Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Sucht’

Bin ich, mein Partner, mein Vater, meine Mutter oder wer auch immer alkoholabhängig? Diese Frage wird mir in der Praxis oft gestellt. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, kein moralisches Versagen. Nicht jeder, der zuviel trinkt, ist abhängig. Diese Menschen gefährden ihre Gesundheit durch zuviel Alkohol, wir sprechen in diesem Zusammenhang vom „schädlichen Gebrauch“.

„Abhängigkeit“ und „schädlicher Gebrauch von Alkohol“ sind zwei verschiedene Dinge, obwohl die Grenzen fließend sind. Alkoholabhängige können ihren Konsum nicht mehr kontrollieren, Abhängige brauchen Hilfe. Es gibt andererseits Menschen, die zuviel trinken und damit ihre Gesundheit gefährden oder schädigen. Solange sie nicht abhängig sind, brauchen sie Rat und Information.

Cage und Audit sind zwei Untersuchungsmethoden, die helfen sollen, die Wahrscheinlichkeit einer Alkoholabhängigkeit abzuklären.

CAGE – der Käfig – zuverlässig und kurz

Der CAGE – Test wurde schon in den 1970er Jahren entwickelt und hat in der täglichen Praxis und in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen seinen Nutzen unter Beweis gestellt.

Der CAGE Test besteht aus vier einfachen Fragen:

1.) Cut down: „Haben Sie schon mal das Gefühl gehabt, Sie müssten Ihren Alkoholkonsum vermindern?“

2.) Annoyed: „Haben Sie sich schon mal geärgert, weil andere Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?“

3.) Guilty: „Hatten Sie schon mal Gewissensbisse wegen Ihres Alkoholkonsums?“

4.) Eye opener: „Haben Sie schon mal morgens getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder einen Kater zu vertreiben?“

Geben Sie sich je einen Punkt für jedes „Ja“. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie alkoholkrank sind, beträgt:

bei einem Punkt 62 %,
bei zwei Punkten 82 %,
bei drei Punkten 99 %,
und bei 4 Punkten fast 100 %.

AUDIT – von der WHO empfohlen

Der AUDIT (Alcohol use disorders identification test) ist etwas umfangreicher, er wurde 1982 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt, beim AUDIT müssen 10 Fragen beantwortet werden, die Punktzahl geht von 0 bis 40, ab 8 Punkten wird eine Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich. Den AUDIT-Test können Sie z.B. hier auf den Seiten der Drogenberatung Hamburg durchführen.

Ich bin abhängig – was jetzt?

Wenn Sie glauben, dass Sie ein ernsthaftes Alkoholproblem haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt. Reden Sie am besten nicht um den heißen Brei herum, sprechen Sie das Problem direkt an. Es gibt eine Vielzahl von Hilfen.

Auch die Selbsthilfegruppen für Alkoholabhängige helfen Ihnen gerne weiter.

Die Abhängigkeit ist nicht Ihre Schuld, keiner wird Ihnen einen Vorwurf machen. Unternehmen Sie den ersten Schritt noch heute!

Quellen und weiterführende Links

Selbsthilfe in Ihrer Nähe

Suchmaschine der Freundeskreise

Anonyme Alkoholiker

Blaues Kreuz

Guttempler

Kreuzbund

Quellen

JAMA: Detecting Alcoholism, The CAGE Questionnaire

Addictions and Recovery

AUDIT auf Deutsch

Read Full Post »

Diamorphin heißt der Stoff, er wird synthetisch hergestellt, und ist nichts anderes als Heroin. Diamorphin wird eingesetzt zur Behandlung der Heroinabhängigkeit – ist das nicht widersinnig?

Nein, ist es nicht, die deutsche Heroinstudie zeigt sehr beeindruckend, wie gut diese Therapie hilft.

In mehreren deutschen Großstädten läuft seit 2002 ein Modellversuch: Heroinabhängige bekommen Heroin unter ärztlicher Aufsicht, um sie von der Sucht zu heilen. Die Studie ist abgeschlossen und die Ergebnisse sind eindeutig: Es funktioniert.

Maria Eichhorn, drogenpolitische Expertin der CDU/CSU – Fraktion im Bundestag ist strikt dagegen, die Abgabe von Diamorphin an Abhängige zu erlauben.

Sie steht damit im Gegensatz zum Antrag von 13 Bundesländern und der Auffassung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing. Die dreizehn Bundesländer und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung wollen eine Änderung des Arzneimittelrechts, das den Einsatz von Diamorphin zur Therapie Drogenabhängiger erlaubt.

Die CDU-Abgeordnete Beatrix Philipp meint zum Thema: „Niemand käme auf die Idee einem Alkoholabhängigen von staatlicher Seite jeden Tag zehn Flaschen Schnaps zur Verfügung zu stellen“

Der Vergleich hinkt: Heroinabhängige müssen einbrechen, stehlen, sich prostitutieren etc., um an den Stoff zu kommen. Sie können daneben keiner geregelten Arbeit nachgehen, sie infizieren sich mit HIV und anderen Krankheiten, sie sterben an einer Überdosis, keiner weiß, wie stark der Stoff auf der Strasse wirklich ist.

Zeit für einen Entzug haben sie auf jeden Fall nicht.

Heroinabhängige, die Heroin unter ärztlicher Aufsicht bekommen, müssen nicht einbrechen, stehlen oder auf den Strich gehen. Sie haben eine Überlebenschance und den Kopf frei, um einen Entzug zu beginnen.

Heroin ist Methadon eindeutig überlegen in der Behandlung der Heroinabhängigkeit – das zeigt die deutsche Studie und auch die Erfahrungen in England, der Schweiz und Holland.

Die entsprechende Gesetzesänderung wird vor der nächsten Bundestagswahl trotzdem nicht zustande kommen. Es wird unnötige Drogentote geben, der HI-Virus wird sich ausbreiten, die Beschaffungskriminalität wird zunehmen – Ideologie besiegt wissenschaftliche Erkenntnisse.

Oder? Vielleicht sprechen Sie mit Ihrem Bundestagsabgeordneten. Lesen Sie die Quellen, die ich unten nenne. Vielleicht ändert sich doch noch etwas…

P.S.: Sehen Sie – Es hat geholfen – Der Deutsche Bundetag hat am 28.Mai 2009 die Möglichkeit gesetzlich eröffnet, Heroin an Schwerstabhängige zur Therapie abzugeben.

Quellen

Deutsche Heroinstudie

Deutsches Ärzteblatt: Heroinbehandlung von Opiatabhängigen: Vorurteile überwinden

Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg – federführend in der Deutschen Heroinstudie

Die Zeit: Interview mit dem Hamburger Suchtforscher Christian Haasen


Tagesspiegel: Weg aus der Sucht – Studie: Durch Diamorphin können Heroinabhängige besser therapiert werden als mit Methadon

TAZ vom 15.10.2008: Staatliche Heroinvergabe –
Wie eine leere Hülle

Read Full Post »