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Chlostridium botulinum heißt das Bakterium, es wächst am besten ohne Zufuhr frischer Luft („anaerob“) und produziert ein hochwirksames Gift, das „Bolutinumtoxin“. Mit einem Gramm diesen Gifts soll man eine Million Menschen töten können. Botulinumtxoin wird als Botox® in der Medizin eingesetzt, um damit Menschen zu helfen, die unter Krankheiten leiden, bei der es zu störenden Muskelkontraktionen kommt. Das man damit auch Falten und Fältchen wegspritzt, kann man in jedem Boulevardblatt lesen.

Chlostridien unter dem Mikroskop

Seit langem bekannt: Akute Vergiftung

Botulismus kannte man bisher nur als akute Vergiftung. Früher gab es Vergiftungen durch den Genuss schlechter Wurst, botulus ist der lateinische Name für Wurst. Heute sind meist verdorbene Konserven Schuld, am häufigsten hausgemachte („eingekochte“) Konserven von Fleisch oder Gemüse.

18 bis 36 Stunden nach dem Genuss der verdorbenen Speisen kommt es zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, auch zu Verstopfung. Später treten Lähmungen der Muskulatur auf, manchmal muss der Patient sogar beatmet werden, weil die Atemmuskulatur zu schwach wird. Die Diagnose ist sehr schwer, erfolgt heute noch im Tierversuch an der Maus. Ein Gegengift, gewonnen vom Pferd, kann lebensrettend sein und wird oft schon bei reinem Verdacht appliziert.

Außer dieser akuten Vergiftung gibt des einen Botulismus durch Wundinfektion. In schmutzigen Wunden vermehrt sich der Erreger und gibt das Gift an den Körper ab.
Säuglingsbotulismus: Die Bakterien produzieren das Gift im Darm

Der Säuglingsbotulismus ist ebenfalls schon länger bekannt. Weltweit ist es die häufigste Form des Botulismus. Meist um den zweiten Lebensmonat herum besiedelt Clostridium botulinum den Darm des Säuglings und produziert hier sein Gift. Der Verlauf ist bei weitem nicht so dramatisch wie bei der Vergiftung: Der Säugling ist insgesamt sehr schwach und trinkt schlecht.

Vor allem Milchvieh ist betroffen


Chronischer Botulismus beim Erwachsenen

Vermutlich gibt es diese Form des chronischen Botulismus auch beim Erwachsenen und es spricht vieles dafür, dass diese Form in der letzten Zeit häufiger wird. Die meisten Betroffen sind Landwirte mit Milchviehhaltung. Sie stecken sich scheinbar bei ihren Rindern an, die sich zuvor durch Futter, das mit Clostridien belastet war, infiziert haben.

Die Betroffenen fühlen sich von den offiziellen Stellen im Stich gelassen. Chronischer Botulismus bei den befallen Tieren ist nicht als Tierseuche anerkannt, deswegen gibt es auch keine Entschädigung aus der Tierseuchenkasse. Manche Betroffene haben zunächst hilflos den Untergang ihres Betriebs verkraften müssen, um nach dem finanziellen Ruin mit ihrer Krankheit kämpfen zu dürfen.

Übrigens: Der chronische Botulismus wird weder durch Milch noch Fleisch übertragen. Die Krankheit beim Menschen entsteht offensichtlich nur durch langfristigen Kontakt von Mensch und Tier. Die Symptome ähneln der Säuglingserkrankung: Schwäche der Muskulatur, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche.

Links und Quellen

* Leitlinie Botulismus der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

* Interessengemeinschaft Botulismus und Clostridiose betroffener Tier-und Landbesitzer Verein e.V.

* Friedrich Löffler Institut: Informationen zu klassischem und chronischem Botulismus (pdf)

* Zeit online:Botulismus – Die ignorierte Seuche

* Agrar- und Veterinärakademie: Umfangreiche Linksammlung

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Einen geringen, aber signifikanten Zusammenhang zwischen Parodontose und Krebserkrankungen fand eine britisch-amerikanische Forschergruppe jetzt heraus. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn man die bekannten Krebs-Risikofaktoren wie das Rauchen und die Ernährung herausrechnet.

Sehr wichtig ist diese statistische Korrektur vor allem für das Rauchen, weil Rauchen nicht nur die Krebsentstehung, sondern auch die Parodontose kräftig fördert. Umso erstaunlicher war es, dass auch bei „Nie-Rauchern“ der Zusammenhang zwischen der Zahl der durch Parodontose verlorenen Zähne und des Risikos für eine Krebserkrankung nachweisbar war.

Deutlich war der Zusammenhang insbesondere bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse, des blutbildenden Systems und der Niere, bei Rauchern auch der Lunge.

Die Ursache für die im Durchschnitt um 14 % höhere Rate an Krebserkrankungen ist unklar. Zeigt die Parodontose ebenso wie die Erkrankung an Krebs ein gestörtes Immunsystem an oder ist sie ein eigenständiger Krebsrisikofaktor ?

In diesem Fall wäre Zähneputzen eine effektive Art der Krebsvorbeugung!

Quelle

Zusammenfassung der Originalstudie in Lancet Oncology 2008; 9:550-558 (engl.)

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Rückfallfieber

Rückfallfieber (syn.: Febris recurrens, Rekurrensfieber, engl.: : relapsing fever, Abk.: RF), als Läuserückfallfieber (louse-borne RF, LBRF) durch Kleiderläuse, als Zeckenrückfallfieber (tick-borne RF, TBRF) durch Zecken übertragene, von Borellien – spiralförmigen, gramnegativen Bakterien – verursachte Infektionskrankheit. Typisch sind Fieberschübe, die von mehreren fieberfreien Tagen unterbrochen werden (rekurrierendes Fieber).

Vorkommen

Etwa 10000 Fälle von LBRF kommt im Nordwesten Afrikas, dort vor allem im Hochland von Äthiopien, jährlich vor. Kleiderläuse vermehren sich vor allem, wenn es schwer wird, die Wäsche zu waschen und zu wechseln. Dies betrifft vor allem armen Menschen in Afrika während der Regenzeit, bei Krieg und Bürgerkrieg oder anderen Katastrophen. Dann kommt es zeitweise zu Epidemien von LBRF.

Im 19. Jahrhundert war das LBRF global noch weit verbreitet: In Gefängnissen, Slums und anderen Orten, an denen Menschen unter schlechten hygienischen Verhältnissen zusammen leben mussten. Zu Beginn des 20. Jahrhundert trat das LBRF häufig in Osteuropa, auf dem Balkan und in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf. Mittlerweile ist es dort wegen der verbesserten Lebensbedingungen verschwunden.

LBRF wird selten auf Touristen übertragen, weil der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung nicht eng genug ist. Eine reale Gefahr besteht aber für Entwicklungshelfer.

Das TBRF, übertragen durch Zecken der Gattung Ornithodorus aus der Familie der Lederzecken (Argasidae), ist weltweit verbreitet. Die genaue Anzahl der Erkrankungen ist nicht verlässlich zu schätzen, Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer.

TBRF kommt im gesamten Mittelmeerraum, in Afrika südlich der Sahara, im Mittleren Osten, Südrussland, Zentralasien China und Indien sowie Nord- Mittel- und Südamerika vor. In den USA werden gelegentlich Fälle vor allem aus den westlichen Bundesstaaten berichtet.

Übertragung

Kleiderläuse ( Pediculus humanus var. corporis ) infizieren sich nach der Blutmahlzeit beim Menschen, dem einzigen Reservoir, mit dem Bakterium Borellia recurrentis. Es kommt bei der Laus nur in der Hämolymphe, nicht im Speichel vor. Die Infektion des Menschen nach dem Läusebiss erfolgt nur, wenn die Laus zerstört wurde und Hämolymphe in die Bißwunde oder in den Läusespeichel gelangt. Die Kopflaus überträgt kein RF.

TBRF wird dagegen direkt beim Biss der Zecke übertragen. Zecken infizieren sich in der Regel bei Nagetieren mit den für das RF verantwortlichen Borellien. Nur eine Zeckenart, die Ornithodorus moubata, infiziert sich direkt beim Menschen mit dem Bakterium Borellia duttoni.

RF-übertragende Zeckenarten beißen schmerzlos, meist in der Nacht und saugen nur etwa 30 bis 45 Minuten, bevor sie wieder vom Wirt, dem Menschen, abfallen. Die meisten Patienten mit RF durch Zecken können sich daher nicht an einen Zeckenbiss erinnern.

Symptome

Die Symptome des LBRF und TRBF sind recht ähnlich. Durchschnittlich eine Woche nach der Infektion bricht die Erkrankung plötzlich und heftig aus mit Fieber über 40 ° C, Kopfschmerzen, trockenem Husten, Muskel- und oft starken Gelenkschmerzen. Übelkeit und Erbrechen sind nicht selten. Lichtempfindlichtkeit, Nackensteifigkeit und Delir lassen an eine Beteiligung des ZNS denken. Koma, Gehirnnervenlähmungen und Erblindung durch eine Entzündung des Sehnerven treten bisweilen auf. Bei einem Drittel der Patienten finden sich punktförmige Blutungen der Haut (Petechien). Aber auch Nasenbluten, Blutungen von Magen und Darm und Gehirnblutungen kommen vor. Leber und Milz sind meist leicht vergrößert, in seltenen Fällen kann eine Milzruptur als lebensbedrohliche Komplikation auftreten.

Nach Beginn der Erkrankung kommt es ohne Behandlung zwei bis sieben Tage lang zu einer Verschlimmerung, dann fällt das Fieber nach einem letzten heftigen Anstieg mit Schüttelfrost plötzlich (kritisch) ab. Der Kreislauf des Patient ist durch diese Krise stark belastet.

Nach einigen Tagen bis hin zu einigen Wochen scheinbarer Gesundheit und völliger Fieberfreiheit kommt es zu einem erneuten Fieberanstieg. Auch dieser geht nach einigen Tagen wieder in eine fieberfreie Phase über. Bei LBRF wiederholt sich diese Abfolge in der Regel zweimal, bei TBRF wesentlich häufiger, bis zu zehnmal. Die Erkrankung schwächt sich von Zyklus zu Zyklus ab.

Diagnose

RF wird sicher diagnostiziert durch den mikroskopischen Nachweis der Erreger im Blut, im Knochenmarkpunktat oder im Liquor. Lebende, bewegliche Borellien können in der Dunkelfeld- oder Phasenkontrastmikroskopie eines ungefärbten Ausstrichs gefunden werden. Fixiert und unbeweglich werden sie unter dem Mikroskop nach einer Giemsa- oder Wright-Färbung dargestellt. Der Nachweis gelingt in 70 % der Fälle, die meisten Erreger sind im Blut während des Fieberanstiegs vor der Krise der Erkrankung zu finden.

