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Posts Tagged ‘Prostatakrebs’

In den Jahren 2001 bis 2008 wurde in den USA eine Studie zu Vitamin E und Selen an gesunden Männern durchgeführt. In der SELECT genannten Studie wurden vier Gruppen gebildet: Die erste bekam nur Placebo, eine weitere nur Vitamin E und Placebo, die dritte Selen und Placebo und die vierte Gruppe Vitamin E und Selen.

© Juliane Drechsel auf www.pixelio.de

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Zum Zeitpunkt des Studienendes zeigte sich: Prostatakrebs lässt sich durch diese Nahrungsergänzung nicht verhindern, unter Vitamin E zeigte sich sogar ein Trend zum Anstieg der Prostatakrebserkrankungen.

Aus diesem Grunde wurden die Teilnehmer nach dem Studienende noch einmal über drei Jahre nachuntersucht. Das Resultat war frappierend: Die Einnahme von Vitamin E erhöht das Risiko für gesunde Männern, an Prostatakrebs zu erkranken, um 17 %!

Viele gesunde Menschen nehmen Vitamine und andere Nahrungsergänzungsmittel ein. Sie sagen sich: „Wenn es nichts nützt, so schadet es doch wenigstens nicht.“

Diese Vermutung kann man nicht mehr so einfach stehen lassen. Bitte nehmen Sie keine Vitamine oder andere Nahrungsergänzungen ein, solange nicht durch solide Studien bewiesen ist, das diese auch wirklich nicht schädlich sind. Vitamin E gehört definitiv nicht zu diesen unschädlichen Substanzen!

Quellen

Medline abstract (engl.): Vitamin E and the risk of prostate cancer: the Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT).JAMA. 2011; 306(14):1549-56 (ISSN: 1538-3598)

Medscape family medicine: Warn Patients About Possible Risks of Vitamin E Supplements

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Die US Preventive Services Task Force, eine Expertenkommission, die die amerikanische Regierung berät, kommt zu dem Schluss, das der PSA Test zur Früherkennung des Prostatakrebses wenig sinnvoll ist. Nirgend wo sonst auf der Welt wird dieser Test so oft durchgeführt. In den USA leben 44 Millionen Männer über 50 Jahre, 33 Millionen davon haben laut Spiegel online schon einen PSA-Test machen lassen.

Männliche Anatomie © Wikicommons, Lizenz unten


Dr Otis Brawley, Vorsitzender der amerikanischen Krebsgesellschaft, stellte erst kürzlich fest: In den USA wird während des ganzen Lebens bei einem von sechs Männern ein Prostatakrebs festgestellt (und meist behandelt), in Westeuropa nur bei einem von 10 Männern. Und trotzdem: In beiden Regionen sterben gleich viel Männer an einem Krebs der Prostata, nämlich einer von 36.

Daraus kann man schlussfolgern, dass die Früherkennung des Prostatakrebses nicht sehr effektiv ist und insbesondere das häufige Bestimmen des PSA-Wertes in den USA ohne Wert für das Überleben der betroffenen Männer bleibt.

Früherkennung des Prostatakrebses kann zu unnötigen Behandlungen führen. Behandlungen, die Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz nach sich ziehen können. Das grundlegende Problem: Viele Männer sterben mit dem Prostatakrebs, aber nicht wegen des Prostatakrebses. Es gibt aber bis heute noch keine zuverlässige Methode, „Haustierkrebse“ von „Raubtierkrebsen“ zu unterscheiden.

Hoffentlich kommt die medizinische Forschung bald zu einer Lösung diesen Dilemmas.

Quellen

Medical News Today: „Drop Routine PSA Test For Prostate Cancer Says US Panel“

Deutsches Krebsforschungszentrum, AOK und Uni Bremen: Entscheidungshilfe PSA-Test

Krebsinformationsdienst: Prostatakrebs, Teilkapitel Früherkennung: PSA-Test noch immer umstritten

American Cancer Society zum Thema

Medscape Family Medicine: Recommendation Against Routine PSA Screening in US

Lizenz der Abbildung oben auf Wikimedia Commons

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335693_r_k_b_by_rainersturm_pixeliodeDer Bluttest auf PSA, das Prostata spezifische Antigen, soll einen Krebs der Prostata frühzeitig erkennen, früher als dies z.B. mit dem tastenden Finger vom Enddarm her möglich ist. Frühzeitig erkannt, sollen diese Tumore auch besser zu behandeln und zu heilen sein, lautet die Theorie. Getestete Männer, denen die Blutuntersuchung auch hierzulande vom Urologen etwa ab dem 50. Lebensjahr empfohlen wird, sollten demnach auch länger leben.

