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Posts Tagged ‘Tennisellenbogen’

Schmerzen im Ellenbogenbereich beim Zufassen mit der Hand, das sind die typischen Beschwerden beim sogenannten „Tennisellenbogen“. Der Schmerz entsteht an der Außenseite des Ellenbogens. Um genau zu sein: der Schmerz sitzt am unteren Ende des Oberarms. Ein deutlicher Druckschmerz fehlt nie.

Die meisten haben noch nie Tennis gespielt

Die meisten Menschen, die an einem Tennisellenbogen leiden, haben noch nie Tennis gespielt. Viel häufiger arbeiten sie als Maurer oder Mechaniker, als Sekretärin oder Friseuse. Auch viele Hobby- Handwerker erkranken an dieser lästigen und schmerzhaften Krankheit.

In der Mehrzahl der Fälle ist eine Überanstrengung der Finger (große Monotonie und Kraftaufwand, ungewohnte Tätigkeit) die Ursache für den Tennisellenbogen. Manchmal entsteht er aber auch ohne jeden ersichtlichen Grund – in solchen Fällen zeigt er bisweilen den Beginn einer Rheuma – Erkrankung an.

Untersuchung

Bei der Untersuchung wird der Patient gebeten, die Hand nach unten fallen zu lassen. Sodann soll er sie gegen den Widerstand des Untersuchers – der den Handrücken nach unten drückt – so weit wie möglich nach oben heben. Dieses Manöver löst den typischen Schmerz an der Außenseite des Oberarms aus.

Der gleiche Schmerz entsteht, wenn man den Patienten bittet, einen Stuhl hoch zu heben oder die gefasste Hand des Untersuchers wie eine Schraube gegen seinen Widerstand nach innen zu drehen.

Eine Röntgenaufnahme des Arms bringt anfangs nicht viel – sie ist meist unauffällig.

Tennisellenbogen können sehr chronische Erkrankungen werden, viele Monate anhalten. Oft zwingt der Tennisellenbogen zum Berufswechsel.

Verwirrende Terminologie

„Außen“ wird in der medizinischen Terminologie „lateral“ genannt. Beim Arm ist die Außenseite die Seite, wo am Unterarm Speiche und Daumen liegen, wenn der Arm locker und unverdreht herunterhängt und die Handflächen nach vorn geöffnet sind, der Daumen also nach außen zeigt und der Kleinfinger zur Hosennaht oder dem Rocksaum.

Innerer und äußerer Epicondylus

Ein Epicondylus ist ein Knochenvorsprung in der Nähe eines Gelenks – am Oberarm gibt es zwei davon: Einen innen (Epicondylus humeri medialis) und einen außen (Epicondylus humeri lateralis).

Entzündung durch Überlastung

Wie so ganz genau ein Tennisellenbogen entsteht, weiß keiner. Viele vermuten eine Entzündung als Ursache.

So kann man den auf den ersten Blick kompliziert aussehenden medizinischen Namen erklären: Zum Epicondylus humeri kommt die Silbe -itis, die eine Entzündung anzeigt. Und da der Tennisellenbogen den äußeren Epicondylus betrifft, heißt die Krankheit folglich Epicondylitis humeri lateralis. (Manchmal ist auch der innere Epicondylus befallen. Dann spricht man vom Golferellenbogen oder der Epicondylitis humeri medialis.)

Die Ärzte, die nicht so ganz an die Entzündung glauben, nennen den Tennisellenbogen auch Epicondylopathia humeri lateralis. Und um die Sache nicht allzu langweilig werden zu lassen, ist auch die Bezeichnung Epicondylitis humeri radialis gebräuchlich. Das „radialis“ bezieht sich auf den Speichenknochen, der auf medizinisch Radius genannt wird. (Der Golferellenbogen liegt dementsprechend an der Seite der Elle, der Ulna und heißt analog Epicondylitis humeri ulnaris.)

Eine Vielzahl von Therapien

Eine Vielzahl von Therapien wird gegen den Tennisellenbogen angeboten. Einige sind in ihrer Wirksamkeit bewiesen, andere beruhen lediglich auf dem Prinzip Hoffnung.

