Schwere der Erkrankung hängt dagegen noch von weiteren Faktoren ab und ist zur Zeit noch nicht sicher abzuschätzen.)

Grippeviren vom Schwein gibt es schon lange: Der Schweinegrippevirus wurde bereits 1930 nachgewiesen. Es gibt auch schon seit längerem Übertragungen vom Schwein auf den Mensch und auch die Übertragung der Schweineviren von einem Mensch auf den anderen wird schon länger beobachtet.

Auch kleinere Epidemien wie die in Fort Dix 1976 sind bekannt. 13 Soldaten erkrankten, 230 waren infiziert. Es wurde nie geklärt, woher die Epidemie stammte und auch nicht, warum sie so plötzlich wieder endete. (Damals wurden 40 Millionen Amerikaner geimpft. Die Aktion wurde abgebrochen, weil 500 Impflinge an einem Guillain-Barré-Syndrom, einem schweren Nervenleiden, erkrankten und 30 starben. An der Grippe starb nur ein Patient.)

Schweinefleisch kann übrigens unbedenklich gegessen werden – die Grippeviren werden bei 75 Grad Celsius abgetötet. Und es ist noch nie eine Fall von Schweinegrippe nach dem Verzehr von Schweinefleisch beobachtet worden.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Globale Öffentlichkeit im Bann der Schweinegrippe

Robert Koch-Institut zur Influenza und Schweineinfluenza

Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit zur Schweinegrippe

Scienceinsider, der Blog des Science Magazine: Swine Flu Spreads, But Severity and Genetics Remain Murky

WHO:
Global Outbreak Alert & Response Network

CDC: Human Swine Influenza Investigation

WHO: Swine influenza

CDC: Swineflu – Die aktuellen Erkrankungszahlen aus den USA

ECDC – European Centers for Disease Control: Swine influenza outbreaks in the US and Mexico

Foto: Bahnfahrende mit Mundschutz in Mexiko-City, Wikimedia Commons, CC- 2.0-Lizenz

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schweinIn Mexiko und im Südwesten der USA sind im März und April 2009 über 1000 Menschen an einer Infektion durch einen neuartigen Schweinegrippevirus erkrankt, der zuvor noch nie gesehen wurde. In Mexiko starben 60 Menschen bis zum heutigen Tag, dem 25. April 2009, in den USA wurden nur leichtere Erkrankungen berichtet.

Viele junge gesunde Menschen erkrankt

Erstaunlicherweise erkrankten sehr viele gesunde junge Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren an der neuen Form der Grippe, außerdem brachen die Infektionen an mehreren Orten gleichzeitig aus, ohne dass ein Kontakt zwischen den Erkrankten bisher nachgewiesen werden konnte.

Die amerikanische Behörde CDC (Centers for Disease Control) berichtete, dass der bei den Patienten nachgewiesene Virus eine neue Form des Influenza A – Erregers vom Typ H1N1 darstellt. Er enthalte Bestandteile vier verschiedener bisher bekannter Grippeviren: Der amerikanischen und der europäisch-asiatischen Schweinegrippe – Viren, der Vogelgrippe sowie der menschlichen Influenza-A-Viren.

Das Schwein als Schmelztiegel der Grippeviren

Obwohl der Virus zu den Erregern der Schweinegrippe gezählt wird, haben die erkrankten Personen mehrheitlich keinen Kontakt zu Schweinen gehabt. Der Virus wurde vermutlich von Mensch zu Mensch übertragen. Allerdings ist es zu vermuten, dass er zuerst im Schwein entstanden ist – das Schwein ist schon seit langem als der „große Schmelztiegel“ der Grippeviren bekannt.

Bisherige Grippeschutzimpfungen schützen vermutlich nicht gegen diese neuartige Form der Virusgrippe. Es ist bisher unklar, warum es in Mexiko im Gegensatz zu den USA zu so vielen Todesfällen kam, während doch ziemlich eindeutig festgestellt werden konnte, dass es sich um ein und dasselbe Virus in beiden Ländern handelt.

Erinnerungen an die Spanische Grippe 1918

Vieles an diesem neuen Grippeausbruch erinnert an die große weltweite Grippeseuche von 1918, die „Spanische Grippe“: die hohe Anzahl von Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, der völlig neue Virustyp und der gleichzeitige Ausbruch an verschiedenen Orten.

Man wird abwarten müssen, ob dieser neue Ausbruch der Beginn des von Forschern weltweit schon länger erwarteten großen, weltweiten Grippeseuchenzugs wird oder nicht. Die Weltgesundheitsorganisation hat ihren Krisenstab zusammengerufen, aber noch keinen „Pandemiealarm“ ausgelöst.

Quellen

WHO: Influenza-like illness in the United States and Mexico

Centers for Disease Control: Briefing on Public Health Investigation of Human Cases of Swine Influenza

CDC: Update: Swine Influenza A (H1N1) Infections — California and Texas, April 2009

CDC: Swine Influenza (Flu)

Einschätzung des Robert Koch-Instituts zur Situation der Schweinegrippe

Antworten des Robert Koch-Instituts zur Schweine-Influenza bei Menschen

Bild (Schweine): ©Ute Bibow auf Pixelio.de

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