Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Medizin’

Die Flut zieht die Kinder

Fast 90 % der Deutschen glauben an die Wirkung des Mondes auf die Krankheiten des Menschen. Ich bin da skeptisch! Besonders hier oben bei mir, an der Nordseeküste, glauben die meisten dass bei Flut mehr Menschen- und Tierkinder als bei Ebbe auf die Welt kommen. Sogar Hebammen glauben das.

Der „Mondforscher“ und Soziologe Dr. Edgar Wunder hat sich die Geburtsbücher der Hebammen an der Nordseeküste angesehen. 1360 Niederkünfte hat er untersucht. Er entdeckte 661 Flutkinder, aber 699 Geburten bei Ebbe!

Und auch andere vermutete Einflüsse des Monds auf die Gesundheit und Krankheit der Menschen werden dem Mond zunehmend abgesprochen. Sogar der Einfluss auf Schlafstörungen wird heutzutage ernsthaft in Frage gestellt.

Das einzige, was dem Mond zu tun bleibt, ist Ebbe und Flut zu machen sowie die Liebespaare in Vollmondnächten zu bescheinen.

Links zum Thema Mond und Gesundheit

Read Full Post »

Medizinische Mythen sind weit verbreitet – nicht nur unter medizinischen Laien. Einige davon haben zwei amerikanische Ärzte im renommierten britischen Fachblatt British Medical Journal unter die Lupe genommen.

Acht Glas Wasser am Tag?

„Jeder Mensch muss eine bestimmte Menge Wasser am Tag trinken“ – dieser Mythos ist weit verbreitet – aber völlig unbewiesen. Offensichtlich reicht die übliche Aufnahme von Flüssigkeit über die Nahrung, Milch, Kaffee, Tee und dergleichen völlig aus. Folgen Sie Ihrem Durst, irgend etwas anderes wurde nie bewiesen.

Nutzen wir nur 10 % unseres Gehirns?

Diese Meinung wird Albert Einstein zugeschrieben. Bewiesen wurde Sie nie.

Wachsen Haare und Nägel nach dem Tod weiter?

Nein, tun sie nicht! Allerdings kann es so scheinen, weil die Haut durch Austrocknung nach dem Tod schrumpfen kann und die Haare und Nägel dadurch länger scheinen, weil die Haut sich von ihnen zurück zieht.

Wachsen Haare schneller nach, wenn man sie rasiert?

Das hoffen männliche Teenager, wenn sie heimlich Papas Rasierapparat benutzen und befürchten weibliche, wenn sie ihre Beine rasieren. Aber auch dieser Mythos stimmt nicht – und die Haare werden auch nicht dunkler oder dicker.

Verdirbt Lesen im Dunkeln die Augen?

Auch dafür gibt es keinen Anhalt! Die Augen zeigen Anzeichen der Übermüdung – Brennen und Schwierigkeiten bei der Nahanpassung (Akkomodation), die gehen aber nach kurzer Zeit wieder zurück. Tatsache aber ist: Menschen in akademischen Berufen sind häufiger kurzsichtig als die durchschnittliche Bevölkerung. Die Ursache hierfür ist unbekannt.

Macht Putenfleisch besonders müde?

Der Truthahn gehört bei vielen amerikanischen Familienfeiern obligat zum Festtagsmahl. Die gebratenen Vögel sind so riesig, dass amerikanische Backöfen größer sein müssen als europäische. Opulente Mahlzeiten machen nun mal müde, egal ob Truthahn- oder Schweinebraten, es kommt nur auf die Menge an.

Die Hypothese, dass Truthahnfleisch mehr Tryptophan enthalte als Rinder-, Hühner- oder Schweinefleisch ist widerlegt. Außerdem enthalten Käse, Milch und Schokolade weitaus mehr davon als jedes Fleisch.

(Tryptophan ist eine Aminosäure, die in hoher Dosis schlaffördernd und stimmungsaufhellend wirken kann.)

Schaden Handys im Krankenhaus?

Obwohl die Autoren auch hier von einem medizinischen Mythos sprechen, zeigen ihre eigenen Zahlen doch ein etwas anderes Bild.

Die Mayo Clinic, eine amerikanische gemeinnützige Krankenhausorganisation, führte 2005 einige hundert Versuche mit verschiedenen medizinischen Geräten und verschiedenen Mobiltelefonen durch. Immerhin: In 1,2 % der Fälle ergaben sich klinisch bedeutsame Störungen durch den Gebrauch der Handys im Krankenzimmer. Der Gebrauch von Handys im Krankenhaus ist also zu rund 99 % sicher. Europäische Studien zeigten zudem: Ist der Abstand vom Handy zum Medizingerät größer als einen Meter, ist eine Störung fast ausgeschlossen.