Eine alte Methode: Der gestempelte Strumpf

Eine sehr simple und originelle stammt aus der Nachkriegszeit, wird aber heute kaum noch angewendet. Der Patient wird gebeten, einen Strumpf mitzubringen. Der Arzt streift den Strumpf über die betroffene Hand, klebt den Strumpfsaum mit einer Lage Leukoplast fest und versiegelt den Verschluss mit dem Praxisstempel. Der ungewöhnliche Verband verbleibt ein bis zwei Wochen.

Was das soll? Na ja, der Tennisellenbogen ist eine Überlastungskrankheit – dieser Patient kann seine bestrumpfte Hand bestimmt nicht mehr überlasten! Diese Therapie stammt noch aus einer Zeit, als die Medizin noch viel weniger sprach als heute und dem Arzt nicht widersprochen wurde. Wirksam war sie wohl, das wurde mir oft versichert, in den Zeiten des mündigen Patienten ist sie kaum noch durchführbar.

Ruhigstellungen werden unmodern

Ruhigstellungen kommen überhaupt sehr aus der Mode – der ein- oder zweiwöchige Gipsverband kann heute fast als Kunstfehler gelten – zu häufig treten Komplikationen auf, zu stark wird die Muskulatur geschwächt.

Krankengymnastik und Massage

Krankengymnastik und Massage – Dehnungsübungen und Friktionsmassage, um genau zu sein – erhalten einen zunehmenden Stellenwert. Im Verhältnis zur Spritze dauert es länger, bis sie wirken, aber ihre Wirkung scheint nachhaltiger zu sein.

Kortisonspritze: Schnelle Erleichterung

Eine recht schnelle Erleichterung spürt der Patient, wenn in die schmerzende Region ein Kortisonpräparat, manchmal vermischt mit einem Lokalanästhetikum, gegeben wird.

Die Spritze tut recht weh und die Schmerzen werden in den 24 Stunden nach der Spritze oft schlimmer, aber dann gibt es schlagartige und dramatische Verbesserungen.

Leider kommt es nach den Spritzen oft mehrere Monate später zum Rückfall und eine sehr solide Studie aus Holland zeigte, dass die mit Kortisonspritzen behandelten Patienten nach einem Jahr sich am häufigsten in der Operationsgruppe wiederfanden.

(Das kann natürlich auch daran liegen, dass diese Gruppe von Anfang an die stärksten Beschwerden hatte. Eine Spritze mit Kortison ins schmerzende Areal ist schon eine recht invasive Methode und zu der entschließen sich Arzt und Patient erst, wenn’s richtig weh tut.)

Auch sehr wirksam: „Wait and See“

Die dritte Methode ist sehr typisch für die holländische Allgemeinmedizin und wurde in der o.g. Studie als dritte Alternative getestet: „Wait and see“ – Abwarten und schauen. Das bedeutet natürlich, dass der Patient über die Ursachen seiner Krankheit aufgeklärt ist.

Was hilft am besten?

Das Ergebnis der holländischen Studie: Die Kortisoninjektion hilft am schnellsten, aber nach einem Jahr liegen Krankengymnastik und „wait and see“ gleichauf.

Die Autoren der Studie aus dem Jahre 2002 plädieren dafür, dass Patient und Arzt eine der drei Möglichkeiten: Kortisonspritze, Wait and See oder Krankengymnastik in einer gemeinsamen Entscheidung auswählen.

Deutsche Bandagen

In Deutschland werden häufig noch verschiedene Bandagen verordnet. Epicondylitisspangen entlasten die Sehnenansätze am Epicondylus, andere führen durch entsprechende Strukturen zu einem der Friktionssmassage ähnlichen Effekt.

Diclofenac und Ibuprofen

Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie z.B. Ibuprofen oder Diclofenac helfen vor allem anfangs, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten bzw. die Schmerzen zu lindern.

Arbeitsplatz

Natürlich muss immer wieder auch diskutiert werden, wie der Arbeitsplatz des Patienten so gestaltet werden kann, dass zukünftige Überlastungen vermieden werden. Oft sind nur kleine Änderungen wie z.B. eine ergonomische Tastatur ausreichend.

