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Posts Tagged ‘Schweinegrippe’

Jeden Tag fragen mich Patienten, ob ich die Impfung gegen Schweinegrippe empfehle.

Schweinegrippe verläuft leicht

Seit Anfang dieses Jahres geht die Schweinegrippe um die Welt, sie hat schon viele Namen: Grippe durch H1N1, Mexikanische oder Amerikanische oder schlicht Neue Grippe wird sie genannt. Weltweit sind bisher vermutlich mehrere Tausend Menschen an dieser neuen Grippe gestorben, in Deutschland waren es drei, erkrankt waren mehr als 25.000. Die Schweinegrippe ist eine besonders leichte Form der Virusgrippe – an der „normalen“ Grippe starben alleine in Deutschland jedes Jahr bisher 5000 bis 10.000 Menschen!

Unbekannter Verstärkerstoff

Die deutschen Bundesländer haben 50 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix® gekauft, der in Niedersachsen ab dem 30. Oktober Zug um Zug verfügbar sein soll. Pandemrix ist ein Spaltimpfstoff, der nur Teile des Virus enthält. Um mit einer kleinen Wirkstoffmenge an Virusbruchstücken auszukommen, wurde dem Impfstoff ein Immunverstärker zugesetzt. Der Immunverstärker, auch Adjuvans genannt, soll das Immunsystem des geimpften Menschen reizen, es aufmerksam machen auf die Eiweißbestandteile des verabreichten H1N1-Virus. Das Adjuvans in Pandemrix heißt AS03 und war bisher noch in keinem Impfstoff. Studien mit der neuen Impfung wurden bisher nur an einigen Tausend Versuchspersonen durchgeführt. Unter diesen Versuchspersonen waren keine Schwangeren und nur wenige Kinder. Dies reicht in meinen Augen nicht aus, um diesen Impfstoff allgemein zu empfehlen.

Adjuvantien in Impfstoffen waren schon oft die Ursache seltener, aber schwerwiegender Nebenwirkungen.

Besserer Impfstoff für Minister und Soldaten?

Cellvapan®, der Impfstoff für die Bundesregierung und die Soldaten, ist übrigens auch nicht der beste. Cellvapan ist aus dem ganzen Virus hergestellt, im Vergleich zum Spaltimpfstoff hat er mehr Nebenwirkungen, dies ist schon seit langem bekannt.

Der ideale Impfstoff wäre der Spaltimpfstoff ohne Wirkverstärker, wie er jedes Jahr und schon seit langer Zeit und mit guter Verträglichkeit für die übliche jährliche Grippeimpfung eingesetzt wird. Dieser Spaltimpfstoff ohne Adjuvans wird und wurde in den USA, China und Australien eingesetzt. Warum die deutschen und europäischen Behörden einen anderen Weg beschrittenen haben, bleibt im Verborgenen.

Spaltimpfstoff ohne Wirkverstärker gibt es nicht in Deutschland und auch nicht in Europa. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt aber genau diesen Impfstoff für Schwangere. Ob und wann dieser Impfstoff in Deutschland zur Verfügung stehen wird, weiß niemand so genau.

Bei der Entscheidung für oder gegen die Impfung müssen wir abwägen: Auf der einen Seite steht ein Impfstoff, der bisher noch nicht ausreichend erprobt wurde. Auf der anderen Seite steht eine Virusinfektion, die sich bisher als relativ harmlos erweist.

Nur in besonderen Fällen zu empfehlen

In besonderen Fällen, in denen jede Infektion – auch die leichteste – lebensbedrohlich werden kann, kann eine Impfung vielleicht erwogen werden. Als Massenimpfung für jedermann gewiss nicht.

Menschen über 60 infizieren sich übrigens seltener als die im Alter unter 30.

Quellen und weitere Informationen

Das Bundesministerium für Gesundheit informiert über den Ablauf der Impfkampagne

Das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informieren: „Wir gegen Viren“

Das Paul Ehrlich Institut informiert über die Grippeimpfstoffe

Das Robert Koch-Institut in Berlin zur Neuen Influenza

Arzneitelegramm: „H1N1: FEHLEINSCHÄTZUNGEN, HAFTUNGSFREISTELLUNG UND VIEL GELD“

Deutsches Ärzteblatt:“ Neue Grippe: Impfung offiziell empfohlen“

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Bundeskanzlerin Angela Merkel will in den nächsten Tagen ihren Hausarzt fragen, ob sie sich gegen Schweinegrippe impfen lassen soll.
Angela_Merkel (Bild von א (Aleph), http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/)

Empfiehlt der Hausarzt eine Impfung, dann will Frau Dr. Merkel den Impfstoff Pandemrix® der Firma GlaxoSmithKline bevorzugen. Pandemrix, das ist der Schweinegripeimpfstoff fürs Volk, während für die Bundeswehr und alle Angestellten des Bundes der Impfstoff Cellvatan® von Baxter vorgesehen ist.

