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Posts Tagged ‘Masernimpfung’

 

2017 könnte in Deutschland das Jahr der Masern werden . Die Zahl der Erkrankungen nimmt rapide zu: Bis zum 13. April waren bereits 368 Masernfälle gemeldet worden, im gesamten letzten Jahr waren es nur 329. Und das obwohl im Jahre 2015 die Masern in Deutschland hätten ausgerottet sein sollen. Und warum sind sie immer noch da? Weil zu wenig Kinder gegen Masern geimpft werden!

Ist es nicht besser, Masern durchzumachen?

Auf eine Art: ja! Der Schutz gegen Masern ist super gut, wenn man die Erkrankung  durchgemacht hat. (Ich spreche da aus eigener Erfahrung, ich habe als Kind selber Masern  gehabt und mich bei meinen kleinen Patienten nie angesteckt!) Andererseits: Der gute Schutz wird teuer erkauft! Bei jedem 5. Masernkind kommt es zu ernsthaften Komplikationen: Mittelohrentzündung und Lungenentzündung sind da an erster Stelle zu nennen. Ok, auch das stecken ansonsten gesunde Kinder meist ganz gut weg. Wesentlich seltener, dafür umso ernster ist eine andere Komplikation: Eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die in 10-20% der Fälle tödlich endet, in 20-30% der Fälle zu dauerhaften Behinderungen führt. Ist es das wert?

Aber die Impfung soll doch so gefährlich sein, hört man ?

Das ist absoluter Quatsch. Ich bin 34 Jahre lang als Arzt tätig gewesen, 25 Jahre davon als Landarzt im schönen Ditzum an der Ems. In dieser Zeit habe ich unzählige Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Und ich habe in der ganzen Zeit nicht eine einzige ernsthafte Nebenwirkung gesehen. Klar, manchmal schwillt das Ärmchen oder Beinchen an, vielleicht entsteht auch eine kleine, heiße und rote Beule. Nach drei Tagen spricht man schon nicht mehr drüber. Und ja, manchmal war die Temperatur erhöht, vielleicht war das Kind am nächsten Tag ein bisschen quengelig, aber das kann bekanntlich viele Gründe haben. Aber sonst: Schwerwiegende Nebenwirkungen? Fehlanzeige! Diese persönliche Erfahrung darf man natürlich nicht verabsolutieren – aber diese persönliche Erfahrung wird durch die Wissenschaft gestützt. Impfnebenwirkungen sind meldepflichtig, die Auswertung der berichteten Nebenwirkungen unterstützt meinen persönlichen Eindruck voll und ganz. Hier beim Robert Koch-Institut kann man das ganz genau nachlesen.

Ganz unterschiedliche Impfraten in Deutschland

Erstaunlicherweise ist die Beteiligung an der Masernimpfung in Deutschland ganz unterschiedlich. Besonders negativ hebt sich das Land Sachsen mit Impfquoten im Kreis Görlitz von 12,1 % (für die zweite Impfung) vom Rest der Republik ab! Aber auch mein Heimatkreis, der Landkreis Leer, liegt mit 73,8 % der korrekt geimpften Kinder nur ganz knapp über dem Bundesdurchschnitt von 73,7 %, aber steht doch wesentlich schlechter da als Hamburg mit 81,1 %!

Zweimal impfen!

Man weiß heute, dass eine Impfung gegen Masern nicht ausreicht. Eine Impfung schützt zwar über 80 % aller Kinder, aber zwei Impfungen schützen  (fast) alle! Die Impfung sollte frühestens im 11. Lebensmonat beginnen, spätestens zwei Monate nach dem ersten Geburtstag sollten alle  Kinder die erste Impfung erhalten haben. Nur wenn die Kinder schon im ersten Lebensjahr in die Kinderkrippe kommen, beginnt man mit der Impfung auch schon im 9. Lebensmonat. Der Grund dafür sind die Antikörper der Mutter gegen Masern, die auf den Säugling übergehen. Diese „Leih“Antikörper sind es, die einen Erfolg der Impfung verhindern, die Impfung ist unwirksam, wenn sie zu früh erfolgt. Die zweite Impfung kann frühestens nach 4 Wochen erfolgen. Vor dem zweiten Geburtstag sollten alle Kinder geimpft sein. Wenn dann irgendwann mehr als 95 % der Kinder vorschriftsmäßig geimpft sind, dann besteht Hoffnung, dass wir die Masern durch die Impfung ausrotten können. Viel Leid könnte dadurch verhindert werden.