In Speziallaboren wird auch die Kultur auf Spezialnährböden oder im Bauchfell von Laborratten durchgeführt.

Der Nachweis von Antikörpern im Blut ist unzuverlässig, es gibt viele Kreuzreaktionen mit anderen Krankheiten wie Syphilis, Leptospirosen etc..

Therapie

Das LBRF kann mit einer einzigen Dosis eines Antibiotikums ausreichend behandelt werden, bei dem durch Zecken übertragenen RF bevorzugt man eine Therapie über 7 Tage. Verwendet wird meist Doxycyclin (100 mg einmalig bzw. 2 x tgl.) oder Erythromycin (500 mg einmalig bzw. 4 x tgl.).Die Behandlung führt in 50 % der Fälle zu einer Jarish-Herxheimer-Reaktion mit Fieberanstieg, Blutdruckabfall, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Schüttelfrost. Eine symptomatische Behandlung ist hierbei meist ausreichend.

Das unbehandelte LBRF hat eine hohe Sterblichkeit, sie wird mit 50 bis 70 % angegeben und hängt ab vom Ernährungs- und vorhergehendem Gesundheitszustand der betroffenen Menschen. Mit Behandlung sterben weniger als 5 % der Erkrankten.

Das TBRF ist insgesamt eine etwas weniger ernste Erkrankung, die Sterblichkeitsraten sind nicht genau bekannt, sie liegen nach Angaben des CDC (Center for Disease Control, USA) zwischen 5 und 10%, behandelt erholen sich fast alle Patienten nach einigen wenigen Tagen.

Vorbeugung

Das LBRF wird am besten vermieden, wenn die Lebensumstände der betroffenen Menschen verbessert werden: saubere Kleidung und Wohnungen, Auflösung von Slums und Flüchtlingslagern und Schaffung menschenwürdiger Unterkünfte. Im Falle einer Epidemie stehen Entlausungsmaßnahmen der Kleidung und Behandlung der Betroffenen im Vordergrund, unter Umständen ist auch eine vorbeugende Behandlung mit einer Einmalgabe von 100 mg Doxycylin sinnvoll. Schwangere und Kinder erhalten wegen der Nebenwirkungen besser Erythromycin.

Das TBRF wird in den betroffenen Regionen meistens bei Übernachtungen in ländlicher Umgebung im Freien oder in Unterkünften, in denen auch Nagetiere leben, erworben. Das Vermeiden solcher Unterkünfte, die Beseitigung von Nagetieren und Zecken aus Wohnunterkünften und der Schutz vor Zecken durch zeckenabweisende Mittel (Repellents) und geeignete Kleidung sind wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung.

Quellen

  • David T. Dennis, Edward B. Hayes: Relapsing Fever, in: Harrison’s Principles Of Internal Medicine, Kapitel 156, Sixteenth Edition, 2005, Mac Graw Hill.

Weblinks

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Krebserkrankungen

Krebserkrankungen, (Krebs, bösartige Neubildungen, maligne Neoplasien), eine Gruppe von mehr als 100 Erkrankungen, bei denen Zellen unkontrolliert wachsen und sich teilen, in andere Gewebe eindringen und durch direktes Wachstum die unmittelbare Umgebung oder durch Absiedlung auch entfernte Stellen des Körpers schädigen (Bildung sogenannter Metastasen).

Karzinome sind bösartige Tumore die sich von den Epithelzellen der Haut, der Schleimhäute und der Drüsen ableiten. 80 % aller Krebse sind Karzinome wie z.B. der Brust-, der Prostata-, der Lungen- und der Dickdarmkrebs.

Bösartige Tumore des Binde- oder Stützgewebes werden Sarkome genannt.

Von Leukämien spricht man bei einer Entartung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), maligne (bösartige) Lymphome heißen die bösartigen Tumore der Lymphknoten.

Das unkontrollierte Wachstum wird durch Mutationen der Gene hervorgerufen, die die Zellteilung kontrollieren. Diese Mutationen werden oft durch chemische oder physikalische Einflüsse verursacht, die man Karzinogene nennt. Andere Mutationen treten spontan auf oder sind angeboren (Keimbahnmutationen).

Unbehandelt führt Krebs meist zum Tode. Jeder dritte Mensch in den industrialisierten Ländern des Westens erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs, jeder vierte verstirbt an dieser Erkrankung.

Die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, steigt mit dem Alter, aber auch Kinder, selbst Neugeborene, sind betroffen.

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden große Fortschritte in dem Verständnis der Erkrankung gemacht, im wesentlichen durch genetische und zellbiologische Forschung. Diese Erkenntnisse schlagen sich langsam auch in Verbesserungen der Therapie nieder, die aus der möglichst frühzeitigen Operation, Chemotherapie, Bestrahlung oder einer Kombination aller dieser Verfahren besteht. Immun- und Hormontherapie treten ergänzend hinzu.

Krebs kann viele verschiedene Symptome verursachen, abhängig von der Lokalisation, dem Charakter des bösartigen Tumors und davon, ob Metastasen vorhanden sind. Die meisten Krebserkrankungen können behandelt und viele geheilt werden, vor allem, wenn die Behandlung rechtzeitig beginnt.

Viele Arten von Krebs stehen im Zusammenhang mit Einflussfaktoren wie Zigarettenrauchen, Alkoholkonsum oder bestimmten Viren. Einige von diesen können vermieden werden, Vorbeugungs- und Impfprogramme sind weltweit von Bedeutung. Früherkennungsprogramme bei einigen Krebsarten wie z. B. dem Cervixkarzinom sind unumstritten, beim Prostatakrebs und anderen wird heftig um das Verhältnis von Kosten zu Nutzen und das Verhältnis von Nutzen zu Nebenwirkungen diskutiert.

Geschichte

K. waren bereits lange vor unserer Zeitrechnung bekannt, wie z. B. eine recht genaue Beschreibung des Blasenkrebses der im Niltal lebenden Bauern aus dem Papyrus Ebers zeigt. Mumien aus dem alten Ägypten zeigen Spuren von K. an den Knochen. Hippokrates nannte gutartige Tumoren oncos, griech. für Anschwellung und bösartige Tumoren carcinos, griech. für Krebs. Die eigentümliche Wahl des Namens rührt möglicherweise vom Aussehen der Schnittfläche eines soliden bösartigen Tumors her mit einem runden harten Zentrum in der Mitte, umgeben von charakteristischen Ausläufern, die vage an die Silhouette eines Krebses erinnern. Später fügte er die Endung –oma, griech. für Schwellung hinzu, es ergab sich Carcinoma.

Wie eine Krabbe ihre Gliedmaßen aus allen Teilen ihres Körpers nach außen steckt, so schwellen bei dieser Krankheit die Venen auf, breiten sich aus und bilden eine ähnliche Figur, beschrieb Galen diese Erkrankung. Heute ist Karzinom der medizinische Ausdruck für bösartige Tumore, die vom Epithelgewebe abstammen. Celsus übersetzte carcinos in das lateinische cancer, das heute das englische Wort für Krebs geworden ist. Galen benutzte oncos um alle Tumore zu beschreiben und legte die Grundlage für das moderne Wort Onkologie.

Die Erforschung der Ursachen von K. ist über 2000 Jahre alt. 200 v. Chr. sah der griechisch-römische Arzt Galen eine chronische Entzündung als Ursache. 1761 vermutete der englische Mediziner John Hill einen Zusammenhang zwischen Schnupftabak und Nasenkrebs. Sir Percival Pott, ebenfalls Arzt aus England, beschrieb 1775 den Zusammenhang zwischen Krebs des Hodensacks und der Tätigkeit als Schornsteinfeger. Rudolf Virchow, der deutsche Pathologe, postulierte 1850, dass jeder Krebs von einer einzigen krebsartig entarteten Vorläuferzelle abstammt und begründete damit die heutige Auffassung von K. als Erkrankungen der Zelle. Der amerikanische Pathologe Francis Peyton Rous entdeckte bereits 1910, dass Krebs bei Hühnern durch Viren verursacht werden konnte, den Nobelpreis für diese Entdeckung erhielt er 1966. Katsusaburo Yamagiwa und Koichi Ichikawa zeigten im Jahr 1915, dass mit Kohleteer angepinselte Kaninchenohren zu bösartiger Entartung neigten. Seit den 1960er Jahren führten die neuen Erkenntnisse in der Virusforschung zu einer neuen Betrachtung der Krebsentstehung: Die Entdeckung der viralen Onkogene, der Tumorsuppressorgene und der Protoonkogene führten zur Bestätigung einer Hypothese des deutschen Biologen Theodor Boveri aus dem Jahre 1914: Krebs ist eine genetisch bedingte Erkrankung.

Begriffsbestimmung

Neoplasie und Neoplasma sind die wissenschaftliche Bezeichnung für die Neubildung von Gewebe, ein Neoplasma kann sich gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) verhalten.

Krebs ist ein oft gebrauchtes Wort, das normalerweise als Synonym verstanden wird mit malignem Neoplasma. Gelegentlich wird es (ungenau) anstelle von Karzinom, einer Untergruppe von bösartigen Tumoren, die von Epithelzellen ausgehen, gebraucht.

Tumor in der medizinischen Terminologie meint nichts mehr als Schwellung, neoplastisch, entzündlich, durch Unfall (Trauma) oder wie auch sonst immer entstanden. In der allgemeinen Sprache ist Tumor jedoch weitgehend synonym mit Neoplasma, bösartig oder gutartig. Das ist nicht ganz korrekt, weil es einige Neoplasien gibt, die keine Tumore bilden, zum Beispiel Leukämie oder das Carcinoma in situ. Und andererseits gibt es sehr viele Tumore, die keine Neoplasien darstellen, z. B. Blutergüsse und entzündliche Schwellungen.Krebse werden klassifiziert nach den Zelltypen, aus denen sie bestehen und deshalb nach dem Gewebe, von dem man glaubt, dass es der Ursprungsherd der malignen Neoplasie ist.

Karzinome sind bösartige Tumore die sich von den Epithelzellen der Haut, der Schleimhäute und der Drüsen ableiten. 80 % aller Krebse sind Karzinome wie z. B. der Brust-, der Prostata-, der Lungen- und der Dickdarmkrebs. Bösartige Tumore des Binde- oder Stützgewebes werden Sarkome genannt.

Maligne Lymphome und Leukämien sind bösartige Erkrankungen, die sich vom Blut und vom Knochenmark ableiten.

Wenn die Mesothelzellen der Pleura (des Lungenfells) und des Peritoneums (des Bauchfells) bösartig entarten, entstehen Mesotheliome.

Gliome sind Tumore, die von Zellen im Gehirn, den sog. Gliazellen ausgehen. Keimzelltumore bestehen aus entarteten Keimzellen, die üblicherweise in den Eierstöcken bzw. Hoden gefunden werden.