Bundesregierung und Soldaten bevorzugt?

Ist Cellavtan wirklich besser verträglich als Pandemrix? Wohl kaum, sagt das pharmakritische Arzneitelegramm.

Cellvatan ist ein so genannter Ganzvirusimpfstoff. Das Arzneitelegramm meint hierzu: „Das Prinzip der Ganzvirus-Impfstoffe wurde wegen einer hohen Rate an unerwünschten Wirkungen schon vor Jahrzehnten durch die besser verträglichen Spaltimpfstoffe ersetzt.“

Also doch lieber der Volksimpfstoff Pandemrix? Nein, lieber nicht! Der Verstärkerstoff, das sogenannte „Adjuvans“ in Pandemrix ist schlecht untersucht, die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat sich gegen die Streckung der Schweinegrippeimpfungen mit diesem Hilfsmittel ausgesprochen.

Wir wägen ab: An Schweinegrippe erkrankten in Deutschland bisher weit über 20.000 Menschen. Gestorben ist eine Hochrisikopatientin in Essen. Die Risiken der Impfstoffe, die in Deutschland zu haben sind, sind unbekannt. Sind die Risiken der Impfung vielleicht größer als die Risiken der Schweinegrippe?

Machen Sie es wie Frau Dr. Merkel: Fragen Sie Ihren Hausarzt, ob Sie sich impfen lassen sollen. Vielleicht ist in manchen Fällen eine Impfung sinnvoll, generell scheint eine gewisse Zurückhaltung empfehlenswert.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: „Schweinegrippe-Impfstoff wird ausgeliefert“

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Jetzt ist es raus und ganz offiziell: Der Impfstoff gegen Schweinegrippe, den die Bundesregierung eingekauft hat, ist nicht so gut verträglich.
Er enthält einen bisher unbekannten Immun-Verstärker. Impfen mit diesem Verstärker bedeutet: Kann gut gehen, kann aber auch zu Nebenwirkungen führen, die man bisher noch nicht kannte.

Wir haben darüber hier bereits berichtet.

Die amtierende Ministerin für Gesundheit, Frau Ulla Schmidt, hat heute noch einmal erklärt, dass alle Impfstoffe völlig unbedenklich seien.

Schwanger

Aber für Schwangere sollte doch der Impfstoff ohne Verstärker verwendet werden, sagt Frau Schmidt. Und deutsche Soldaten werden ebenfalls ohne Verstärker geimpft, genau so wie alle Bürger der USA.

Soldaten sind nichts Besseres, sondern was Anderes

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte dazu: „Um ihre Gesundheit zu schützen und die Durchhaltefähigkeit sicherzustellen, erhalten Angehörige der Streitkräfte einen sehr umfassenden Impfschutz, der weit über die Erfordernisse im Inland hinausgeht. Dabei ist es erforderlich, auf die wechselseitige Verträglichkeit mit anderen Impfstoffen zu achten. Wären zum Beispiel überall Zusatzstoffe enthalten, und die kumulieren sich und vertragen sich nicht miteinander, wird es problematisch“. Und: „Wir sind nicht was Besseres, sondern wir sind was Anderes“.

Virologe Kekulé: Bund hat falschen Impfstoff gekauft

Der Virologe Kekulé von der Universität in Halle erklärte in einem Interview mit dem MDR, die Bundesregierung habe den falschen Impfstoff eingekauft. Man sollte doch einfach den verdächtigen Verstärker weglassen.

Gute Idee, aber ob die (geheimen) Verträge der Bundesregierung mit dem Impfstoffhersteller dies zulassen? Außerdem müsste dieser verstärkerfreie Impfstoff ganz schnell eine (neue) Zulassung bekommen.