BMJ: Medical myths

Read Full Post »

Die Hamilton Skala (Ham D, exakt: Hamilton Rating Scale of Depression – HRSD -) ist ein standardisiertes diagnostisches Instrument für den Arzt zur Beurteilung des Schweregrades einer Depression. Die Hamilton Skala dient insbesondere dazu, die Wirksamkeit verschiedener Therapien, z.B. von Medikamenten in Zulassungsstudien, zahlenmäßig exakt zu erfassen. Die Skala wurde 1960 von dem deutschstämmigen englischen Psychiater Max Hamilton („Himmelschein“) eingeführt.

Aufbau

In der ursprünglichen, auch heute noch oft verwendeten Fassung, werden 21 Symptomenkomplexe systematisch vom Untersucher mit meist 0 bis 4 Punkten, manchmal auch von 0 bis 2 oder 0 bis 3 Punkten bewertet.

Untersuchungspunkte sind z.B. die depressive Stimmung (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Wertlosigkeit), Schuldgefühle, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden, Sexualität, Gewichtsverlust.

Bewertung

Je höher die Punktzahl, um so stärker ist die Depression.

66 ist die höchste, 0 die niedrigste erreichbare Punktzahl. Es gibt keinen „Normalwert“, aber es hat sich eingebürgert, ab 10 Punkten von einer leichten, ab 20 von einer mittelschweren und ab 30 von einer schweren Depression zu sprechen.

Es existieren Kurzformen mit 17 und 7 statt 21 Untersuchungspunkten.

Max Hamilton: “A rating scale for depression”, 1960, Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry. vol 23 pp 56-62, Link zum Download der Originalarbeit als pdf

Die Hamilton Scale in Englisch zum Download – Testinstrument für Ärzte, ungeeignet zur Selbstdiagnose!

Read Full Post »

Metformin ist ein Medikament in Tablettenform zur Behandlung der Zuckerkrankheit, genauer des Diabetes mellitus vom Typ II, des sog. Erwachsenendiabetes.

Das Medikament wirkt dadurch, dass es die Neubildung von Traubenzucker (Glukose) in der Leber hemmt. Weiterhin verzögert es die Aufnahme von Glukose im Darm und erhöht vermutlich die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin. Im Gegensatz zu andern Mitteln zur Diabetesbehandlung steigert es aber nicht den Insulinspiegel im Blut, es verursacht daher auch – alleine gegeben – fast nie eine Unterzuckerung (Hypoglykämie), kann aber die Hypoglykämie durch andere Medikamente verstärken.

Metformin scheint einen appetithemmenden Effekt zu haben, die Stoffwechseleinstellung der Diabetiker wird durch die daraus folgende Gewichtsabnahme zusätzlich verbessert.

Die bisher weltweit größte und aussagekräftigste Studie zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ II ist die UKPD Studie (United Kingdom Prospective Diabetes Study). In ihr zeigte sich, dass durch Metformin vor allem bei übergewichtigen Patienten Komplikationen des Diabetes und Herzinfarkte in ihrer Häufigkeit vermindert werden und das Leben verlängert wird. Metformin ist das Mittel der Wahl bei der Behandlung des Diabetes mellitus Typ II mit Übergewicht und dabei der Therapie mit Insulin oder anderen Antidiabetika (wie z.b. dem Glibenclamid) eindeutig überlegen.

Leider gibt es für die Behandlung mit Metformin eine Reihe von Gegenanzeigen (Kontraindikationen). In erster Linie soll eine strenge Beachtung der Gegenanzeigen die seltene, aber lebensgefährliche Laktatazidose, eine Übersäuerung (Azidose) des Blutes durch Milchsäure (Laktat), verhindern. Risikofaktoren für die Laktatazidose unter Metformin sind eine veminderte Nierenfunktion sowie alle Situationen, bei denen vermehrt Milchsäure im Blut anfällt: Operationen, Fasten, Leberschäden, schwere Infektionen u.a..

Metformin wird auch zur Behandlung des Polyzystistischen Ovarsyndroms – einer hormonellen Erkrankung, die häufig zur Unfruchtbarkeit bei Frauen führt – eingesetzt.

