Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘PSA-Screening’

Die US Preventive Services Task Force, eine Expertenkommission, die die amerikanische Regierung berät, kommt zu dem Schluss, das der PSA Test zur Früherkennung des Prostatakrebses wenig sinnvoll ist. Nirgend wo sonst auf der Welt wird dieser Test so oft durchgeführt. In den USA leben 44 Millionen Männer über 50 Jahre, 33 Millionen davon haben laut Spiegel online schon einen PSA-Test machen lassen.

Männliche Anatomie © Wikicommons, Lizenz unten


Dr Otis Brawley, Vorsitzender der amerikanischen Krebsgesellschaft, stellte erst kürzlich fest: In den USA wird während des ganzen Lebens bei einem von sechs Männern ein Prostatakrebs festgestellt (und meist behandelt), in Westeuropa nur bei einem von 10 Männern. Und trotzdem: In beiden Regionen sterben gleich viel Männer an einem Krebs der Prostata, nämlich einer von 36.

Daraus kann man schlussfolgern, dass die Früherkennung des Prostatakrebses nicht sehr effektiv ist und insbesondere das häufige Bestimmen des PSA-Wertes in den USA ohne Wert für das Überleben der betroffenen Männer bleibt.

Früherkennung des Prostatakrebses kann zu unnötigen Behandlungen führen. Behandlungen, die Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz nach sich ziehen können. Das grundlegende Problem: Viele Männer sterben mit dem Prostatakrebs, aber nicht wegen des Prostatakrebses. Es gibt aber bis heute noch keine zuverlässige Methode, „Haustierkrebse“ von „Raubtierkrebsen“ zu unterscheiden.

Hoffentlich kommt die medizinische Forschung bald zu einer Lösung diesen Dilemmas.

Quellen

Medical News Today: „Drop Routine PSA Test For Prostate Cancer Says US Panel“

Deutsches Krebsforschungszentrum, AOK und Uni Bremen: Entscheidungshilfe PSA-Test

Krebsinformationsdienst: Prostatakrebs, Teilkapitel Früherkennung: PSA-Test noch immer umstritten

American Cancer Society zum Thema

Medscape Family Medicine: Recommendation Against Routine PSA Screening in US

Lizenz der Abbildung oben auf Wikimedia Commons

Read Full Post »

Die Prostata ist eine kastaniengroße Drüse, die beim Mann unterhalb der Blase liegt und den Anfangsteil der männlichen Harnröhre umgibt. Die Prostata produziert ein milchiges Sekret, das einen Teil der Samenflüssigkeit bildet und für die Beweglichkeit der Samenzellen und für ihre Befruchtungsfähigkeit unentbehrlich ist.

Die Bezeichnung Prostata stammt vom griechischen Wort προστάτης (prostates) für Vorsteher, im Deutschen wird sie auch Vorsteherdrüse genannt.

Lage und Aufbau
Die Prostata liegt hinter der Schambeinfuge, an der sie durch ein Band befestigt ist und vor dem Enddarm, auf dem Beckenboden. Sie kann daher vom Enddarm aus getastet werden.

Hinter und seitlich der Prostata liegen die Samenbläschen, die ein weiteres Sekret produzieren, das der Samenflüssigkeit beigemengt wird. Ebenfalls von hinten laufen die Samenleiter auf die Prostata zu. Der Ausführungsgang der Samenbläschen und der letzte, erweiterte Teil der Samenleiter vereinigen sich im Bereich der Prostata zu einem gemeinsamen Gang, dem sog. Spritzkanälchen oder Ductus ejaculatoris. Dieser mündet im Bereich des Samenhügels (Collicus seminalis) in die Harnröhre.

Die Prostata besteht aus Drüsengewebe, elastischem und straffem Bindegewebe sowie einem großen Anteil Muskulatur. Die Muskulatur gehört zur glatten Muskulatur, d.h. sie kann nicht durch den Willen ihres Besitzers gesteuert werden sondern erhält ihre Befehle vom unbewussten, dem sog. vegetativen Nervensystem.

Die Prostata unterteilt sich in 30 bis 50 Einzeldrüsen. Die Ausführungsgänge dieser Drüsen münden neben dem Samenhügel jeweils einzeln in die Harnröhre.