Soweit die Theorie. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Zwei neue Studien, eine aus mehreren europäischen Ländern (ohne Deutschland), die andere aus den USA, werfen berechtigte Zweifel am Sinn der PSA – Testung auf.

Die amerikanische Studie: PSA-Test kann kein Leben retten

Der PSA – Test ist in den USA sehr populär, obwohl er von führenden amerikanischen Fachgesellschaften in Sachen Krebs (American Cancer Society, US-National Cancer Institute) nicht empfohlen ist. So lassen sich beispielsweise 95 % der männlichen Urologen und 78 % der Allgemeinärzte jährlich untersuchen.

Um so befremdlicher wird den amerikanischen Kollegen das Ergebnis einer Studie an 76.993 Männern vorkommen, das am 18. März 2009 in der amerikanischen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

Die 76.993 Männer wurden in zwei Gruppen unterteilt, von denen die eine eine regelmäßige PSA-Testung erhielt. Die andere diente als Kontrollgruppe, denen kein regelmäßiger PSA-Test angeboten wurde. (Trotzdem gingen auch viele Männer der Kontrollgruppe zum PSA-Test: Fast die Hälfte der Männer der Kontrollgruppe ließen sich außerhalb der Studie untersuchen.)

Nach sieben Jahren ergaben sich folgende Ergebnisse: Pro 10.000 Männern und Jahr wurden in der getesteten Gruppe 116 Prostatakrebse gefunden, in der Kontrollgruppe nur 95, die Rate entdeckter Karzinome konnte durch die Testung also um 20 % erhöht werden. Sinn der Früherkennung ist aber nicht eine hohe Rate an Krebsdiagnosen, sondern die Verlängerung des Lebens. Genau dies konnte, so das Ergebnis der amerikanischen Untersuchung, mit der Bestimmung des PSA-Wertes im Blut nicht erreicht werden.

In der Kontrollgruppe kam es zu 1,7 Todesfällen pro 10.000 Männern und Jahr, in der PSA-Gruppe starben von 10.000 hingegen jährlich 2 Männer. Die Sterblichkeit (an allen Ursachen) war also in der PSA-Gruppe eher höher als in der Vergleichsgruppe. Dieser Unterschied war aber „nicht signifikant“, wie dies in der Forschersprache heißt, er könnte also auch zufällig aufgetreten sein.

Trotzdem lässt sich schlussfolgern: In der amerikanischen Untersuchung konnte durch PSA-Testung keine Lebensverlängerung erzielt werden.

Studie in Europa ergab weniger Tote durch Prostatakrebs

Eine Untersuchung mit dem gleichen Ziel wurde auch in acht europäischen Ländern durchgeführt und in der gleichen Ausgabe wie die amerikanische Untersuchung im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

In Europa nahmen 162.000 Männer teil, sie wurden neun Jahre beobachtet. Bei den Männern mit PSA-Test wurde in 8,2 % der Fälle ein Krebs der Vorsteherdrüse festgestellt, in der Kontrollgruppe nur bei 4,8 %. Der Unterschied fällt also wesentlich größer aus als in den Vereinigten Staaten. Vermutliche Ursache: In Europa ist der PSA – Test (noch) nicht so populär wie in den USA, deswegen gingen weniger Männer der Kontrollgruppe zur vorsorglichen Blutuntersuchung. Die europäische Studie gibt leider keine Informationen darüber, wie viele Kontroll – Probanden das Ergebnis durch PSA-Tests außerhalb der Studie verzerrt haben.

Das Ergebnis der europäischen Studie liest sich auf den ersten Blick hoffnungsvoll: Durch das PSA-Screening sei es gelungen, die Sterblichkeit an Prostatakarzinom um 20 % zu senken.

Jedoch: Das ist nicht alles. Was die Studie leider nicht beantwortet: Lebten die Männer mit dem PSA – Test länger als die ohne? Angaben zur Lebensdauer fehlen bedauerlicherweise in der europäischen Studie im Gegensatz zur amerikanischen.

Die Senkung der Sterblichkeit um 20 % wird teuer erkauft: Um einen Patienten zu retten, müssen 48 Patienten behandelt werden. 48 Männer, die an der Prostata operiert oder die bestrahlt wurden, möglicherweise um den Preis der Inkontinenz oder Impotenz.