Die Nebenwirkungen beziehen sich meist auf den Magendarmtrakt: Blähungen, Durchfall, Übelkeit treten häufig zu Beginn der Therapie auf. Sie lassen sich oft durch langsame Steigerung der Dosis vermeiden. Eine Störung des Geschmackssinns (metallischer Geschmack) verschwindet meist wieder trotz weiterer Einnahme.

Eine beginnende Laktatazidose kündigt sich mit Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen an, später treten Muskelkrämpfe und Störungen des Bewußtseins hinzu. Die Häufigkeit dieser schwerwiegenden Komplikation wird mit 0,3 pro 10.000 Patientenjahre angegeben. Das bedeutet: Wenn rund 33.000 Patienten ein Jahr lang Metformin einnehmen, kommt es einmal zu dieser Komplikation. Diese Nebenwirkung ist somit sehr selten, aber leider mit einer Sterblichkeit von 50 % belastet.

Metformin gibt es unter einer Vielzahl von Handelsnamen, das Originalpräparat heißt Glucophage®, bekannt sind Siofor®, Metformin ratiopharm® u.a.. Die Tabletten enthalten meist 500, 850 oder 1000 mg. In der Regel beginnt die Behandlung mit 500 oder 850 mg und wird im Verlauf mehrer Wochen je nach Ansprechen und Verträglichkeit bis auf 3000 mg am Tag gesteigert. Metformin sollte während oder nach den Mahlzeiten eingenommen werden.

Arzneitelegramm 3/2004

Arzneitelegramm 5/2004

Arzneitelegramm 10/1998

Diabetes-Deutschland.de: Biguanide (Metformin)

Read Full Post »

Milzbrand ( med: Anthrax), eine durch das Bacillus anthracis hervorgerufene Infektionskrankheit, befällt meist Pflanzen fressende Tiere, viel seltener den Menschen , tritt als Haut-, Lungen- und Darmmilzbrand auf. Sporen des Milzbranderregers gelten als Mittel der biologischen Kriegsführung und wurden vereinzelt bei Terroranschlägen eingesetzt.

Bacillus anthracis ist ein stäbchenförmiges Bakterium und kann außerordentlich zählebige Sporen bilden, die vielen Umwelteinflüssen und Desinfektionsmitteln trotzen und Jahrzehnte lang infektiös bleiben.

bacillus_anthracis_gram.jpg

Milzbrandbakterien unter dem Mikroskop (Gramfärbung) Quelle: wikimedia.commons

Infektionen durch Milzbrand sind beim Menschen sehr selten, der letzte Fall wurde in Deutschland im Jahre 1994 gemeldet. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die mit Tierprodukten umgehen, Tierärzte und Jäger. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht bekannt geworden.

Bei der häufigsten Art der Infektion dringt der Erreger durch kleine Verletzungen in die Haut ein. Dort bilden sich zunächst kleine entzündliche Knötchen, die sich zu Geschwüren mit einem schwärzlichen Schorf weiterentwickeln. Fieber sowie Herz- und Kreislaufprobleme werden durch Gifte des Erregers ausgelöst, in schlimmsten Fall tritt eine allgemeine Blutvergiftung (Sepsis) auf. Unbehandelt versterben 5 bis 20 % der an Hautmilzbrand Erkrankten. Eine Heilung ist mit gängigen Antibiotika sehr gut möglich.

Der seltenere Lungenmilzbrand kündigt sich durch Symptome eines grippalen Infekts an, schon nach kurzer Zeit kann der Tod durch eine Sepsis eintreten. Auch der Lungenmilzbrand ist mit Antibiotika zu behandeln, die Behandlung muss aber wegen der schnellen Entwicklung sehr früh einsetzen.

Über den Darmmilzbrand beim Menschen existieren weltweit nur wenige Berichte, er entsteht nach dem Verzehr von infiziertem Fleisch. Bauchschmerzen, blutige Durchfälle, Bauchfellentzündung und Sepsis treten auf. Für die Behandlung gilt das gleiche wie für den Lungenmilzbrand.

Die Diagnose erfolgt durch den Erreger – , seltener durch Antikörpernachweis in Speziallabors. Der Verdacht und die Erkrankung an M. sind in Deutschland meldepflichtig nach dem Infektionsschutzgesetz. In Deutschland ist kein Impfstoff zugelassen.