Chorioncarcinome sind Tumore der Plazenta (des Mutterkuchens).

Die Bezeichnungen für bösartige Tumore werden üblicherweise aus zwei Teilen gebildet. Der erste Teil besteht aus der lateinischen, griechischen oder deutschen Bezeichnung für das Organ oder die Lokalisation des Tumors, der zweite Teil kennzeichnet die Gewebeart, die bösartig entartet ist. Zum Beispiel wird ein bösartiger Tumor der Vorsteherdrüse Prostatakarzinom genannt. Ein bösartiger Tumor des Fettgewebes ist ein Liposarkom, der Magenschleimhaut ein Magenkarzinom. Bei gutartigen Tumoren wird oft der Zusatz –om gebraucht, ein gutartiger Muskeltumor der Gebärmutter heißt z. B. Uterusmyom. Die Nomenklatur ist aber nicht ganz regelmäßig, weil auch bösartige Tumore bisweilen mit –om bezeichnet werden, wie z. B. beim Neuroblastom und Melanom. In einigen Fällen werden Tumore auch nach dem Namen des Arztes, der sie zum ersten Mal beschrieben hat, benannt. Das Hodgkin Lymphom wurde 1832 zum ersten Mal von dem englischen Arzt Thomas Hodgkin beschrieben, der Wilms-Tumor vom deutschen Arzt Max Wilms, das Ewing – Sarkom vom amerikanischen Pathologen James Ewing.

Häufigkeit

Krebs bei Erwachsenen

In Europa und Nordamerika ist Krebs verantwortlich für ca. 25 % aller Todesfälle. Jährlich wird bei 0,5 % der Bevölkerung Krebs neu diagnostiziert. In Deutschland erkrankten im Jahre 2000 ca. 200.000 Männer und 194.700 Frauen an Krebs. An dieser Krankheit verstarben im gleichen Jahr 108.000 Männer und 100.000 Frauen.

Krebs ist eine Erkrankung des Alters: Das durchschnittliche Erkrankungsalter der Männer lag bei 66, der Frauen bei 67 Jahren.

Krebs der Prostata (20,3 %), der Lunge (13%) und des Darms (10%) sind die häufigsten bösartigen Erkrankungen der Männer, bei den Frauen führt bei den Neuerkrankungen der Brustkrebs (24,4%), gefolgt vom Lungen- (12%)- und Darmkrebs (11%).

Die höchste Sterblichkeit bei beiden Geschlechtern hat der Lungenkrebs (31 % aller Krebstodesfälle der Männer, 27 % der Frauen). An zweiter Stelle folgt beim Mann der Prostatakrebs (10%), bei der Frau der Brustkrebs mit 15%. Auf Platz drei steht bei Männern und Frauen mit jedem 10.ten Krebstodesfall der Darmkrebs.Seit den 1990er Jahren bleibt die Neuerkrankungsrate an Krebs auf gleichem Niveau, das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt jedoch an, so dass die altersstandardisierte Krebserkrankungsrate zurückgeht.

Krebs im Kindesalter

Krebs kann – wenn auch selten – bei jungen Kinder und Heranwachsenden auftreten. Die größte Inzidenz tritt im ersten Lebensjahr auf. Jährlich treten bei den unter 15jährigen in Deutschland etwa 1800 neue Fälle auf, das heißt von 100.000 Kindern erkranken 14 Kinder pro Jahr neu an Krebs, bis zu seinem 15. Lebensjahr erkrankt eines von 500 Kinder an einer bösartigen Erkrankung.. Nach den Unfällen sind die Krebserkrankungen die zweithäufigste Todesursache im Kindesalter.Der Anteil der Kinder an allen Krebskranken beträgt 1 %.

Die Leukämie ist mit 33 % die häufigste kindliche bösartige Erkrankung, gefolgt von den bösartigen Tumoren des ZNS (20 %) und den Malignen Lymphomen (12%). Der Rest besteht aus dem Wilms-Tumor, den Rhabdomyosarkomen aus dem Muskelgewebe, dem Retinoblastom, dem Osteosarkom und dem Ewing-Sarkom.

Die Überlebensrate bei Kindern hat sich durch die verbesserte Therapie in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert, sie liegt 5 Jahre nach Diagnosestellung bei 79 %, 10 Jahre danach bei 73 %. Die Überlebenschance ist sehr gut für Kinder mit Neuroblastom, Wilms- Tumor und Retinoblastom, relativ gut für die Leukämie, sehr schlecht für die anderen Krebsarten.

Modelle der Tumorentstehung

Zellen teilen sich in fast allen Geweben und in allen Organen des Körpers. Das Gleichgewicht zwischen Zellteilung und Zelltod ist normalerweise genau geregelt, um Wachstum und Rückbildung, Funktion und Erneuerung der Organe zu gewährleisten. Mutationen stören diesen Prozess. Eine ungeregelte Zelteilung kann zu einem gutartigen oder einem bösartigen Tumor führen, bösartige Tumore infiltrieren Nachbargewebe und breiten sich metastatisch über den ganzen Körper aus. Dadurch bedrohen sie das Leben. Gutartige Tumore wachsen nur am Ort ihrer Entstehung, sie sind in der Regel nicht lebensgefährlich. (Ausnahmsweise können gutartige Tumore durch lokalen Druck, z. B. innerhalb des Gehirns lebensgefährliche Konsequenzen haben.)

Onkogene und Supressorgene

Protoonkogene sind Gene, die in jeder gesunden Körperzelle vorkommen und das Zellwachstum und die Zellteilung (Mitose) fördern. Tumorsuppressorgene, ebenfalls Bestandteile des normalen Genoms hemmen das Zellwachstum oder stoppen zeitweise die Zellteilung, damit eine DNA-Reparatur vorgenommen werden kann. Üblicherweise muss eine ganze Reihe von Mutationen an diesen Genen auftreten, bevor eine normale Zelle sich in eine Tumorzelle verwandelt.

Protoonkogene fördern das Zellwachstum auf verschiedenen Wegen. Viele können Hormone produzieren, die das Wachstum fördern. Andere Protoonkogene sind verantwortlich für das Signalübertragungssystem und die Signalrezeptoren an den Zellen und kontrollieren dadurch die Empfindlichkeit auf solche Hormone. Wieder andere produzieren Mitogene oder sie sind beteiligt an der Transkription der DNA in der Proteinsynthese. Mutationen in Protoonkogenen können dazu führen, dass die Menge oder die Aktivität des produzierten Proteins erhöht wird. Mutierte Protoonkogene nennt man Onkogene, Onkogene sind verantwortlich für exzessive Wachstumssignale. Unter dem Einfluss der Onkogene beginnen Zellen, sich unkontrolliert und exzessiv zu teilen.

Im allgemeinen sind Tumorsuppressoren Transkriptionsfaktoren, die durch Zellstress oder DNA-Schäden aktiviert werden. Eine Beschädigung der DNA führt durch freies genetisches Material und andere Signale zu Stoffwechselvorgängen, die die Aktivierung der Tumorsuppressorgene auslösen. Die Aufgabe solcher Gene ist es, den Zellzyklus anzuhalten, damit eine DNA-Reparatur ausgeführt werden kann. Dadurch wird verhindert, dass Mutationen an Tochterzellen weitergegeben werden. Ein typischer Tumorsuppressor ist das p53 Gen, ein Transkriptionsfaktor, der durch viele Zellstressoren aktiviert wird, z. B. Hypoxie (Sauerstoffmangel) und Schäden durch UV-Bestrahlung.

Eine Mutation kann das Tumorsuppressorgen selbst beschädigen oder den Signalpfad, der es aktiviert, ausschalten. Die DNA-Reparatur verlangsamt sich oder wird gestoppt: DNA-Schäden sammeln sich ohne Reparatur an und können zum Krebs führen.

Im allgemeinen sind Mutationen in beiden Arten von Genen erforderlich, damit ein Krebs entsteht. Eine Mutation, die sich beispielsweise auf ein Protoonkogen beschränken würde, würde durch normale Tumorsuppressorgene unterdrückt, wie in der Knudson Hypothese (Knudsonsches Zwei-Treffer-Modell) zum ersten Mal vermutet wurde.

Aber auch eine Mutation in nur einem Suppressorgen würde ebenso wenig zum Krebs führen. Backup-Gene, die die Funktion der Gene vervielfältigen, würden dies verhindern. Nur wenn genug Protoonkogene zu Onkogenen mutiert sind und genug Tumorsuppressorgene deaktiviert oder beschädigt wurden, kann das Zellwachstum außer Kontrolle geraten. Die Rate an Mutationen nimmt mit steigendem Alter der Zelle zu, denn der DNA-Schaden ist eine sich selbst verstärkende Schleife, weil viele der mutierten Gene selbst eigentlich den Schaden an der DNS minimieren sollten.

Normalerweise sind Onkogene dominant, während mutierte Tumorsuppressorgene rezessiv sind. In den meisten Fällen reicht daher eine Mutation in einem Protoonkogen aus, um ein Onkogen zu erzeugen, während eine Mutation in beiden Tumorsuppressorgenen auftreten muss, um zu erreichen, dass das Gen komplett funktionslos wird. Aber auch hier gibt es Ausnahmen von der Regel: Bei vielen p53 Mutationen reicht ein einzelne Gen-Kopie aus, um das Tumorsuppressorgen komplett funktionsunfähig zu machen.

Vererbter Krebs

Mutationen von Tumorsuppressorgenen können nicht nur an die nächste Generation von Zellen, sondern auch an die nächste Menschengeneration weitergegeben werden. Daraus erwächst eine erhöhte erbliche Bereitschaft, an Krebs zu erkranken. Patienten mit dem Li-Fraumeni-Syndrom besitzen von Geburt an nur eine funktionsfähige Kopie des p53-Gens, sie entwickeln schon im Kindesalter Leukämien, Hirn- und Nebennierentumore, später sind es Karzinome der Lunge, der Prostata und der Bauchspeicheldrüse, die gehäuft auftreten. Patienten mit einem APC-Gen (Adenomatöse Polyposis coli Gen) haben ebenfalls eine angeborene Mutation eines Tumorsuppressorgens und entwickeln in jungen Jahren Karzinome des Darms, die aus massenhaft entstehenden, zunächst gutartigen, Darmpolypen entstanden sind. Die Xeroderma pigmentosa mit Karzinomen der Haut, das Retinoblastom mit bösartigen Tumoren der Netzhaut und die vererbbare Form des nicht polypösen Dickdarmkarzinoms (HNPCC) sind weitere Beispiele für ererbte Krebsdispositionen. Auch das ererbte HLA-System wirkt an der Krebsentstehung mit.