Akupunktur und Ultraschall unwirksam

Ultraschall oder Laserbehandlung sind nicht effektiv. Auch Akupunktur und Stoßwellenbehandlung konnten ihre Wirksamkeit in wissenschaftlich fundierten Studien bisher nicht nachweisen.

Operation

Mit einer systematischen Therapie können etwa 90 % der Patienten mit einem Tennisellenbogen in der Hausarztpraxis geheilt werden, die verbliebenen 10 % müssen nach einem halben bis einem Jahr erfolgloser Therapie operiert werden.

Die häufigste Operation ist die nach dem einem Münchener Orthopäden benannte Hohmann’sche Operation. Nach einem kleinen Hautschnitt werden die Sehnenansätze der Fingerstrecker am Epicondylus eingekerbt, nicht durchtrennt. Dadurch entsteht vermutlich eine Zugentlastung – die Sehnen ziehen mit etwas verminderter Kraft. Etwas seltener wird die Denervierungs – Operation durchgeführt – nach Durchtrennung der Nervenendingungen im Bereich des Epikondylus ist der chronische Schmerz ausgeschaltet. (Auch die Hohmannsche Operation ist immer mit einer gewissen Durchtrennung von Nerven verbunden, manchmal wird auch die Hohmannsche mit der Denervierungsoperation kombiniert.)

Rheuma online zum Thema

Zusammenfassung der holländischen Studie zum Tennisellenbogen auf Englisch auf PubMed: „Corticosteroid injections, physiotherapy, or a wait-and-see policy for lateral epicondylitis: a randomised controlled trial.“

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Eine englisch-amerikanische Forschergruppe der Cambridge Health Alliance untersuchte die Wirksamkeit von Akupunktur bei Armschmerzen, die durch monotone Tätigkeiten hervorgerufen werden.

Solche Schmerzen sind z.B. als Tennisellenbogen bekannt.

Akupunktur versus Scheinakupunktur

123 Patienten wurden per Los entweder einer Gruppe mit echter Akupunktur oder einer zweiten mit Scheinakupunktur zugeteilt.

Die Scheinakupunktur wurde mit sogenannten „Streitberger-Nadeln“ durchgeführt. Diese funktionieren wie ein Dolch im Theater oder einem Zauberkunststück: Die Spitze berührt die Haut, aber die Nadel dringt nicht ein, sondern schiebt sich teleskopartig zusammen. Der Patient hat also den Eindruck, er werde akupunktiert, die Nadel kann aber keine Akupunktureffekte auslösen, weil die Haut intakt bleibt.

Es wurden acht Behandlungen in 4 Wochen durchgeführt. Der Effekt der Behandlung wurde nach zwei, vier und acht Wochen beurteilt. Entscheidend für die Beurteilung war der Schmerz, aber auch Gesichtspunkte wie Beweglichkeit und Kraft beim Händedruck wurden berücksichtigt.

Weniger Schmerzen unter Placebo

Das Ergebnis der Untersuchung: Die Gruppe mit der Scheinakupunktur hatte nach vier Wochen weniger Schmerzen als die Gruppe mit der echten Akupunktur. Nach weiteren vier Wochen waren die Beschwerden in beiden Gruppen gleich.

Das Resultat spricht nicht dafür, dass Akupunktur bei Armbeschwerden wirksam ist.

Quellen

Acupuncture for Treatment of Persistent Arm Pain Due to Repetitive Use: A Randomized Controlled Clinical Trial, Zusammenfassung auf der Website: BioInfoBank Library

Zusammenfassung der Studie auf PubMed

The Clinical Journal of Pain, Ausgabe März/April 2008:

Acupuncture for treatment of persistent arm pain due to repetitive use: a randomized controlled clinical trial.

Goldman RH, Stason WB, Park SK, Kim R, Schnyer RN, Davis RB, Legedza AT, Kaptchuk TJ.
(Department of Medicine, Cambridge Health Alliance, Cambridge, UK)

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