Fazit: Besser mit der Impfung gegen Schweinegrippe abwarten. Bisher infizierten sich über 20.000 Menschen in Deutschland mit der Schweinegrippe. Gestorben ist eine Patientin. Verglichen mit der „normalen“ Grippe scheint die „neue Influenza“ wirklich harmlos. Auf jeden Fall bisher so harmlos, dass niemand unbekannte Risiken eingehen sollte.

Allerdings: Der Impfstoff, der Soldaten, Schwangeren und US-Bürgern empfohlen wird, scheint nicht so riskant zu sein.

Ach so, noch was vergessen: Die Nachrichtensendung „heute“ meldet gerade auf ihrer Internetseite, dass auch die Mitglieder der Bundesregierung sich mit dem Soldatenimpfstoff impfen lassen will.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Schmidt: Keine Bevorzugung von Soldaten bei Schweinegrippe

MDR: Interview mit Alexander Kekulé: Bund hat falschen Impfstoff gekauft

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Die europäische Arzneimittelbehörde hat zwei Impfstoffe gegen die Schweinegrippe zugelassen: Focetria der Firma Novartis-Behring und Pandemrix der Firma GlaxoSmithKline (GSK).
foto_arzt_impft_patientin_med(Foto: Novartis-Behring)

Günstige Verträge für den Hersteller
In Deutschland wird der Impfstoff Pandemrix der Firma GSK verwendet, Deutschland hat bereits 2007 Verträge mit GSK über die Lieferung von 50 Millionen Impfungen abgeschlossen. Der genaue Inhalt der Verträge ist geheim, das Arzneitelegramm berichtete in einem Rundschreiben an seine Abonnenten über einen Preis von 9 Euro je Dosis. Die Firma werde von der sonst üblichen Haftung für Nebenwirkungen freigestellt, die Impfungen werden nicht an den Besteller ausgeliefert, die Bundesländer müssen selbst abholen.

Unbekannter Verstärker AS03

Pandemrix® enthält neben den Virusbestandteilen den Wirkverstärkerstoff AS03. AS03 war bisher noch in keiner anderen Impfung enthalten. Die neuartige Substanz soll die Schutzwirkung der Impfung verstärken, Kritiker befürchten aber vermehrt Nebenwirkungen.

Das Guillain-Barré Syndrom (GBS) ist eine seltene Erkrankung des Nervensystems, sie geht mit Lähmungen einher und tritt oft nach Infektionen, aber auch nach Impfungen auf. ASO3 verstärke das Risiko, nach der Impfung an GBS zu erkranken, vermutet das Arzneitelegramm.

Die europäische Arzneimittelbehörde weist diesen Verdacht zurück: In den Erprobungsstudien sei das GBS bei den Geimpften nicht öfter auf als bei den Ungeimpften aufgetreten. Aber immerhin: Mehr als 10 % der Impflinge klagen über Kopfschmerzen, Athralgien (Gelenkschmerzen), Myalgien (Muskelschmerzen),
Reaktionen an der Injektionsstelle (Verhärtung, Schwellung, Schmerzen und Rötung), Fieber und Mattigkeit (Müdigkeit).

Mehrheit der Bevölkerung lehnt Impfung ab

Darüber hinaus scheint sich die Impfung zu einem finanziellen Desaster zu entwickeln: Die Mehrheit der Bevölkerung will sich nicht impfen lassen, dies zeigen aktuelle Umfragen.

Und auch das medizinische Personal steht weltweit einer Impfung eher reserviert gegenüber.

Bezahlt werden muss aber: Mehrere hundert Millionen Euro gingen dem deutschen Staat oder dem Gesundheitswesen verloren, wenn die Impfmüdigkeit anhalten sollte.

Auch ich stehe der Impfung eher skeptisch gegenüber. Bisher zeigt sich, dass die Schweinegrippe wesentlich harmloser als die alljährlich wieder kehrende Grippe verläuft. Möglicherweise ist das Nebenwirkungsrisiko der Impfung größer als das Risiko der Erkrankung.

Viele Experten weisen darauf hin, dass die Gefahr der Schweinegrippe in einer plötzlichen Mutation des Erregers bestehe. Wann dies aber passiert und ob es überhaupt geschieht, das kann bis jetzt niemand sagen.