Das Drüsengewebe ist ungleichmäßig verteilt. Direkt um die Harnröhre herum überwiegt Muskelgewebe, das sich bei der Ejakulation zusammenzieht und damit die Harnröhre in Richtung Blase verschließt, der Samenflüssigkeit somit den Weg in die Blase versperrt. Binde- und Muskelgewebe machen auch den Hauptanteil der äußersten Prostataschicht aus, direkt darunter liegen in der sog. peripheren Zone 70 % des Drüsengewebes. Hier finden sich auch die Mehrzahl der Carcinome, die hier mit dem Finger getastet werden können.

Allerdings entstehen 10 % der bösartigen Neubildungen in der zentralen Zone um die Harnröhre herum und 20 % in der sog. Übergangszone, einem kleinen Bereich neben der zentralen Zone, in dem nur etwa 5 % der Prostatadrüsen lokalisiert sind. In diesen beiden Bereichen sind die Tumore nicht mit dem tastenden Finger erreichbar.

Die sog. gutartige Prostatavergrößerung (die Prostatahyperplasie) entsteht ausschließlich in der Zone um die Harnröhre und in der Übergangszone, sie ist daher gut operativ von der Harnröhre aus zu behandeln.

Funktion der Prostata

Hauptaufgabe der Prostata ist die Bildung eines Sekrets, das der Samenflüssigkeit (dem Sperma) beigefügt wird, das Prostatasekret macht etwa 20 % des Spermas aus. Ohne das Prostatasekret können Spermien keine Eizelle befruchten. Es enthält Enzyme wie das PSA (Prostataspezifische Antigen), das den Samen verflüssigt. Das Spermin sorgt für die Beweglichkeit der Spermien und gibt der Samenflüssigkeit den typischen Geruch. Prostaglandine fördern die Kontraktion der Gebärmutter. Das Sekret ist leicht sauer (pH 6,4) und sieht milchig-trübe aus.

Die Muskulatur der Prostata führt zu Kontraktionen, dadurch wird das Sekret der Drüse vor der Ejakulation in die Harnröhre gepresst, wo es sich mit dem Sekret der Samenbläschen und den Samenzellen (Spermien) vermischt. Die Prostata unterstützt durch ihre Muskulatur und die Lage unterhalb der Blase die Kontinenz, also die Fähigkeit, das Wasser zu halten. Bei der Ejakulation, die in erster Linie durch die Beckenbodenmuskulatur und die Muskulatur um die Schwellkörper herum ausgelöst wird, sorgt die Prostata für einen Verschluss der Harnröhre zur Blase hin und verhindert dadurch eine „retrograde“ Ejakulation in die Harnblase. Beim Wasserlassen verschließt die Muskulatur der inneren Zone die Ausführungsgänge der Prostatadrüsen und der Spritzkanälchen, so dass kein Urin eindringen kann.

In der Prostata wird das männliche Geschlechtshormon, das Testosteron, in seine noch aktivere Form, das Dihydrotestosteron (DHT)umgewandelt.

Unter dem Einfluss von DHT wächst die Prostata mit Beginn der Pubertät, um beim 20jährigen Mann etwa ein Gewicht von 20 g zu erreichen. Ab dem 30ten Lebensjahr beginnt eine weitere Vergrößerung der Drüse vor allem im inneren Bereich, diese gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) kann Prostatagewichte von 100g und mehr hervorbringen.

Bei vielen Männern ist die Prostata auch eine Quelle sexueller Lustempfindung („G-Punkt“ des Mannes).

Erkrankungen der Prostata: Prostatitis bei den Jungen, BPH bei den Älteren

Vor allem in den jungen Jahren des Mannes (bis etwa zum 40, 45. Lebensjahr) wird er gepeinigt von den vielen Spielformen der Prostataentzündung, der Prostatitis.

Bakterien verursachen akute Entzündung

Die akute Prostatitis wird von Bakterien hervorgerufen und gleicht in ihren Beschwerden denen einer Blasenentzündung: Schmerzhaftes und häufiges Wasserlassen beispielsweise. Allerdings tritt recht bald hohes Fieber hinzu, was untypisch für eine Blasenentzündung ist. Schmerzen am Damm, beim Stuhlgang und während der Ejakulation sind ebenfalls Anzeichen einer Prostatitis. Behandelt wird mit Antibiotika.