Mutagene und Karzinogene

Mutagene sind alle Substanzen und physikalischen Einflüsse, die Mutationen hervorrufen können, Karzinogene solche, die Krebs verursachen (UV-Bestrahlung, Zigarettenrauch, Asbest, Steinkohlenteer etc.). Viele Mutagene sind karzinogen, aber nicht alle Karzinogene sind mutagen. Es wird vermutet,dass die nicht mutagenen Karzinogene wie z. B. Alkohol oder Östrogene die Rate der Zellteilung steigern. Eine höhere Rate von Zellteilungen gibt den Reparaturenzymen weniger Chancen, beschädigte DNA zu reparieren und steigert damit die Wahrscheinlichkeit eines genetischen Fehlers.

Viren

Es wird vermutet, dass ca.15 % aller K. beim Menschen auf Virusinfekte zurückzuführen sind. Als Auslöser von bösartigen Tumoren werden das Ebstein-Barr-Virus (EBV), das Humane Herpesvirus 8 (HHV-8), das Hepatitis B – und das Hepatitis C – Virus (HBV, HBC), das Humane-T-Zell-Leukämievirus (HTLV), das Humane Immundefizienzvirus (HIV) und das Humane Papillomvirus (HPV) verdächtigt. Viren aktivieren Protoonkogene, sie inaktivieren Tumorsuppressorgene und sie schädigen Gene, die für den programmierten Zelltod (die Apoptose) oder die DNA-Reparatur zuständig sind. Viren erreichen dies, indem sie eigenen genetischen Code in die DNA der Wirtszelle integrieren: Entweder eigene Onkogene oder genetisches Material, das zufällig in der Nähe der zelleigenen Protoonkogene gelangt und zu einer Aktivierung derselben führt. Die gesamte Forschung über den Ursprung der Krebserkrankungen nahm ihren Ausgangspunkt von der Erforschung der Tumor erzeugenden Wirkung der Viren.Es ist bislang noch unmöglich, die Ursache jedes einzelenen bösartigen Tumors anzugeben. Molekularbiologische Untersuchungen erlauben jedoch bei manchem Tumor genauere Angaben zur Prognose. Mutationen im p53-Gen verschlechtern z. B. das Ansprechen auf die Chemotherapie, weil der Zelltod behindert wird.

Klonale Evolution

Eine Zelle auf dem Weg zur Tumorzelle hat noch nicht alle Möglichkeiten, die der bösartige Tumor in seiner vollen Ausprägung besitzt. Im Prozess der klonalen Evolution erwerben die anfangs nur durch wenige Mutationen veränderten Zellen schrittweise, durch weitere Mutationen und Selektion, alle Eigenschaften des bösartigen Wachstums.

Zu nennen ist da z. B. die Fähigkeit, zu metastasieren: Dieses setzt die Fähigkeit voraus, sich von den molekularen Bindungen an die Nachbarzellen zu lösen, fremdes Gewebe und Gefäßwände zu durchwandern, um dann in einer fremden Umgebung einen neuen Tumor ausbilden zu können.

Tumore können das Wachstum von Blutgefäßen fördern. Diese Blutgefäße bestehen aus normalem Gewebe, in seiner Gesamtheit nennt man dieses Gewebe das Stroma des Tumors. Ohne diese Möglichkeit der Angiogenese könnte der Tumor nur einen sehr kleinen Durchmesser erreichen, jedes weitere Wachstum würde an der mangelnden Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen scheitern.

Tumorzellen entgehen der Apoptose, dem programmierten Zelltod, der eine Erneuerung der Gewebe ermöglicht, ohne dass sie ständig an Größe und Gewicht zunehmen.

Krebsentstehung und Immunsystem

Das Immunsystem des Körpers erkennt Tumorzellen häufig als fremd, weil Tumorzellen abnorme (fremde) Antigene auf ihrer Oberfläche tragen. Die Immunabwehr funktioniert vor allem im Anfangsstadium eines Tumors, wenn nur eine oder wenige Zellen bösartig entartet sind. Bei größeren Tumoren tritt meist Immuntoleranz ein. Tumorzellen tragen eine Vielzahl ungewöhnlicher Antigene auf ihrer Oberfläche, die auch teilweise im Blut nachweisbar sind. Die Bestimmung dieser Tumorassoziierten Antigene in einer Blutprobe dient der Therapiekontrolle bei malignen Erkrankungen, teilweise auch der Früherkennung. Das Carcinoembryonale Antigen (CEA) wird zum Beispiel beim Dickdarmkrebs erhöht gefunden, das Prostataspezifische Antigen (PSA) eignet sich zur Früherkennung des Prostatakarzinoms.Wie wichtig ein funktionierendes Immunsystem für die Krebsabwehr ist, zeigt sich in der erhöhten Zahl bösartiger Tumore bei an AIDS erkrankten Patienten, bei solchen, die Immunsuppressiva wegen einer Organtransplantation nehmen müssen oder bei Menschen mit angeborenen Immundefekten.

Diagnose

Symptome

Die American Cancer Society nennt fünf allgemeine und sieben spezielle Anzeichen für Krebs, die auch im Frühstadium der Erkrankung auftreten können. (Natürlich können alle diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten, manche, wie z. B. Fieber, sind sogar bei gutartigen Erkrankungen wie grippalen Infekten viel häufiger zu finden als bei bösartigen Leiden.)

Zu den allgemeinen Anzeichen zählen ein unerklärlicher Gewichtsverlust, Fieber, Schwäche, Schmerz und Hautveränderungen. Zu den spezifischeren Anzeichen zählen Veränderungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, schlecht heilende Wunden, ungewöhnliche Blutungen oder Ausfluss, eine Verdickung oder ein Knoten in der Brust oder einem anderen Körperteil, Schluckbeschwerden, anhaltender Husten oder Heiserkeit bzw. eine Veränderung an einer Warze oder einem Muttermal.

Natürlich hängt die Symptomatik wesentlich von der Art des bösartigen Tumors ab, einige Anzeichen sind aber bei vielen Tumorerkrankungen in gleicher oder ähnlicher Weise zu finden. Grob können Krebssymptome in drei Gruppen unterteilt werden: Zum einen kann der Tumor Beschwerden am Ort seiner Entstehung machen, zum anderen können Metastasen zu Komplikationen führen oder die Tumorerkrankung zeigt sich durch allgemeine körperliche Beschwerden wie Gewichtsverlust, Schwitzen und Blutarmut.

Die lokalen Krankheitsanzeichen zeigen sich häufig in einer derben, schmerzlosen Knotenbildung, einer ungewöhnlichen Blutung oder einem schlecht heilenden Geschwür. Der Druck auf einen Bronchus führt zu lang anhaltendem Husten, der Druck auf die ableitenden Gallewege zur Gelbsucht. Lang dauernde Heiserkeit kann ein Anzeichen für Kehlkopf- oder Schilddrüsenkrebs sein. Eine plötzliche Verstopfung oder Durchfall bei zuvor normalem Stuhlgang kann neben Blutbeimengungen im Stuhl ein Dickdarmkrebs anzeigen. Blut im Urin und vermehrtes oder erschwertes Wasserlassen kann einen Hinweis auf ein Blasen- oder Prostatacarcinom geben. Vor allem der Hautkrebs, Krebs der Mundhöhle aber auch -Penis- und Vaginalkrebs machen sich durch schlecht heilende Wunden bemerkbar. Ungewöhnliche Blutungen können sich als blutiger Auswurf beim Bronchialcarcinom zeigen, blutiger oder schwarzer Stuhl tritt bei Magen- und Darmkrebs auf. Durch unregelmäßigen blutigen Ausfluss kann sich sowohl ein Zervix- als auch ein Korpuscarcinom bemerkbar machen. So wie alle anderen ungewöhnlichen Veränderungen an der Brustwarze kann auch eine Blutung an dieser Stelle Frühzeichen einer Brustkrebserkrankung sein. Ein durch die Haut fühlbarer Knoten, z. B. am Hoden oder in der Brust, aber auch an allen anderen Stellen, kann ein Frühsymptom eines Brust- oder Hodenkrebses oder einer anderen bösartigen Erkrankung sein. Verdauungsstörungen wie z. B. Völlegefühl und Shcluckstörungen haben in der Regel andere Ursachen als Krebs, aber sie könne Anzeichen einer bösartigen Erkrankung der Speiseröhre, des Magens oder des Rachens sein. Jede Veränderung eines Muttermales oder einer Warze sollte Anlass zu einer gründlichen Untersuchung sein, um ein Malignes Melanom oder eine andere Hautkrebserkrankung wie den Stachelzellenkrebs (das Spinaliom) oder das Basaliom auszuschließen bzw. frühzeitig behandeln zu können.

Metastasen machen sich durch vergrößerte Lymphknoten bemerkbar, führen zu Knochenschmerzen oder Knochenbrüchen ohne nachvollziehbares Trauma. Die Leber kann vergrößert sein und sich derb und höckerig anfühlen, wenn sie von Metastasen durchsetzt ist. Eine Reihe von Tumoren wie z. B. das kleinzellige Bronchialcarcinom metastasiert bevorzugt in das Gehirn: Die ersten Anzeichen des Tumors sind dann oft Beschwerden wie bei einem Schlaganfall: Lähmungen, Schwindel und Sprachstörungen. Husten und blutiger Auswurf können durch Lungenmetastasen verursacht sein.

Symptomenkomplexe bösartiger Erkrankungen, die weder auf das lokale Wachstum noch auf die diffuse Metastasierung bezogen werden können, werden auch als paraneoplastische Syndrome bezeichnet. Paraneoplastische Syndrome können frühe Anzeichen bösartiger Erkrankungen sein.

So produzieren z. B. Bronchialcarcinome zeitweilig ACTH, ein Hormon, das sonst von der Hirnanhangdrüse hergestellt wird, um die Nebennierenrinde (NNR) zu stimulieren. Diese Überproduktion von ACTH durch den Tumor führt zu einer gesteigerten Cortisonproduktion der NNR mit der Folge eines Cushing Syndroms. Stammfettsucht, Vollmondgesicht, Gewichtszunahme sowie erhöhte Blutzuckerwerte sind in diesem Fall Frühzeichen eines Bronchialcarcinoms.

Vor allem bei malignen Lymphomen tritt nächtliches Schwitzen auf, Fieber ist bisweilen ein frühes Symptom des Hodgkin Lymphoms.

Gewichtsverlust bei schlechtem Appetit bis hin zur völligen Auszehrung (Kachexie) ist eine Begleiterscheinung vieler Tumore. Der Einfluss auf die Blutgerinnung mit der Folge vermehrter Thrombosen und die Blutarmut können ebenfalls paraneoplastische Syndrome darstellen. Vor allem bei Magen- und Dickdarmkrebs kann anhaltende Schwäche durch chronischen, oft unbemerkten, Blutverlust erstes Anzeichen der Erkrankung sein.