Quellen

EMEA: Pandemrix Pandemischer Influenza-Impfstoff (H5N1) (Spaltvirus, inaktiviert, adjuvantiert) (A/VietNam/1194/2004 NIBRG-14) Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit

Süddeutsche Zeitung/Wissen: EU genehmigt Impfstoffe gegen Schweinegrippe
Deutsches Ärzteblatt vom 25.9.2009: H1N1: Erste Impfstoffe in Europa zugelassen

Arzneitelegramm: IMPFUNG GEGEN SCHWEINEGRIPPE: ALLES IM GRIFF? FEHLEINSCHÄTZUNGEN, HAFTUNGSFREISTELLUNG UND VIEL GELD

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Grippeimpfung

Europaweit sind heute morgen, am 30. August 2009 um 10:30 rund 45.000 Menschen an Schweinegrippe erkrankt, davon in Deutschland rund 15.000. Todesfälle wurden in Deutschland bisher nicht gemeldet, in ganz Europa sollen rund 100 Menschen an der neuen Grippe gestorben sein.

Das ist nicht viel, vergleicht man dies mit der Sterblichkeit der „normalen“ Grippe. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr vermutlich mehrere tausend Menschen an der jährlich wiederkehrenden winterlichen Influenza.

Schweinegrippe hat andere Risikogruppen

Die Schweinegrippe zeigt sich (bisher) nicht nur harmloser als die bekannte Grippe, sie betrifft auch einen völlig anderen Personenkreis. Größtenteils erkranken Menschen unter 50, besonders viele Patienten sind jünger als 25 Jahre. Die meisten Todesfälle weltweit an Schweinegrippe stammt aus der Altersgruppe der 30 bis 50 Jährigen, während sonst die Alten und ganz Alten am schlimmsten betroffen sind.

Besonders gefährdet sind Schwangere, Menschen mit Übergewicht und chronischen Erkrankungen wie z.B. Asthma, chronischer Bronchitis, Diabetes oder Krankheiten, die mit einer Immunschwäche einhergehen.

Keine wirksame Behandlung

Eine wirklich wirksame Behandlung gibt es (noch) nicht: Tamiflu® und Relenza® helfen zwar, aber sie versprechen eher mäßige Linderung als rasche Heilung. Mit Tamiflu® ist die Grippe einen Tag schneller vorbei, aber wie alle anderen Grippeviren entwickelt auch der neue H1N1 – Erreger schnell Widerstandskraft (Resistenz) gegen das Medikament.

Schweinegrippe bisher harmlos

Bleibt nur noch die Schutzimpfung. Schutzimpfungen haben Nebenwirkungen, so wie jedes andere Medikament auch. Schutzimpfungen werden gesunden Menschen verabreicht. Deswegen müssen Nutzen und Risiko besonders sorgfältig abgewogen werden.

Die Schweinegrippe scheint nicht besonders gefährlich zu sein. „Das wird sich (möglicherweise) ändern“, sagen Epidemiologen, das sind Wissenschaftler, die sich mit Seuchen aller Art beschäftigen. „Das war schon 1918 so und auch 1957“, begründen sie ihre Prophezeiung. „Erst kam eine harmlos verlaufende Welle eines neuen Virus, später wurde er dann viel gefährlicher und kostete Tausenden das Leben!“

„Nun gut“, wenden Kritiker ein, „das war 1918 so und schon viel weniger 1957 – keinesfalls kann daraus mit Sicherheit der Schluss gezogen werden, dass der neue Virus sich tatsächlich zu einem viel schlimmeren Virus als andere Grippeviren entwickeln wird.“

Der neue Impfstoff gegen die Schweinegrippe wird voraussichtlich Mitte Oktober zur Verfügung stehen. Wenn alles so läuft wie geplant, dann soll es in diesem Jahr drei Grippeimpfungen für Risikopatienten geben: Eine gegen die saisonale Grippe so wie jedes Jahr und zwei gegen die neue Grippe.

Stell Dir vor: Es wird geimpft und keiner geht hin …

Anfangs gab es viele Diskussionen darüber, ob auch ja genug Impfstoff für alle zur Verfügung stehe. Jetzt fragen sich kritische Beobachter zunehmend, ob denn überhaupt genug Menschen da sind, die den Impfstoff auch haben wollen.

Sind die Hilfsstoffe ausreichend getestet?

Grippeimpfstoffe werden jedes Jahr in großer Anzahl und dies schon seit langer Zeit angewendet, die Nebenwirkungen sind außerordentlich gering. Der neue Impfstoff unterscheidet sich aber in mancher Hinsicht von dem herkömmlichen. In der kurzen Zeit können man nicht so viel Virussubstanz herstellen, wie für die massenhafte Impfung erforderlich ist, sagen die Hersteller. Aus diesem Grund muss der Impfstoff mit Hilfsstoffen, sogenannten „Adjuvantien“ angereichert werden. Die Adjuvantien helfen dem Immunsystem des Menschen, auch bei einer niedrig dosierten Impfstoffmenge ausreichend Antikörper zu bilden.