Chronische Prostatitis: Vielgestaltige Beschwerden

Die chronische Prostatitis tritt manchmal nach einer akuten auf, manchmal aber auch ohne Vorläufererkrankung. Die Beschwerden sind sehr vielgestaltig, betreffen das Wasserlassen, den Stuhlgang und die Sexualfunktion. Auch blutige Beimengungen zum Sperma (Hämatospermie) können Folge einer chronischen Prostatitis sein.

Die Behandlung erfolgt nach den ermittelten Ursachen, beispielsweise Antibiotika beim Nachweis von Bakterien, Regulierung des Stuhlgangs, krampflösende, entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente.

Das Chronisches Schmerzsyndrom – schwer zu behandeln

Sehr schwer in der Abklärung und der Therapie ist das chronische Schmerzsyndrom der Prostata, das häufig auch ohne Nachweis von Bakterien oder sonstigen Anzeichen von Entzündung auftritt.

Es wird auch als chronisches pelvines (= zum Becken gehörendes) Schmerzsyndrom (chronic pelvic pain syndrome, CPPS) bezeichnet. Eine Vielzahl von therapeutischen Verfahren von der Langzeitantibiose bis zur Prostatamassage wird bei dieser Erkrankung versucht. Die Vielzahl der Verfahren zeigt sicherlich auch, dass das CPPS nicht leicht zu behandeln ist.

Vergrößerte Prostata, erschwertes Wasserlassen

In den reiferen Jahren des Mannes treten Beschwerden durch die Vergrößerung der Prostata auf. Genauer gesagt: Beschwerden wie häufiges und erschwertes Wasserlassen werden vor allem durch die Vergrößerung der inneren, rund um die Harnröhre gelegenen Anteile der Prostata hervorgerufen. Die Vergrößerung der Drüse, auch Benigne Prostatahyperplasie (BPH) genannt, beginnt mit dem 30. Lebensjahr und jedes Jahr wird es schlimmer, im 90. Lebensjahr hat fast jeder Mann eine BPH. Die Vergrößerung muss aber nicht in jedem Fall auch Beschwerden machen, und nicht in jedem Fall muss behandelt werden. Trotzdem: An Beschwerden beim Wasserlassen durch Prostatavergrößerung, dem sogenannten Benignen Prostatasyndrom (BPS) leidet eine Vielzahl von Männern, je nach Untersuchung bis zu 30 % aller Probanden.

Keine Vorbeugung

Vorbeugen kann man dem BPS wohl kaum, es sei denn man ließe sich kastrieren: Bei Eunuchen gibt es auch im Alter keine vergrößerte Prostata. Dies weist auf die Hauptursache der häufigen Erkrankung hin: Es sind die männlichen Geschlechtshormone, besonders in ihrer aktivierten Form, dem Dihyhydrotestosteron. Aber auch ihre weiblichen Pendants, die Östrogene, spielen eine Rolle bei der Vergrößerung des inneren Prostataanteils. Östrogene werden beim Mann aus Testosteron gebildet.

Therapie des BPS: Medikamente und Operation

Zur Therapie des BPS gibt es eine Reihe von Medikamenten, am häufigsten verordnet und am wirksamsten ist das Tamsulosin. Tamsulosin ist ein Hemmstoff des unbewussten Nervensystems, genau gesagt eines Teils davon. Es hemmt die Auswirkungen des Sympathikus auf die Muskulatur der Prostata. Der Sympathikus, der aktivierende Teil des unbewussten Nervensystems, führt zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur der Prostata rund um die Harnröhre. Dazu besitzen diese Muskelzellen spezielle Rezeptoren, Andockstellen für die Überträgerstoffe des Sympathikus. Tamsulosin blockt diese alpha-1-Rezeptoren, dies lässt die Muskeln in der Prostata erschlaffen und das Wasserlassen wird leichter.

Operiert wird, wenn Medikamente nicht mehr helfen. In der Regel wird durch die Harnröhre (Urethra) operiert, so dass kein äußerlicher Schnitt sichtbar bleibt. Goldstandard ist die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata (TURP), in letzter Zeit wurden viele neue Verfahren entwickelt. Um die Hindernisse beim Wasserlassen zu entfernen, wird bei der TURP ein Teil des Prostatagewebes rings um die Harnröhre entfernt.