Schmerzen treten bei Krebserkrankungen häufig auf, mit Ausnahme primärer Knochenkrebs- und Hodenkrebserkrankungen leider erst als Spätsymptome. Gerade die schmerzlose Schwellung ist bei vielen bösartigen Tumoren eher charakteristisch als der schmerzhafte Tumor, der eher auf eine Entzündung oder Verletzung zurückzuführen ist.

Untersuchungen

Neben der Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) und einer gründlichen körperlichen Untersuchung bei jedem Patienten kommen verschiedene Blutuntersuchungen, der Einsatz bildgebender sowie endoskopischer Verfahren entsprechend dem speziellen Verdacht zum Einsatz.An bildgebenden Verfahren kommt die Sonografie,das konventionelle Röntgen, die Computertomografie (CT), die Magnetresonanztomografie (MRT) und die Szintigrafie in Betracht. Endoskopische Verfahren zur Krebsdiagnostik sind am häufigsten die Gastroskopie und die Kolonoskopie (Coloskopie) zur Untersuchung von Magen und (Dick)darm, häufig durchgeführt werden aber auch z. B. die Laparoskopie, die Bronchoskopie und Thorakoskopie sowie die Zystoskopie.

Biopsie

Ziel jeder Krebsdiagnostik ist die Sicherung der Diagnose durch feingewebliche Untersuchung. Dazu benötigt man eine Gewebeprobe, die durch eine Biopsie gewonnen wird.

Es gibt verschiedene Verfahren der Biospsie. Bei der Exzisionsbiopsie wird ein Gewebestück oder bei kleineren Veränderungen der gesamte sichtbare Tumor z. B. der Haut mit dem Skalpell herausgeschnitten. Bei verdächtigen Veränderungen an z. B. der Prostata ist dies nicht möglich, hier werden Gewebeproben durch Punktionen mit dünnen Hohlnadeln (Feinnadelbiopsie) gewonnen. Haben diese Nadeln einen größeren Durchmesser, spricht man auch von Stanzbiopsien. Bildgebende Verfahren wie die Sonografie oder die Röntgendurchleuchtung sind mitunter wertvolle Hilfen, um sicherzustellen, dass die Proben auch wirklich aus den verdächtigen Bezirken stammen. Bei der Endoskopie werden Biopsien mit Zangen entnommen. Bei der endoskopischen Polypektomie im Dickdarm wird der gesamte Polyp mit einer Elektroschlinge abgetragen, aus dem Darm geborgen und anschließend mikroskopisch untersucht.

Die größte Aussagekraft hat die Exzisionsbiopsie; nur sie erlaubt es, das Gewebe im ursprünglichen Zusammenhang zu untersuchen. Die Feinnadelbiopsie liefert dagegen oft nur einzelne Zellen. Einzelne Zellen werden auch bei Untersuchungen von Körperflüssigkeiten wie Urin, Punktaten von Ergüssen aus Körperhöhlen (Aszites aus der Bauchhöhle, Pleurapunktat aus dem Brustkorb) oder bei durch Abstrich gewonnen Proben (z. B. der Zervix nach Pap) zytologisch untersucht.

Die Biopsie ist eine kleine Operation und birgt demzufolge auch Risiken wie Blutung, Infektion und Verletzung der Nachbarorgane (z. B. des Darms bei der Leberblindpunktion)mit sich. Die Verschleppung von Tumorzellen längs des Stichkanals bei der Nadelbiopsie oder das Einbringen bösartiger Zellen in die Blutbahn ist möglich, geschieht aber nur sehr selten in Ausnahmefällen. Insgesamt ist eine Biopsie bei der Beachtung der nötigen Sorgfalt (Sterilität, Nadelkontrolle durch bildgebende Verfahren, Erfahrung des Untersuchers) eine nebenwirkungsarme Untersuchungsmethode, die auch schwer kranken Menschen ohne weiteres zugemutet werden darf.

Mikroskopische Diagnose

Das bei der Biopsie gewonnene Gewebe wird in Paraffin eingebettet,in hauchdünne Scheiben geschnitten, mit verschiedenen Farbstoffen gefärbt und dann unter dem Lichtmikroskop begutachtet. Wenn das Gewebe während einer Operation gewonnen wurde und das Ergebnis noch während des Eingriffs zur Verfügung stehen soll, dann wird das Gewebe tiefgefroren und in Scheiben geschnitten (Schnellschnittuntersuchung). Einzelne Zellen werden auf einem Objekträger ausgestrichen und angefärbt.

Krebszellen und Gewebe aus bösartigen Tumoren lassen sich anhand mehrerer charakteristischer Anzeichen unter dem Mikroskop von normalem Gewebe und von Gewebe aus gutartigen Tumoren unterscheiden.Krebsgewebe enthält eine übersteigerte Zahl von Zellteilungen, die Zellform und die Zellgröße variiert stark, die Struktur des normalen Gewebes fehlt, die Zellkerne sind größer und haben eine abweichende Form, ein bösartiger Tumor lässt sich schlecht vom umgebenden Gewebe abgrenzen. Auch das Einwachsen in Nachbargewebe und die Zerstörung der benachbarten Strukturen lässt sich unter dem Mikroskop feststellen. Das Fehlen spezieller Zell- und Gewebeeigenschaften wird als Entdifferenzierung bzw. Anaplasie bezeichnet. Je mehr spezielle Eigenschaften des Ursprungsgewebes dem bösartigen Tumor fehlen, um so stärker ist er entdifferenziert oder anaplastisch.

Gutartige Tumore zeigen als Hyperplasien oft nur eine gesteigerte Zellteilungsrate ohne Verlust der normalen Zellform und Differenzierung. Bei gesteigerter Rate an untypischen Zellen und zunehmendem Verlust der Gewebeorganisation spricht man von einer Dysplasie. Tumore, die alle Zeichen der Bösartigkeit zeigen, aber noch im normalen Gewebeverband liegen, ohne Nachbargewebe zu infiltrieren, werden als Carcinoma in situ bezeichnet.

Bei speziellen Fragestellungen wird die lichtmikroskopische Untersuchung durch eine elektronenmikroskopische ergänzt. Spezielle (sog. immunhistochemische) Färbungen benutzen spezifische Antikörper gegen Antigene auf Tumorzellen, die mit einem Farbstoff gekoppelt sind. Molekularbiologische Techniken erfassen Mutationen von Protoonkogenen und Supressorgenen, während zellgenetische Methoden einen abweichenden Gehalt an Chromosomen in bösartig verändertem Gewebe nachweisen.In der Regel entnimmt ein klinisch tätiger Arzt (Gynäkologe, Chirurg, Hautarzt etc.) die Proben, währen ein Pathologe die Untersuchungen vornimmt. Eine reibungslose Kommunikation mit Informationen über die Vorgeschichte, die Entnahmestelle etc bzw. die Sicherheit der Diagnose ist für ein gutes Ergebnis unentbehrlich.

Staging und Grading

Nicht nur die Krebsart sondern auch die Ausdehnung des bösartigen Leidens gehört zu einer exakten Krebsdiagnose, weil Krebserkrankungen in verschiedenen Stadien sehr unterschiedlich behandelt werden müssen. Nur durch eine weltweit einheitliche Klassifikation kann sichergestellt werden, dass Forschungsergebnisse verschiedener Behandlungszentren miteinander vergleichbar sind. Die meisten Tumore werden heute nach der international gültigen TNM – Klassifikation eingeteilt. T steht dabei für Tumor, N für node (engl. für Lymphknoten) und M für metastasis (engl. für Metastase). Jedem dieser Buchstaben werden Ziffern nachgestellt: T0 bis T4, N0 bis M3, M0 bis M1. Die beigefügte Null besagt, dass ein Tumor, ein Befall der Lymphknoten oder eine Fernmetastase ausgeschlossen wurde. Kann hierzu keine Angabe gemacht werden, folgt auf T, N und M ein X. Das Carcinoma in situ wird mit Tis klassifiziert. Je nach Tumorart werden definierte Gruppen von TNM-Klassen zu Stadien von 0 bis IV zusammengefasst. Das Carcinoma in situ (Tis) findet sich beispielsweise immer in Stadium 0, während ein Tumor ohne Befall von Lymphknoten (N0) meistens den Stadien I und II zugerechnet wird. Tumore mit Fernmetastasen (M1) werden in der Regel dem Stadium IV zugerechnet. Die Zuordnung zu diesen Stadien wird als Staging bezeichnet. Beim Grading wird der Tumor mit zunehmender Entdifferenzierung, der meist auch seiner biologischen Bösartigkeit entspricht, mit G1 bis G4 bezeichnet. Die TNM – Klassifikation wurde von der UICC (Internationale Vereinigung gegen Krebs, Union Internationale contre le Cancer) in den 1950er Jahren festgelegt und bis heute ständig weiterentwickelt. Zur Zeit ist die 6. Ausgabe aus dem Jahre 2003 gültig. Das TNM – System kann nicht angewendet werden auf die Leukämien und die malignen Lymphome. Leukämien werden nach der Zellzahl und der betroffenen Zellart klassifiziert, bei den malignen Lymphomen erfolgt die Stadieneinteilung nach der Ann-Arbor-Klassifikation.

Früherkennung

Bösartige Tumore können in einem frühen Stadium mit größerer Aussicht auf Erfolg behandelt werden als wenn sie schon weit fortgeschritten sind. Auf dieser Erkenntnis bauen die verschiedenen Strategien der Krebsfrüherkennung auf. In Deutschland sind Programme zur Früherkennung von Genital-, Brust-, Darm- und Hautkrebs bei Frauen sowie Prostata-, Haut- Genital und Darmkrebs bei Männern etabliert und kostenlose Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Für Frauen wird dazu eine Untersuchung der inneren und äußeren Geschlechtsorgane ab dem 20. Lebensjahr angeboten, ab dem 30. Lebensjahr kommt die Tastuntersuchung der Brust und die Inspektion der Haut durch den Arzt hinzu. Bis zum Jahre 2006 soll ein flächendeckendes Mammografie – Screening Programm für alle Frauen vom 50. bis 69. Lebensjahr angeboten werden. Bei Männern besteht die empfohlene Krebsfrüherkennung in einer Tastuntersuchung der Prostata sowie einer Inspektion der Haut und des äußeren Genitales ab dem 45. Lebensjahr.

Für Frauen und Männer werden zur Darmkrebsfrüherkennung die Kosten für zwei Koloskopien (Darmspiegelungen) im Abstand von 10 Jahren ab dem 56. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Vom 50. bis zum 55. Lebensjahr soll die Früherkennung des Darmkrebses durch die Untersuchung des Stuhls auf verborgenes Blut erfolgen, diese Untersuchung kommt auch alternativ zum Einsatz, wenn der Versicherte das Angebot der Koloskopie nicht annehmen will oder kann.