Milzbrandsporen werden seit langem als Biowaffen hergestellt und eingesetzt. Sie sind leicht herzustellen, sind lange lagerungsfähig, die Infektionswege über Luft, Haut, Wasser und Nahrung sind vielfältig. Kaum ein Mensch besitzt Abwehrkräfte gegen den Erreger. Milzbrandsporen wurden 2001 in Briefen vermutlich in terroristischer Absicht an hochgestellte Persönlichkeiten in den USA verschickt, es gab 17 Infektionen, 5 Menschen verstarben.

Robert Koch-Institut (pdf)

Read Full Post »

Blutplasma

Das Blutplasma (von griech.: πλάσμα [plasma] – Gebilde) ist der flüssige Bestandteil des Blutes einschließlich der darin gelösten Substanzen aber ohne die Blutzellen und Thrombozyten, macht rund 55 % des gesamten Blutvolumens aus.

90 % des B. bildet das Wasser, 7 % davon sind Proteine und 3 % sind andere Substanzen wie z. B. Salze, als Nahrungsstoffe Glukose und andere Kohlenhydrate, Aminosäuren sowie Fette und als Ausscheidungsprodukt Harnstoff. Außerdem werden die Hormone mit dem B. transportiert. Zu den Proteinen zählt das Fibrinogen, unentbehrlich für die Blutgerinnung. B. ohne Fibrinogen wird als Blutserum bezeichnet. Albumine machen den größten Anteil an den Proteinen des B. aus, sie halten durch ihren osmotischen Effekt den Drucks in den Gefäßen aufrecht. Unter den Globulinen sind die wichtigsten Antikörper zu finden. Das B. reguliert den pH-Wert, sorgt für eine gleichmäßige Temperaturverteilung und dient den festen Blutbestandteilen als Transportmedium

Blutpendedienst West des DRK zum Thema Blutplasma

Read Full Post »

Die Arthrose ist eine verschleißbedingte Gelenkerkrankung mit Schädigung, später Verlust des Gelenkknorpels und daraus resultierenden Schmerzen und Versteifungen.

Ursachen und Bedeutung

Die A. ist die häufigste Gelenkerkrankung, sie betrifft fast 80 % aller 70-jährigen. Überlastungen, Verletzungen, Fehlstellungen und angeborene Gelenkmissbildungen sind neben einer genetischen Komponente die häufigsten Ursachen. Die genetische Komponente steht ganz im Vordergrund bei der Arthose der Fingermittel- und Endgelenke, auch Bouchard- und Heberdenarthrose genannt. Die angeborene Hüftdysplasie ist eine der häufigsten Gelenkfehlbildungen mit der Ausbildung einer A. schon im jungen Erwachsenenalter. Bei Hüft- und Kniegelenksarthrosen ist neben Verletzungen und körperlich anstrengender Arbeit auch das Übergewicht als Risikofaktor bedeutsam.

Symptome und Diagnose

Typisch für den Schmerz bei der A. sind der Anlauf- und der Belastungsschmerz. Tritt ein Schmerz auch in Ruhe auf, womöglich in Verbindung mit einer Schwellung und Überwärmung, dann wurde das Gelenk meist akut überlastet. Die resultierende Gelenkentzündung (Arthritis) wird auch aktivierte Arthrose genannt. Im weiteren Verlauf der A. tritt eine zunehmende Versteifung des Gelenks ein, das Gelenk wirkt äußerlich aufgetrieben und durch Knochenauswüchse verformt, bei Bewegungen ist ein Gelenkreiben zu spüren oder auch zu hören. Das Röntgenbild zeigt eine Verschmälerung des Gelenkspalts infolge des fehlenden Knorpelgewebes, eine Verdichtung und auch zystische Aufhellungen (Geröllzysten) des Knochens, der an den Gelenkspalt grenzt sowie knöcherne Auswüchse an den Gelenkflächen (sog. Osteophyten).

Therapie

Krankengymnastik fördert den Muskelaufbau, dadurch wird das erkrankte Gelenk stabilisiert und entlastet, die Beweglichkeit bleibt solange wie möglich erhalten. Kälteanwendungen sind vor allem bei der aktivierten Arthrose hilfreich, sonst wird oft Wärme zur Schmerzlinderung angewendet. Schmerzmittel und die sog. Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), die neben der Schmerzlinderung auch die Entzündung dämpfen, kommen bei Bedarf zum Einsatz. Vor allem bei schweren Fällen der Knie- und Hüftgelenksarthrose kann durch einen teilweisen oder vollständigen operativen Gelenkersatz (Totalendoprothese) die Beweglichkeit wieder hergestellt und Schmerzen effektiv beseitigt werden.

Rheuma online: Arthrose

Read Full Post »

Older Posts »