Prostatakrebs: Häufigster Krebs beim Mann

Der Krebs der Prostata ist mit 25,4 % in Deutschland die häufigste Krebserkrankung des Mannes, bei der Sterblichkeit an Krebs liegt er mit 10,1 % an dritter Stelle. Das Durchschnittsalter der Erkrankung liegt bei 69 Jahren, vor dem 50. Lebensjahr tritt er kaum auf.

Prostatakrebs macht im Frühstadium kaum Beschwerden. Treten solche Beschwerden wie Harnverhalt, Knochenschmerzen oder Blut im Urin auf, so handelt es sich in der Regel um weit fortgeschrittene Tumore.

Ursachen unbekannt, Risikofaktoren diskutiert

Die Ursachen des Prostatakarzinoms sind weitgehend unbekannt. In jüngeren Jahren spielen offensichtlich genetische Faktoren eine große Rolle, für die Tumore im höheren Alter werden Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und fettreiche Ernährung als Risikofaktoren diskutiert.

Früherkennung heiß umstritten

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten eine kostenlose Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs für alle versicherten Männer ab dem 45. Lebensjahr an. Der Arzt tastet dabei mit dem Finger die Prostata durch den Enddarm auf verdächtige Knoten ab. Karzinome der inneren Anteile der Prostata können dabei nicht erfasst werden, auch muss der bösartige Tumor eine gewisse Größe erreicht haben, bis er mit dem Finger gefühlt werden kann.

Vor allem Urologen empfehlen daher eine begleitende Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut des Patienten bei der Früherkennung. (Ein Prostatakarzinom entlässt mehr PSA ins Blut als die normale Prostata.) Ab einem bestimmten PSA-Wert muss dann eine Biopsie (Entnahme einer Probe) die Diagnose: „Krebs oder gesund?“ klären.

Aber nicht nur ein Karzinom kann den PSA-Wert erhöhen: Auch eine gutartige Vergrößerung der Prostata (die BPH, s.o.) führt zum Anstieg dieses Markers, ja sogar intensives Radfahren kann das PSA im Blut erhöhen.

Andererseits gibt es auch Prostatakarzinome mit niedrigem PSA-Wert.

Viele Patienten mit einem Prostatakarzinom im Frühstadium werden im Laufe ihres Lebens an einer anderen Erkrankung sterben, lange bevor das Karzinom ihnen Beschwerden macht. Das gilt vor allem für ältere Patienten: Untersuchungen nach dem Tod ergaben, dass 85 % aller 85jährigen ein Prostatakarzinom aufweisen, an diesem Leiden sterben aber nur 3,5 % in dieser Altersgruppe.

Die Diskussion um die Früherkennung durch PSA-Bestimmung wird teilweise recht heftig geführt. Vor allem von der Deutschen Gesellschaft für Urologie wird eine routinemäßige Messung des PSA dringend empfohlen. Andere Experten wie die des National Cancer Institute der USA sprechen sich gegen ein routinemäßiges Screening aus, weil sie befürchten, dass durch eine Therapie von Karzinomen, die dem Träger vielleicht nie Beschwerden gemacht hätten, mehr Schaden als Nutzen gestiftet werden könnte.

Aber auch Experten des Deutschen Krebsforschungsinstituts in Heidelberg weisen darauf hin, dass es immer noch nicht bewiesen sei, ob routinemäßige PSA-Bestimmungen einen Vorteil für das Überleben bieten oder nicht.

Zwei große Studien, eine in Europa und eine in den USA werden in den kommenden Monaten (hoffentlich) klare Aussagen über das PSA-Screening ermöglichen.

Quellen

Urologielehrbuch.de: Prostata: Anatomie, Histologie und Physiologie

Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID): Broschüre: „Krebs in Deutschland“ (als PDF-Datei zu laden)

The Cochrane Library: Screening for prostate cancer

BMJ. 2002 July 13; 325(7355): 61.PMCID: PMC1123626 „PSA screening leads to overdiagnosis, study says“

Die Zeit Nr. 34 vom 14.08.2008: Krebsvorsorge – Test oder Tombola

Read Full Post »