Die Krebsfrüherkennung wird in Deutschland von etwa der Hälfte aller Frauen ab dem 20. Lebensjahr und von etwas weniger als 20 Prozent der anspruchsberechtigten Männer ab dem 45. Lebensjahr in Anspruch genommen.

Kritiker der gesamten Krebsfrüherkennung oder einzelner Teile davon befürchten, dass die Behandlung von Krebserkrankungen, die dem Träger in seinem Leben vielleicht nie geschadet hätten, zu inakzeptablen Nebenwirkungen führen.

Therapie

Am häufigsten wird Krebs durch eine Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung behandelt. Häufig kommt eine Kombination dieser Methoden zur Anwendung. Immun- und Hormontherapie sind weitere Möglichkeiten. Die Wahl der Therapie hängt von der Art, der Lokalisation und der Bösartigkeit des Tumors ab sowie vom Stadium der Erkrankung als auch vom Zustand des Patienten. Fortlaufend werden neue Arten der Krebsbehandlung untersucht und befinden sich im experimentellen Stadium. Neue Behandlungsmethoden werden in kontrollierten Studien überprüft, bevor sie zur allgemeinen Anwendung empfohlen werden können. Bei manchen Tumoren wie den malignen Lymphomen werden Therapien fast ausschließlich im Rahmen solcher Studien durchgeführt. Die Krebstherapie erfolgt heute fast immer interdisziplinär in einem Team aus Chirurgen, Strahlentherapeuten, internistischen Onkologen, Hausärzten, Pathologen, Radiologen und anderen Fachdisziplinen, abhängig von der Art und dem Stadium des behandelten Tumors. Die komplette Entfernung des Krebses mit dem geringsten Schaden für den Rest des Körpers ist das Ziel der Krebstherapie. Manchmal kann dies durch eine Operation erreicht werden, aber die Fähigkeit des Krebses, in benachbarte Gewebe zu infiltrieren oder sich an entfernte Orte zu verbreiten, manchmal mit vielen Mikrometastasen, begrenzt oft die Effektivität einer Operation. Der Einsatz der Chemotherapie findet seine Grenzen in der Giftigkeit für andere Gewebe des Körpers. Ebenso kann auch eine Bestrahlung erhebliche Schäden an gesunden Geweben erzeugen.Krebs bezeichnet eine ganze Klasse von Krankheiten, es ist daher unwahrscheinlich, dass es jemals eine einzige Heilmethode für alle Formen von Krebs geben wird

Operation

Die Operation ist die älteste Form der Krebstherapie. Krebs kann geheilt werden, wenn er vollständig durch eine Operation entfernt wird. Dies ist leider nicht immer möglich. Falls der Krebs vor der Operation an andere Stellen des Körpers metastasiert hat, wird die komplette operative Entfernung in der Regel unmöglich sein. Das Ziel der Operation kann entweder die Entfernung des Tumors oder des ganzen Organs sein. Eine einzelne Krebszelle ist unsichtbar für das Auge des Operateurs, aber sie kann wieder zu einem neuen Tumor heranwachsen; ein Prozess, den man Rezidiv nennt. Aus diesem Grunde wird der Pathologe die chirurgische Probe untersuchen, um zu bestimmen, dass ein Rand von gesundem Gewebe vorhanden ist. Auf diese Weise wird die Chance reduziert, dass mikroskopische Krebsreste im Patienten zurückgelassen wurden.

Neue Operationsverfahren und Methoden der Intensivmedizin erlauben Eingriffe, die noch vor einigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wären. Andererseits erlaubt die Kombination von Operation mit anderen Behandlungsmethoden, den Eingriff weniger radikal zu gestalten, z. B. bei der Brust erhaltenden Brustkrebsoperation. Durch die Kombination mit anderen Therapieverfahren wurde der Erfolg der operativen Maßnahme gesteigert: So konnten z. B. nur 20 % der Rhabdomyosarkome (Muskeltumor, der oft bei Kindern auftritt) allein mit Operation geheilt werden, in Kombination mit Bestrahlung und Chemotherapie stieg die Heilungsrate auf 80 %.

Zusätzlich zur Entfernung des Primärtumors ist die Operation oft auch nötig für das Staging, z. B. um Lymphknoten zur histologischen Untersuchung zu gewinnen. Das korrekte Staging ist eine wesentliche Voraussetzung für eine exakte Prognose und entscheidend für die Festlegung des Therapieplans, ob z. B. eine adjuvante Chemotherapie oder Bestrahlung zusätzlich zur Operation erforderlich ist oder nicht.

Gelegentlich wird auch eine Operation notwendig, um Schmerzen oder Funktionsstörungen zu lindern, so z. B. bei Kompression des Rückenmarks oder Blasenobstruktion. Diese Maßnahmen werden als palliative Behandlung bezeichnet.

Eine echte Krebsvorsorge wird bei der Operation des Hodenhochstands durch die Orchidopexie geleistet. Auch die teilweise oder komplette Entfernung des Dickdarms bei schwerer, nicht anders behandelbarer Colitis ulcerosa oder Polyposis coli dient der Vermeidung von Krebserkrankungen.

Strahlenherapie

Bestrahlung (auch Radiatio genannt) ist der Gebrauch von ionisierender Strahlung wie Röntgenstrahlen, Gamma- und Teilchenstrahlung, um Krebszellen zu töten und Tumore zu verkleinern.

Am häufigsten erfolgt die Bestrahlung von außen durch die Haut als perkutane Therapie. Bei der Brachytherapie erfolgt die Bestrahlung von innen, in dem die Strahlenquelle nahe an den Tumor gebracht wird. Die Strahlenquellen werden dabei entweder in Hohlräumen des Körpers (z. B. Speiseröhre) platziert oder direkt in den Tumor eingesetzt. Bei der intraoperativen Bestrahlung werden Tumorreste mit beschleunigten Elektronen bestrahlt. Die Verabreichung radioaktiver Medikamente führt ebenfalls zu einer inneren Bestrahlung der Organe, in dem sich das sog. Radiopharmakon anreichert, z. B. radioaktives Jod in der Schilddrüse bei der Behandlung des Schilddrüsenkarzinoms.

Die Wirkungen der Bestrahlung sind im Gegensatz zur Chemotherapie begrenzt auf die Region, die behandelt wird. Im Gegensatz zur Operation ist sie wenig effektiv in der vollständigen Zerstörung eines solide aufgebauten Tumors, erreicht aber auch einzelne Krebszellen, die außerhalb des sichtbaren Tumors liegen. So wird die Strahlentherapie zum idealen Kombinationspartner der Chirurgie, wenn es um die lokale Begrenzung des operativen Eingriffs geht.

Die Bestrahlung schädigt die DNA in den Zellkernen des bestrahlten Gebiets, dadurch können sich die Zellen nicht mehr teilen und sterben schließlich ab. Obwohl die Bestrahlung sowohl Krebszellen als auch normale Zellen schädigt, sind die Krebszellen stärker betroffen, weil sie sich häufiger teilen. Die meisten normalen Zellen können sich wieder erholen und regelrecht arbeiten. Das Ziel der Strahlentherapie ist es, so viele Krebszellen wie möglich zu beschädigen, dabei aber die nahe gelegenen gesunden Gewebe zu schonen. Die exakte Bestrahlungsplanung, heute oft per Computersimulation, sorgt dafür, dass der Tumor die höchste Strahlendosis erhält und das umliegende Gewebe möglichst geschont wird. Die Gesamtdosis wird in mehreren Fraktionen (Teilportionen) verabreicht, dadurch kann sich das gesunde Gewebe zwischen den Sitzungen erholen. Auf diese Weise werden meist 4 bis 5 Bestrahlungen pro Woche bei einer Serie von 25 bis 35 Einzelbehandlungen durchgeführt, die genaue Anzahl hängt aber vom Einzelfall ab.

Die Strahlentherapie kann zur Behandlung fast jeden soliden bösartigen Tumors eingesetzt werden. Die Dosis der Bestrahlung hängt von einer Reihe von Faktoren ab, einschließlich der Strahlenempfindlichkeit jedes Krebstyps und davon, ob Gewebe oder Organe in der Nähe liegen, die möglicherweise durch die Bestrahlung geschädigt werden.

Wie bei jeder Art der Behandlung gibt es auch Nebenwirkungen der Strahlentherapie. Diese Nebenwirkungen bestehen aus vorübergehenden, reversiblen und dauerhaften, irreversiblen Schäden. Bei Bestrahlung des Bauchraums treten Übelkeit und Durchfälle oder Beschwerden einer Blasenentzündung auf, Schluckstörungen und Entzündungen der Mundschleimhaut sind Nebenwirkungen einer Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich. Bei jeder Bestrahlung durch die Haut können Hautreizungen mit Rötungen und Entzündung auftreten. Fistelbildungen innerer Organe, Narben und Verhärtungen der Haut sind dauerhafte Nebenwirkungen.

Chemotherapie

Chemotherapie ist die Behandlung mit Medikamenten, die Infektionserreger oder bösartige Zellen schädigen oder abtöten. Infektionskrankheiten behandelt man mit Antibiotika, Krebserkrankungen mit Zytostatika. Zytostatika erreichen Krebszellen im gesamten Körper mit Ausnahme einiger Regionen wie z. B. dem Gehirn (Blut-Hirn-Schranke).

Die Chemotherapie maligner Erkrankungen kommt daher bei metastasierten Tumoren als Ergänzung zu den nur lokal wirksamen Verfahren Operation und Bestrahlung in Frage, bei Leukämien und malignen Lymphomen auch als alleinige Therapie. Als adjuvante Therapie bezeichnet man die Chemotherapie nach der Operation, um das Behandlungsergebnis zu verbessern, also einem Rezidiv vorzubeugen. Neoadjuvant wird die Behandlung mit Zytostatika genannt, wenn die Chemotherapie der Operation vorangeht.

Die erste Chemotherapie maligner Erkrankungen wurde 1946 mit Stickstoff-Lost beim Morbus Hodgkin und anderen malignen Lyphomen durchgeführt. Mittlerweile sind über 100 verschiedene Zytostatika bekannt, die teils synthetischer, teils natürlicher Herkunft sind. Sie wirken auf den Zellkern, betroffen sind in erster Linie Zellen, die sich teilen. Aus diesem Grunde schädigen Zytostatika besonders stark die sich häufig teilenden Krebszellen. Bei diesen Zellen sollen sie den programmierten Zelltod, die Apoptose, auslösen. In der Regel werden mehrere verschiedene Zytostatika gleichzeitig gegeben (Kombinations- bzw. Polychemotherapie), um eine stärkere Wirkung bei weniger Nebenwirkungen zu erzeugen. Nur das Burkitt-Lymohom und das Chorioncarcinom lassen sich effektiv mit einer Monotherapie heilen.