Erwachsene aus dem Jahrgang 1970 oder jünger nachimpfen!

Erwachsene, die 1970 geboren wurden oder jünger sind, sollten eine Auffrischimpfung erhalten, wenn sie bisher nur einmal oder gar nicht geimpft worden sind. Die Jahrgänge, die älter als der Jahrgang 1970 sind, brauchen keine Impfung, in über 95 % der Fälle haben sie die Masern bemerkt oder unbemerkt durchgemacht. Wenn der Impfausweis weg ist und niemand mehr weiß, ob der junge Mann/ die junge Frau geimpft wurden, dann sollte man ganz einfach auffrischen. Die Impfung ist viel zu gut verträglich, die Erkrankung viel zu gefährlich, als dass  man hier ein Risiko eingehen sollte.

In den USA gilt: Keine Impfung – keine Schule, auch kein Austausch

In vielen Bundesstaaten der USA werden Kinder, die nicht ausreichend geimpft sind, nicht zum Unterricht an öffentlichen Schulen zugelassen, auch am Schüleraustausch können Schüler, die nicht richtig geimpft sind, nicht teilnehmen. Ich weiß nicht, ob diese Maßnahmen auch in Deutschland angebracht wären, manchmal denke ich: Ja! Dann kommt aber wieder meine Abneigung gegen alle staatlichen Zwangsmaßnahmen durch. Ich meine, es sollte doch möglich sein, alle Menschen von der Notwendigkeit der Masernimpfung zu überzeugen.

Argumente gegen die Masernimpfung? Bitte hier eintragen!

Ich habe eine Bitte an meine Leser: Wenn Ihr der Meinung seid, eine Impfung gegen Masern wäre Quatsch, überflüssig oder gar gefährlich, dann schreibt dies bitte hier in den Kommentar. Ich verspreche, dass ich innerhalb weniger Tage darauf antworten werde, wenn Ihr mir gute Gründe nennen könnt. Und ich verspreche, ich werde nicht die Moralkeule rausholen oder mich gar lustig machen. Lasst uns diskutieren!

 

Quellen

* Hier fand ich das Bild von dem kranken Kind (Masern)
* Robert Koch-Institut: Ratgeber Masern (für Ärzte)
* Sie lesen nicht gerne, schauen aber gerne Filme? Hier werden sSie fündig – zum Thema Masernimpfung
* Steckbrief Masern – Gut verständlich!
* noch mal Robert Koch: Nebenwirkungen der Masernimpfung
* Die Ärztezeitung berichtet über Masernwelle in Deutschland
* Vacmap.de: Soviel Kinder werden in Deutschland geimpft
* Paul Ehrlich – Institut: Antworten auf Impfkritik
* noch mal Paul Ehrlich: Nebenwirkungen der Masernimpfung
* Deutsche Apothekerzeitung: Panencephalitis (nach Masern) häufiger als angenommen

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Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit – ich hatte hier und da schon mal drüber gesprochen.

Masern können sehr unangenehme Komplikationen nach sich ziehen: eine knappe Woche nach Auftreten des Hautausschlags kommt es bei 0,1 % der Erkrankten zu einer Entzündung des Gehirns (Encephalitis). 10 bis 20 % der an Masernencephalitis erkrankten Menschen sterben daran, bei 20 bis 30 % der Erkrankten bleiben lebenslange Schäden – etwa eine geistige Behinderung – zurück.

Noch schlimmer ist eine sehr seltene Komplikation der Masern, die ebenfalls mit einer Entzündung des Gehirns einhergeht, aber erst sechs bis acht Jahre nach der Masernerkrankung auftritt. Bei dieser schleichenden Entzündung des gesamten Gehirns kommt es fortschreitend zu immer weiteren Ausfällen der Gehirnfunktionen, sehr viele Patienten sterben an dieser Krankheit mit dem schwierigen Namen subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE).