Dies räumen auch die Autoren der europäsichen Studie ein. Am Ende ihres Artikels im New England Journal of Medicine betonen die Forscher, dass ein Screening der gesamten männlichen Bevölkerung mit dem Risiko der Überdiagnose und der Überbehandlung verbunden ist.

Quellen

NEJM vom 18.3.2009: Mortality Results from a Randomized Prostate-Cancer Screening Trial“ – Bericht über die Studie aus den USA

NEJM vom 18.3.2009: Bericht über die europäische Studie

Deutsches Ärzteblatt am 19.03.2009: Prostatakarzinom: Studien bestätigen Zweifel am PSA-Test

Bild: Blutentnahme, © Rainer Sturm auf pixelio.de

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357088_r_k_by_marctwo_pixeliodeFolsäure ist ein lebenswichtiges Vitamin. Folsäure ist enthalten in grünem Blattgemüse, in Bohnen und in Vollkornprodukten. Der Mangel an Folsäure bei Schwangeren führt zu Missbildungen beim Neugeborenen, die Einnahme von Folsäure in Tablettenform – am besten schon vor der Empfängnis – reduziert das Risiko. Folsäuremangel durch schlechte Ernährung begünstigt Blutarmut und Nervenkrankheiten, außerdem steigt das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen. In den USA wird Folsäure vielen Nahrungsmitteln zugesetzt, um einem Mangel vorzubeugen.

Auch bei Männern mit Prostatakarzinom fanden sich niedrige Folsäurekonzentrationen im Blut, geringere als bei Männern ohne Krebs der Vorsteherdrüse.

Diese Befunde veranlassten Forscher der Universität von Südkalifornien zu untersuchen, ob man Prostatakrebs verhindern kann, indem Männer Folsäuretabletten einnehmen.

Das verblüffende Resultat der fast 12-jährigen Studie an 643 Männern wurde jetzt im Mitteilungsblatt des Nationalen Krebsinstituts der Vereinigten Staaten veröffentlicht: Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, wird durch Einnahme von Folsäure in einer Dosis von 1mg am Tag um mehr als das Doppelte erhöht!

Die Autoren betonen, dass ihr Resultat durch weitere, grössere Studien bestätigt oder widerlegt werden sollte. Aber es kann auch heute schon festgehalten werden: Die Einnahme von Vitaminen in Tablettenform ist wahrscheinlich nicht in jedem Fall gesund, während der reichliche Genuss von Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten in jedem Fall empfehlenswert ist, um sich gesund zu erhalten und vor Krebserkrankungen zu schützen.

Quelle

Oxford Univerity Press online – Zusammenfassung der Studie, die ursprünglich am 9.3.2009 im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht wurde (engl.) – Folic Acid and Risk of Prostate Cancer: Results From a Randomized Clinical Trial

Mitteilung der University of Southern Caliornia zur Studie vom 10.3.09 auf eurekalert.org (engl.)

Bericht im Deutschen Ärzteblatt vom 12.3.2009: Folsäure erhöht Prostatakarzinomrisiko

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So harmlos wie sie scheinen, sind die vielen Präparate mit Vitaminen und Spurenelementen offensichtlich doch nicht. In den USA wurde jetzt eine Studie über Vitamin E und Selen abgebrochen: Die Teilnehmer, die das Vitamin E erhielten, erkrankten häufiger an Prostatakrebs, die Selengruppe an Diabetes.

Eigentlich sollte das Gegenteil bewiesen werden: Die Untersucher wollten prüfen ob Selen, Vitamin E oder beides zusammen Männer vor Prostatakrebs schützt.

Die Studie mit dem Namen SELECT (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) begann im Jahre 2001 an 400 verschiedenen Orten in den USA, Kanada und Puerto Rico. 35.000 Männer im Alter über 50 Jahren nahmen daran teil.

Nachdem Anstieg der Prostatakrebserkrankungen in der Vitamin-E-Gruppe und der Zahl der Diabetes-Erkrankungen in der Selen-Gruppe wurden die Teilnehmer informiert und gebeten, keine Studienpräparate mehr einzunehmen.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Studie gestoppt: Vitamin E und Selen mit potenziellen Risiken in der Prävention des Prostatakarzinoms

Homepage der SELECT-Studie

South West Oncology Group: Der verantwortliche Forschungsverband

Foto: © Knipsermann auf Pixelio.de

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