Genau so wie bei der Behandlung von Infektionskrankheiten besteht auch bei der Chemotherapie bösartiger Tumore das Problem der Resistenz. Manche Tumore sind von Anfang an resistent gegen bestimmte Zytostatika, andere erlangen diese Eigenschaft erst unter der Therapie.

Das Ziel der Chemotherapie ist eine Heilung, eine Lebensverlängerung oder eine Besserung von Schmerzen und anderen Beschwerden. Heilungen sind möglich bei Leukämien und malignen Lymphomen. (Akute Leukämien im Kindesalter lassen sich in über 70 % dauerhaft heilen.) Eine Heilung ist nicht möglich, wenn Prostata-, Darm oder Brustkrebs und andere solide Tumore bereits Metastasen gebildet haben. Eine Chemotherapie kann aber in diesen Fällen die Lebenszeit verlängern und/oder die Lebensqualität bessern.

Zytostatika haben eine Reihe von Nebenwirkungen. Besonders betroffen sind in erster Linie Schädigungen der normalen Gewebe des Körpers, deren Zellen sich besonders häufig teilen, das sind z. B. die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts und die blutbildenden Zellen im Knochenmark. Die Schädigung dieser Zellen und Gewebe führt zu Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, Blutarmut und Anfälligkeit für Infektionskrankheiten durch Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bzw. Blutungsneigung durch Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten). Gegen Übelkeit und Erbrechen werden heute schon vor dem Beginn der Chemotherapie Medikamente verabreicht, Blutarmut und Infektionskrankheiten werden symptomatisch behandelt. Bisweilen werden auch sog. hämatopoetische Wachstumsfaktoren gegeben, um den Abfall der Zellen des Blutes zu bremsen.

Die Knochenmarkstransplantation ist eine Möglichkeit, auch sehr aggressive Chemotherapien durchzuführen. (Bei vielen Leukämien und Lymphomen ist sie darüber hinaus die Methode der Wahl, um nach der Zerstörung sämtlicher blutbildender Zellen inklusive der bösartigen wieder ein neues, gesundes Knochenmark zu transplantieren.) Der Haarausfall lässt sich kaum vermeiden, bildet sich aber immer wieder zurück. Die Chemotherapie wird in sog. Zyklen oder Kursen mit behandlungsfreien Intervallen durchgeführt, in denen sich die geschädigten gesunden Zellen wieder erholen sollen. Der gesamte Behandlungsplan wird oft als sog. Protokoll zusammengefasst, dieses enthält dann die Dosierung der einzelnen Zytostatika und ihre zeitliche Anwendung.

Zytostatika wirken aufgrund ihres Wirkmechanismus durch DNA Schädigung selbst krebserzeugend. Bei geheilten Patienten, die wegen eines Hodgkin Lymphoms eine Chemotherapie erhielten ist 10 Jahre lang nach der Therapie das Risiko, an einer akuten Leukämie zu erkranken um das 20 bis 40 fache erhöht; danach sinkt es wieder ab. Viele Zytostatika schädigen das Herzgewebe, das Nervensystem oder das Lungengewebe. Bei der Anwendung dieser Medikamente darf eine bestimmte Höchstdosis nicht überschritten werden, es sind darüber hinaus spezielle Kontrolluntersuchungen (z. B. Echokardiografie) während der Therapie erforderlich, um Langzeitschäden zu vermeiden.

Zytostatika können als Tabletten geschluckt oder müssen als Injektion oder Infusion verabreicht werden. Ist eine regelmäßige Injektion erforderlich, kann die Anlage eines venösen Ports das lästige, schmerzhafte und teilweise vergebliche Suchen nach Venen vermeiden. Der Port ist ein kleiner Plastikbehälter, der unter der Haut liegt, Verbindung zu einer großen Vene hat und beliebig oft und relativ einfach durch die Haut zu punktieren ist. Die überwiegende Zahl der Chemotherapien wird heute ambulant durchgeführt.

Immuntherapie

Antigene auf Tumorzellen unterscheiden sich oft nur wenig von solchen auf normalen Zellen und sie sind nicht spezifisch für einen bestimmten Tumor. Trotzdem ist es gelungen, eine Immuntherapie gegen Krebs in einigen Fällen zu entwickeln, d. h. Teilkomponenten des Immunsystems zur Abwehr gegen den Krebs zu nutzen.

Interferon, ein Zellhormon (Zytokin), wurde 1957 entdeckt. Die Interferone sind eigentlich eine ganze Gruppe von Substanzen, die eine Vielzahl von Wirkungen im Immunsystem zeigen. Anfänglich erkannte man ihren Nutzen bei Virusinfekten, mittlerweile ist bekannt, dass sie bei der Abwehr bösartiger Tumore helfen können. Sie können eine ganze Reihe immunkompetenter Zellen wie Makrophagen und T-Lymphozyten anregen, auf der Oberfläche bösartiger Zellen fördern sie die Ausbildung von Markierungen, die dem Immunsystem anzeigen, das die Zelle fremd ist und zerstört werden sollte. Seit 1979 in der Krebstherapie eingesetzt, ist die Wirkung eher enttäuschend. Außer in der Behandlung einzelner seltener Krebsleiden wie der Haarzelleukämie hat Interferon allenfalls den Status eines adjuvanten Heilmittels oder steht wie beim malignen Melanom im Stadium der klinischen Erprobung.

Ein weiteres Zytokin ist das Interleukin-2, ein Zellhormon, das von weißen Blutkörperchen gebildet wird und die Ausreifung weiterer Zellen des Immunsystems fördert. Interleukin-2 ist zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms unter dem Handelsnamen Proleukin ® zugelassen, die Behandlung des malignen Melanoms mit diesem Mittel ist noch im Stadium der Erprobung. Ob die 25 anderen Interleukine, die bisher bekannt sind, für die Krebstherapie von Bedeutung sein werden, ist ebenfalls Gegenstand der Forschung.

Ein weiterer Ansatz in der immunologischen Therapie ist die sog. Impfung gegen Krebs. Hiermit ist nicht die Schutzimpfung gegen krebserzeugende Viren gemeint, sondern eine Behandlung krebskranker Patienten. Es wurden Versuche angestellt mit Tumorantigenen und inaktivierten Tumorzellen. Über das Versuchsstadium hinaus ist bisher keines dieser Verfahren gekommen, jede Anwendung am Menschen sollte auch nur im Rahmen klinischer Studien erfolgen. Leider gibt es eine Reihe unseriöser Angebote in dieser Therapierichtung mit unhaltbaren Versprechungen.

Monoklonale Antikörper, die außerhalb des menschlichen Körpers gentechnologisch hergestellt werden, haben bei bestimmten Krebsformen in bestimmten Stadien schon einen festen Platz in der Therapie. In der Brustkrebstherapie ist seit dem Jahr 2000 der Antikörper Trastuzumab (Herceptin ®) in der EU zugelassen. Der Antikörper bindet an spezielle Rezeptoren auf Brustkrebstumorzellen und blockiert dort ein bestimmtes Wachstumssignal. Der entsprechende Rezeptor (der Humane Epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptor 2, abgek. Her 2) ist in der nötigen Dichte nur bei ca. 25 bis 33 % der bösartigen Tumoren der Brust nachweisbar. Auch reicht die alleinige Antikörpertherapie nicht aus, sie ist nur Ergänzung der bisherigen Standardbehandlung mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Alemtuzumab (MabCampath®) und Rituximab (MabThera®) sind zwei monoklonale Antikörperpräparate in der Behandlung bestimmter Formen der Leukämie und maligner Lymphome. In Therapiestudien wird die Wirksamkeit von Antikörpern untersucht, die an ein Zytostatikum gekoppelt sind und so dieses Medikament gezielt und selektiv zur Krebszelle tragen.

Hormontherapie

Hormone haben auf viele Organe des Körpers eine wachstumsfördernde Wirkung, bisweilen auch noch auf bösartige Tumore dieser Organe. Aus diesem Grunde lassen sich manche Tumorarten mittels einer Hormonentzugstherapie behandeln. Heutzutage wird dies beim Brust- und Gebärmutterkrebs sowie beim Prostatakrebs durchgeführt.

Die operative Entfernung der Eierstöcke vor den Wechseljahren bzw. der Hoden in jedem Lebensalter ist eine Möglichkeit der Therapie, hierbei werden die Bildungsstätten der Geschlechtshormone Östrogen bzw. Testosteron irreversibel ausgeschaltet. Als Alternative kommt eine Hemmung der Hormonproduktion über die medikamentöse Beeinflussung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) in Frage. Dies geschieht durch LH-RH-Analoga (z. B. Leuprorelinacetat Trenantone®). Sie ähneln den im Zwischenhirn gebildeten Neurohormon LH-RH, das in der Hypophyse die Bildung von LH, FSH bzw. ICSH fördert. Die Analoga sind allerdings gegenüber ihrem Vorbild so abgeändert, dass sie keine fördernde, sondern eine hemmende Wirkung an der Hirnanhangdrüse entfalten. Der Mangel an LH, FSH bzw. ICSH führt bei der Frau zum Stillstand der Östrogenproduktion in den Eierstöcken, beim Mann analog zur Hemmung der Testosteronproduktion im Hoden. Die Wirkung ist reversibel nach Absetzen des Medikaments.

Hormonantagonisten besetzen Hormonrezeptoren der Zellen, ohne selbst eine Hormonwirkung zu entfalten. Sie blockieren damit die Wirkung der natürlichen Hormone durch Blockade der Rezetporen. Ein Antagonist des Östrogens ist das Tamoxifen (z. B. Nolvadex®), es hemmt die Wirkung des weiblichen Geschlechtshormons an der Brustdrüse und wird zur Behandlung des Brustkrebses eingesetzt. Antagonist des männlichen Geschlechtshormons Testosteron ist der Wirkstoff Cyproteronacetat (z. B. Androcur ®), er kommt beim Prostatakrebs zum Einsatz.

Aromatasehemmer (z. B. Exemestan, Aromasin®) hemmen die Umwandlung von Vorläuferverbindungen zum Östrogen, der bei Frauen im Fettgewebe stattfindet. Aromatasehemmer werden zur Behandlung des Brustkrebses nach den Wechseljahren eingesetzt, wenn der Brustkrebs Hormonrezeptoren aufwies.

Beim Gebärmutterkrebs werden zunächst Gestagene, bei mangelndem Erfolg auch Aromatasehemmer und Hormonantagonisten (Antiöstrogene) angewendet.

Der künstliche Hormonentzug löst Beschwerden aus, wie sie sonst bei den Wechseljahren der Frau auftreten können: Hitzewallungen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Antriebslosigkeit.