Lungenentzündung Pneumonie), Mittelohrentzündung und Durchfall treten gehäuft nach Masern auf, weil rund sechs Wochen lang eine deutliche Schwächung der Abwehr vorliegt. Pneumonie und Durchfall sind Erkrankungen, an denen man in Deutschland in der Regel nicht stirbt. Ein fataler Ausgang dieser Erkrankungen ist aber auch hierzulande nicht ganz auszuschliessen, ein Krankenhausaufenthalt ist immer drin, es können Folgeschäden auftreten.

Dabei könnten die Masern auch in Deutschland und Europa längst der Vergangenheit angehören. In den USA und anderen amerikanischen Staaten ebenso wie in Skandinavien ist dieses Ziel heute schon erreicht. In Deutschland waren wir 2011 angesichts von 1500 Erkrankungen in diesem Jahr schon Anfang Dezember noch weit davon entfernt, Frankreich mit 15.000 Fällen noch viel weiter. Die 300 Fälle in den Vereinigten Staaten sind dagegen meistens aus dem Ausland eingeschleppt.

In den USA heißt es: „No vaccination – no school“ („Keine Impfung – keine Schule“). Kinder werden nicht in Gemeinschaftseinrichtungen aufgenommen, wenn sie keine Impfung nachweisen können. Man kann auch von Impfzwang sprechen – dies in einem Land, in der die individuelle Freiheit so hoch geschätzt wird wie in keinem anderen Land der Welt.

Die Masernimpfung ist sehr gut verträglich, das zeigen viele Untersuchungen und das zeigt auch meine eigene Erfahrung aus der Praxis. Etwa zwei Prozent der Impflinge entwickeln zwei Wochen nach der Impfung die sogenannten „Impfmasern“ – ein flüchtiger Hautausschlag mit leichtem Fieber und ein wenig Husten oder Schnupfen. An der Stelle, an der geimpft wurde, zeigt sich manchmal eine vorübergehende Schwellung oder Rötung. Auch Fieber tritt bei 3 bis 5 % der Geimpften auf, nur sehr selten übersteigt die Körpertemperatur 38,5 Grad.

Geimpft werden sollten alle Kleinkinder im Alter von 11 bis 14 Monaten das erste Mal, die Impfung wird noch einmal wiederholt im Alter von 15 bis 23 Monaten. An seinem zweiten Geburtstag sollte jedes Kind zwei Masernimpfungen hinter sich haben.

Dringend empfohlen wird die Impfung auch allen Erwachsenen und Jugendlichen, die nach 1970 geboren sind und noch keine oder nur eine Impfung hinter sich haben. Die gleiche Empfehlung gilt für alle aus dieser Altersgruppe, die nicht mehr genau wissen, ob sie jemals geimpft wurden oder nicht.

Der Masernimpfstoff ist ein Lebendimpfstoff. Ein Lebendimpfstoff enthält Viren, die sich noch vermehren können, die aber so abgeschwächt sind, dass sie keine Krankheit mehr erzeugen.

Wenn deutlich mehr als 90 Prozent der Bevölkerung immun gegen Masern sind, dann kann diese gefährliche Viruskrankheit ausgerottet werden. Wir liegen in Deutschland im Moment unter 80 %, es muss dringend mehr geimpft werden. Eigentlich sollten die Masern 2010 ausgerottet sein, so lautete jedenfalls ein Plan der Weltgesundheitsorganisation.

Eine Reihe unseriöser Veröffentlichungen haben leider bei vielen Eltern Vorbehalte gegen die Masernimpfung erzeugt. Der größte Skandal ereignete sich in England 1998, als der Arzt Andrew Jeremy Wakefield einen Zusammenhang zwischen Masernimpfung und Autismus behauptete. Die Studie wurde mittlerweile von der Fachzeitschrift „Lancet“ wegen ihrer vielen Mängel zurückgezogen. Ein Reporter des „British Medical Journal“ legte Anfang diesen Jahres Hinweise auf eine bewusste Fälschung vor. Wakefield wurde die Zulassung als Arzt in England entzogen.

Quellen

CDC: High Number of Reported Measles Cases in the U.S. in 2011—Linked to Outbreaks Abroad

Robert Koch-Institut

Europäische Gesundheitsbehörde zur Häufigkeit von Masern

Spiegel online: Das offizielle Ende eines Forschungsskandals

Spiegel online: Sechsjährige kämpft gegen tödliche Masern

Deutsches Ärzteblatt: BMJ: Autismusstudie war eine Fälschung

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