Allerdings: Gerade die Adjuvantien standen bisher immer wieder in Verdacht, für die Nebenwirkungen der Impfungen verantwortlich zu sein.

Die Vorbehalte werden immer größer: Vor ein paar Tagen fragte das besonders pharmakritische Arzneitelegramm seine Abonnenten, meist Ärzte und Apotheker, in einem „Blitz-Arznei-Telegramm“, warum denn wohl in den USA auf Adjuvantien verzichtet werden könne, während die Arzneimittelbehörden in Deutschland und Europa dies für unbedingt nötig halten.

Das verwendete Gemisch von Adjuvantien sei nicht ausreichend getestet, sagt das Arzneitelegramm. Vor allem bei Schwangeren, für die die Schweinegrippeimpfung besonders empfohlen wird, liegen wenig Erfahrungen vor.

Alles Quatsch, sagt das Paul Ehrlich Institut, das ist die Behörde, die in Deutschland die Zulassung für Impfstoffe erteilt. Jedes einzelne Adjuvans sei schon lange bekannt und seine Unschädlichkeit in klinischen Studien ausreichend nachgewiesen.

Konservierungsmittel mit Quecksilber

Der Grippeimpfstoff soll nicht in einzelnen Ampullen oder Fertigspritzen ausgeliefert werden. Der Arzt soll aus einem größeren Fläschchen den Impfstoff für viele Patienten nacheinander entnehmen.

Aus diesem und anderen Gründen (Haltbarkeit, leichterer Transport) ist dem Schweinegrippeimpfstoff das Konservierungsmittel Thiomersal zugesetzt. Thiomersal ist eine Quecksilberverbindung, bis zu 4 % aller Menschen in Deutschland reagieren allergisch.

So oder so: Die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung, sich gegen Schweinegrippe zu impfen, geht zurück. Nur 13 Prozent der Bevölkerung will sich zur Zeit gegen Schweinegrippe impfen lassen, ergab eine Spiegel-Umfrage. Und auch beim medizinischen Personal ist die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, auch nicht gerade sensationell, und das weltweit, meldet das Deutsche Ärzteblatt.

Immerhin: Die gute Konservierung des Impfstoffs hat einen Vorteil – Der Impfstoff kann noch in der nächsten Saison 2010/2011 verwendet werden, wie der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, Reinhard Burger, in diesen Tagen feststellte.

Aber damit es soweit nicht kommen muss, wird das Institut zusammen mit dem Gesundheitsministerium in den nächsten Tagen eine Werbekampagne starten, um vor allem die besonders gefährdeten jungen Menschen zur Impfung zu bewegen.

Quellen

Paul-Ehrlich-Institut zum Thema Schweinegrippeimpfung

Robert Koch-Institut zum selben Thema

Deutsches Ärzteblatt: „Scheu vor Schweinegrippe-Impfung

Arzneitelegramm: Blitz-a-t für Abonnenten vom 25.8.2009: „Schweinegrippe – Alles im Griff?“

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378809_R_K_B_by_Gerd-Altmann--geralt-_pixelio.de©Bild Gerd Altmann (geralt) auf pixelio.de

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2009 erklärte die WHO die Warnstufe 6 für die neue Form der Virusgrippe, die allgemein als Schweinegrippe bekannt ist. Warnstufe 6 – das bedeutet, dass die neue Grippe nicht nur von Menschen aus den ursprünglich betroffenen Gebieten eingeschleppt wird, sondern sich beinahe überall auf der Welt durch Ansteckung von Mensch zu Mensch ausbreitet. (Die Warnstufe 6 wird von der WHO ausgerufen, wenn in zwei WHO-Regionen eine Übertragung von Mensch zu Mensch auftritt.)

Nach Mexiko und den USA ist zur Zeit besonders Australien betroffen. Dort herrscht jetzt Spätherbst und die allgemeine Grippesaison hat begonnen. Weltweit sind rund 28.000 Menschen bisher erkrankt, 141 gestorben. Die Zahlen werden sich aber jetzt stündlich ändern.