Die Hormontherapie kann alleine keine Heilung erbringen, sie wird nur als Zusatztherapie zur Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie eingesetzt bzw. zur Beschwerdelinderung oder Lebensverlängerung bei ansonsten nicht mehr anders zu behandelnden hormonsensitiven Tumoren.

Alternative Medizin

Die Anzahl angebotener Therapien ohne wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit ist besonders im Bereich der Krebsbehandlung sehr groß. Sie reicht von der Anwendung diverser pflanzlicher Präparate über homöopathische Medikamente bis hin zur Anwendung von Magnetfeldern. Auch die in Europa und Asien verbreitete Anwendung von Mistelpräparaten kann sich nicht auf beweiskräftige klinische Untersuchungen stützen. Das amerikanische National Cancer Institute rät von der Anwendung ab, die Food and Drug Administration (FDA), zuständig für die Sicherheit von Arzneimitteln in den USA, hält die Behandlung mit Mistelextrakten für nicht sicher und nicht effektiv.

Krebsprävention

Es ist völlig unmöglich, Krebs durch Vorbeugung völlig zu verhindern. Es ist ebenfalls unmöglich, in jedem Einzelfall zu bestimmen, welche Ursache eine bestimmte Krebserkrankung hat. Aber das Risiko, an Krebs zu erkranken lässt sich deutlich senken.

Die effektivste Maßnahme der Vorbeugung ist der Verzicht auf das Zigarettenrauchen. Ca. 25 bis 30 % der Krebsfälle in Deutschland werden durch das Rauchen ausgelöst. Zigarettenrauch enthält Dutzende von krebserzeugenden Substanzen. Von der Krebsgefährdung durch Rauchen sind die Mundhöhle, die Speiseröhre, der Kehlkopf, die Lunge, die Bauchspeicheldrüse, die Harnblase, der Gebärmutterhals, die Niere und das Blut betroffen. Auch Passivrauchen wirkt krebserregend.

Viel umstrittener ist dagegen die Bedeutung der Ernährung für die Krebsprävention, konnten doch neuere Studien die Wirksamkeit einer erhöhten Zufuhr an Obst und Gemüse sowie Ballaststoffen für die Krebsprävention nicht bestätigen. Da diese Ernährungsweise jedoch auch anderen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt, hält man im Prinzip an der Empfehlung einer ballaststoffreichen und fettarmen Ernährung mit täglich fünf Portionen Obst oder Gemüse fest. Die Einnahme von Vitaminpräparaten beugt Krebserkrankungen nicht vor, eine Studie mit Beta-Karotin zeigte sogar eine leichte Erhöhung der Tumorrate bei Rauchern.

Übermäßiger Alkoholkonsum begünstigt bösartige Tumore der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre, des Kehlkopfs und der Leber. Asbeststaub, Teer und Vinylchlorid sind Beispiele für Stoffe, die eine Krebsgefährdung am Arbeitsplatz bedingen. Auch Luftschadstoffe können die Krebsrate vor allem im Bereich der Atmungsorgane erhöhen. Der Schutz vor krebserregenden Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder AIDS durch Impfung bzw. Kondomgebrauch schützt auch vor Krebs. Demnächst wird möglicherweise das Zervixkarzinom durch eine Impfung gegen Papillomviren gänzlich auszurotten sein. Auch der Verzicht auf unnötige Röntgenaufnahmen gehört zur Krebsprävention.

Quellen

Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg

American Cancer Society (engl.)

National Cancer Institute (engl.)

International Union against Cancer (engl.)

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COPD (von engl.: chronic obstructive pulmonary disease, chronisch obstruktive Lungenerkrankung), alle Erkrankungen der Lunge, die mit einer Einschränkung (Obstruktion) des Atemflusses einhergehen, die nicht oder nur teilweise reversibel ist . Die Krankheitsbezeichnung deckt im wesentlichen die beiden Krankheiten Lungenemphysem und chronisch obstruktive Bronchitis ab. Das Asthma bronchiale fällt jedoch explizit nicht unter diese Definiton, da die Behinderung der Atmung beim Asthma br. reversibel ist.

Symptome

Husten, Auswurf und Atemnot sind die typischen Symptome. Anfangs wird die Luftnot nur bei starker Belastung empfunden und nicht als Krankheit bemerkt, sondern als normaler Alterungsprozess oder Trainingsmangel empfunden. Husten und Auswurf sind typische Symptome der chronischen Bronchitis, unter der jeder zweite Raucher über 40 Jahre leidet. Raucher halten den morgendlichen Husten oft für normalen Raucherhusten. Die Luftnot schreitet unaufhörlich voran, schließlich besteht sie auch in Ruhe. Typisch sind akute Verschlechterungen (Exacerbationen) der COPD im Rahmen grippaler Infekte, vor allem in den Wintermonaten.

Häufigkeit

Die genaue Häufigkeit für Deutschland ist nicht bekannt. Die WHO schätzt, dass die COPD die vierthäufigste Todesursache weltweit ist und diese Tendenz ansteigt. Die Häufigkeit der chronischen Bronchitis in Deutschland liegt bei etwa 10 bis 15 % der Erwachsenen. Wieviele dieser Patienten eine COPD entwickeln, ist unklar. In den USA wird die Häufigkeit der COPD auf 5 % der erwachsenen Bevölkerung geschätzt.

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich bei allen Patienten mit Husten und Auswurf durch eine Prüfung der Lungenfunktion. Die Einsekundenkapazität (FEV1), d. h. die Menge an Luft, die der Patient in einer Sekunde nach maximaler Einatmung bei größter Anstrengung ausatmen kann, ist erniederigt. Anfangs ist die FEV1 nur relativ zur Vitalkapazität vermindert, d. h. der Prozentsatz der in einer Sekunde ausatembaren Luftmenge bezogen auf die gesamte Atemkapazität ist reduziert. Später sinkt auch der absolute Wert der FEV1.

Die Bestimmung von FEV1 und Vitalkapazität werden nach der Inhalation von Medikamenten, die die Bronchien erweitern, wiederholt. Im Gegensatz zum Asthma bronchiale verbessert sich die Lungenfunktion bei der COPD nicht oder nur teilweise nach Anwendung dieser Medikamente

Die Lungenfunktionsprüfung ist eine einfach durchzuführende Untersuchung mit einem geringen apparativen Aufwand und als echte Vorsorgeuntersuchung der COPD aufzufassen.

Ursachen

Hauptursache der COPD ist das Zigarettenrauchen. Daneben kommen berufliche und allgemeine Umweltbelastungen z. B. durch Feinstaub in Betracht. Nicht alle Raucher und nicht alle Menschen mit einer chronischen Bronchitis entwickeln eine chronisch obstruktive Bronchitis. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren eine gewisse Rolle bei der Entstehung der COPD spielen.

Schweregrade

Die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease ist eine Initiative der WHO und des National Institutes of Health (USA), zur Bekämpfung der COPD weltweit. Die Einteilung in Schweregrade folgt international den Publikationen dieser Initiative und reicht vom Gold Stadium 0 bis IV.

Die Einteilung richtet sich in erster Linie nach den Meßwerten der Lungenfunktion und teilweise auch nach den Symptomen des Patienten.

Im Stadium 0 liegt eigentlich (noch) keine COPD vor, es wird deswegen auch als Risikostadium bezeichnet. Die Patienten leiden unter Husten und Auswurf, die Lungenfunktion ist aber normal.

Im Stadium I ist die absolute FEV1 noch normal (über 80 %), aber der Quotient FEV1 / Vitalkapazität ist auf unter 70 % (normal 80 %) erniedrigt. In diesem Stadium merken viele Patienten noch nichts von ihrer Krankheit.

Im Stadium II liegt die Einsekundenkapizität zwischen 50 und 80 % der Norm, die Patienten bemerken eine deutliche Luftnot unter Belastung.

Im Stadium III mit einer FEV1 zwischen 30 und 50 % sinkt die Lebensqualität rapide, vor allem bei Verschlimmerungen (Exacerbation) durch akute Infekte, die meisten Patienten suchen in diesem (späten) Stadium den Arzt auf.

Das Stadium IV bezeichnet alle Patienten, die eine FEV1 unter 30 % der Norm aufweisen oder alle diejenigen, die unter 50 % des Normalwertes liegen, aber eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff aufweisen. Die Patienten sind in diesem Stadium zu keiner körperlichen Belastung mehr fähig, jede Exacerbation kann tödlich sein.

Behandlung

Ähnlich wie beim Asthma bronchiale kommen auch bei der COPD kurz- und langwirkende Beta-2-Sympatomimetika als Inhalation aus einem Dosieraerosol, Pulverinhalator oder Vernebler zur Anwendung. Diese Substanzen erweitern die verengten Bronchien durch Wirkung auf die Rezeptoren des sympathischen Nervensystems. Denselben Effekt, aber durch eine Wirkung auf den Parasympathikus haben die Parasympatholytika (Ipratropiumbromid und Oxitropiumbromid), die auch inhaliert werden.

Inhalierbare Corticosteroide (ICS) haben bei der COPD nicht den selben guten Effekt wie bei Asthma, werden aber eingesetzt, wenn im Einzelfall eine Besserung der Lungenfunktion nachweisbar ist. Sie werden auch in Tablettenform, vor allem bei akuten Verschlimmerungen, angewendet.

Die bronchialerweiternde Substanz Theophyllin verliert wegen vielfältiger Wechsel- und Nebenwirkungen bei geringer therapeutischer Breite zunehmend an Bedeutung, wird aber ab Stadium II der COPD bei fehlender Besserung eingesetzt.

Vor allem im Stadium IV kommt auch eine Langzeitbehandlung mit Sauerstoff (aus der Flasche, durch einen Sauerstoffkonzentrator) in Frage.

In allen Stadien sollten die auslösenden Faktoren (Rauchen) ausgeschaltet werden. Ebenfalls in allen Stadien erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika bei Verschlechterung durch Bronchialinfekte.

Die Behandlung mit bronchialerweiternden Sprays, ggf. nur bei Bedarf im Stadium I, ist Basistherapie in allen Stadien der COPD. Ab Stadium II werden ICS auf ihren Effekt getestet und bei Erfolg weiter verordnet.

Die ein- oder beidseitige Lungentransplantation ist die Ultima ratio bei einer COPD des Stadiums IV, die nicht anders behandelbar ist.

Beim Lungenemphysem kommen auch die operative Entfernung größerer Emphysemblasen oder die Resektion stärker befallener Lungenbezirke in geeigneten Fällen in Frage.

Quellen und weiterführende Links

Deutsche Atemwegsliga: Leitlinie zur Behandlung der COPD

Selbsthilfegruppen COPD und Lungenemphysem

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