Impfstoff im Herbst diesen Jahres ?

Voraussichtlich im Herbst diesen Jahres wird ein Impfstoff zur Verfügung stehen, teilte die Firma Novartis mit. Die Impfung wird getrennt von der allgemeinen Impfung stattfinden müssen: Die Herstellung des allgemeinen Grippeimpfstoffs für diesen Winter ist bereits abgeschlossen.

Schweinegrippe stark ansteckend, aber milde Symptome

Obwohl die Krankheitsverläufe bei der Schweinegrippe erheblich milder sind als die der üblichen Influenza, besteht dennoch Anlass zur Sorge. Der neue Virus scheint nämlich erheblich ansteckender zu sein als seine Verwandten. Wenn in diesem Herbst/Winter die Grippesaison auf der Nordhalbkugel startet, besteht durchaus die Gefahr, dass der neue Virus Eigenschaften der alten Viren aufnimmt: Er wäre dann ansteckender als die bisherigen Viren und würde durch den Austausch von Erbmaterial mit den herkömmlichen Viren an krankmachender Potenz („Virulenz“) hinzugewinnen.

Auch von früheren Grippeepidemien her ist bekannt, dass die Krankheitsverläufe in den ersten Wellen der Grippe relativ harmlos waren, zu einer großen Zahl von Toten ist es erst in den nachfolgenden Wellen gekommen.

Ebenso wie bei der spanischen Grippe zu Zeiten des Ersten Weltkriegs erkranken auch jetzt wieder bevorzugt jüngere Menschen, der Grund hierfür ist noch nicht ganz klar. Haben die Älteren bereits eine ähnliche Form der Grippe mitgemacht und dadurch Immunität gewonnen ?

Schweinegrippe: Der Steckbrief

Die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung, die sogenannte Inkubationszeit, beträgt bei der Schweinegrippe ein bis sieben Tage, bereits einen Tag vor Ausbruch der Symptome stecken die Infizierten bereits weitere Menschen an.

Die Beschwerden unterscheiden sich kaum von der bisherigen Form der Grippe: Ganz urplötzlich treten Fieber (über 38,5 Grad), Kopf- und Gliederschmerzen sowie Husten auf. Schnupfen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können hinzutreten.

Eine Reise ins Ausland (nach Mexiko, den USA etc.) wird für die Diagnose nicht mehr verlangt: Die Ansteckung kann mittlerweile auch in Deutschland erfolgt sein.

Diagnose: Letzte Sicherheit gibt erst der Abstrich

Die Diagnose wird von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt anhand der Symptome gestellt und durch die Untersuchung von Abstrichen aus Nase und Rachen im Labor gesichert. Ein Grippeschnelltest in der Praxis kann zwar entscheiden, ob eine Grippe vorliegt oder nicht, die Unterscheidung von Schweinegrippe oder normaler Grippe ist damit aber (noch) nicht möglich.

Tamiflu®: Resistenzen werden sich schnell entwickeln

Die Behandlung der sicher an Schweinegrippe erkrankten Menschen erfolgt mit Tamiflu®, 2 x 75 mg für fünf Tage. Kontaktpersonen erhalten 1 x 1 Tablette über 10 Tage.

Ob Tamiflu® Todesfälle verhindern kann, ist bisher noch nicht geklärt. Offensichtlich ist es aber in der Lage, die Schwere und Dauer der Erkrankung zu vermindern und möglicherweise den Ausbruch bei Infizierten zu verhindern. Nach der bisherigen Erfahrung werden die Schweinegrippeviren – wie alle anderen Influenza-A-Viren auch – vermutlich recht schnell Resistenzen gegen das Grippemittel entwickeln.

Isolation zu Hause für sieben Tage

Nach Möglichkeit werden die Kranken und die Kontaktpersonen zu Hause isoliert, nur bei sehr schweren Erkrankungen wird eine Krankenhauseinweisung nötig sein. Die Dauer der Isolierung beträgt sieben Tage.

Das schützt vor Ansteckung

Angehörige schützen sich während der Isolation am besten durch Atemmasken und häufiges Händewaschen vor der Ansteckung. Statt in die Hände sollte man in den Ärmel husten, Niesen natürlich nur in das Taschentuch. Auch häufiges Lüften soll vor Ansteckung schützen.

Kostenlose Hotline

Das Bundesministerium für Gesundheit hat eine kostenlose Hotline zur Schweinegrippe eingerichtet. Von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 18, freitags von 8 bis 12 sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr können Sie unter der Rufnummer 0800 44 00 55 0 Fragen zur Schweinegrippe stellen.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: WHO erklärt Schweinegrippe offiziell zur Pandemie

Robert Koch-Institut zur aktuellen Lage bei der Schweinegrippe

WHO zur aktuellen Situation bei der Influenza A/H1N1

Das Bundesgesundheitsministerium zur Schweinegripe

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Influenza-VirusforschungDie ersten Fälle von Schweinegrippe sind in Deutschland eingetroffen, stündlich treffen auch aus vielen anderen Ländern der Welt Meldungen über Neuerkrankungen und Verdachtsfälle ein. Grund zur Panik? Ich glaube: Eher nicht!

Milde Verläufe außerhalb Mexikos

Obwohl die genaue Beurteilung noch schwer fällt: Es stellt sich immer mehr heraus, dass die meisten Grippefälle außerhalb Mexikos außerordentlich mild verlaufen. Selbst die mexikanischen Behörden korrigierten heute die Anzahl der an Schweinegrippe gestorbenen Patienten nach unten: Nicht bei zwanzig, sondern nur bei sieben Todesfällen sei der neue Amerika-Virus sicher nachgewiesen worden. (In Mexiko herrscht noch Grippezeit, die ganz normale Grippe überlagert die Schweinegrippe, der exakte Virusnachweis ist sehr aufwendig.)

Wir dürfen nicht vergessen: Jede Grippewelle kostet allein in Deutschland jährlich 5000 bis 15000 Menschen das Leben…

CDC: Alte und Kranke besonders gefährdet

Aber war da nicht noch etwas anderes? Ja sicher – der neue Virus sollte doch besonders junge, gesunde Menschen befallen und mit dem Tode bedrohen. Stimmt nicht so ganz, wenn man den neuen Verlautbarungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC Glauben schenken darf. Auch wenn man noch nichts Genaues sagen könne, so geht das CDC doch davon aus, dass wie bei einer normalen saisonalen Influenza die bekannten Risikogruppen besonders gefährdet sind. Dazu gehören: ältere Menschen, Diabetiker, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, Säuglinge, Bewohner von Altenheimen, Krebskranke und HIV-Infizierte.

Auch die Symptome und selbst die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Ansteckung und Erkrankung – seien identisch wie bei der üblichen Wintergrippe. Die Symptome sind bekannt: Fieber, Gliederschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Reizhusten und Kopfschmerzen. Die Inkubationszeit kann zwischen einem und sieben Tagen liegen, meist wird man in der Zeit zwischen dem ersten und vierten Tag nach Ansteckung krank.

Immerhin: Ein neuer Virustyp

Ob die herkömmliche Grippeimpfung irgend eine Schutzwirkung hat, darüber sind sich die Experten uneins. Sicher ist: Der Schweinegrippenvirus ist von gänzlicher unterschiedlichem Aufbau als alle bisher bekannten Influenzaviren. Dies ist eine Voraussetzung für eine mögliche Pandemie, also eine Grippeepidemie, die die ganze Welt überzieht und weitaus mehr Todesopfer fordert als die alljährlichen lokalen Epidemien.

Bisher sieht es aber so aus, als ob der neue Virus eher harmloser daherkommt als seine „ganz normalen“ Vorgänger. Virologen, Epidemiologen und Beamte der Gesundheitsämter werden die Augen offen halten müssen. Der „Normalbürger“ kann aber ganz beruhigt schlafen gehen. Außerdem: Wer den nächsten Urlaub in der Lüneburger Heide verbringt statt um die ganze Welt zu düsen, schützt jetzt nicht nur die Umwelt, sondern auch seine Gesundheit.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt; News vom 29.4.09

CDC: nterim Guidance for Clinicians on Identifying and Caring for Patients with Swine-origin Influenza A (H1N1) Virus Infection

Interim Guidance on Antiviral Recommendations for Patients with Confirmed or Suspected Swine Influenza A (H1N1) Virus Infection and Close Contacts

Einschätzung des Robert Koch-Instituts zur Schweineinfluenza

Bild: Wikimedia Commons, ohne Copyright, Foto zeigt Virus-Forscher der amerikanischen CDC.

Interaktive Karte der New York Times zur Zahl der Erkrankungen (Verdachtsfälle und gesicherte Fälle) weltweit

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