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Posts Tagged ‘Testosteron’

diskussion2_323085-21Niemand zweifelt mehr daran, dass auch der Mann mit zunehmendem Alter weniger Geschlechtshormone produziert. Es ist nicht der scharfe Einschnitt wie bei den Frauen nach der letzten Regel – und auch die Unterschiede von Mann zu Mann sind größer als die von Frau zu Frau. Der Mann in den Wechseljahren ist häufiger depressiv verstimmt, seine Muskeln und seine Knochen schwinden, Libido und Potenz lassen nach. Der Ersatz von männlichen Geschlechtshormonen könnte die Beschwerden bessern, das haben erste Studien gezeigt. Aber anders als bei Frauen ist die Abwägung von Nutzen und Risiko beim Mann weit schwieriger – die Forschung kann hier noch keine klaren Antworten geben.

Andropause oder PADAM

Irgendwann zwischen dem 40ten und 50ten Lebensjahr beginnen die männlichen Wechseljahre: Die Blutspiegel des männlichen Geschlechtshormons, des Testosterons, sinken langsam, aber sicher, um durchschnittlich 1 % pro Jahr. Gleichzeitig steigt die Konzentration des Sexual-Hormon-Bindenden-Globulins, SHBG, an. Das SHBG ist ein Eiweiß, das das männliche Geschlechtshormon Testosteron im Blut fest an sich bindet. Da nur das freie, nicht an SHBG gebundene Testosteron, biologisch aktiv ist, wirkt sich ein Anstieg des SHBG genauso aus wie ein Abfall des Testosteronspiegels – die Wechseljahre des Mannes schreiten voran.

Bis heute streitet man um den passenden Begriff: die Neuschöpfung Andropause wurde nach dem Vorbild der weiblichen Menopause gebildet. Sicher: Bei der Frau erlischt die monatliche Regel, aber beim Mann alles Männliche ? (Die Vorsilbe andro -ἀνήρ- stammt aus dem Griechischen und bedeutet Mann.)

Befriedigende Sexualität ist bis ins hohe Alter bei Mann und Frau möglich – Andropause ist ein untauglicher Begriff für das männliche Klimakterium, Klimakterium virile.

Nach langem Suchen setzte sich seit Mitte der 1990er Jahre das englische Kunstwort PADAM druch: „Partial Androgen Deficiency in the Ageing Male“. Auf Deutsch: „Partielles Androgen Defizit des Alternden Mannes“. Manche nennen das männliche Klimakterium auch ADAM – was das gleiche, nur ohne partiell meint und immerhin sehr einprägsam ist.

Libido und Potenz vermindert, Muskeln und Knochen geschwächt

Die Beschwerden, die aus dem Nachlassen der Testosteron-Produktion in den reiferen Jahren des Mannes resultieren, sind sehr vielgestaltig. Zum Teil können sie nicht sicher von Erscheinungen und Beschwerden, die das „normale Altern“ mit sich bringen, abgegrenzt werden.

Die Muskelkraft nimmt ab, ebenso die Stabilität der Knochen. Die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen wird dadurch erhöht. Viele betroffene Männer klagen über ein Nachlassen der Vitalität und depressive Verstimmungen. Der Fettanteil an der Körpermasse nimmt zu, insbesondere im Bauchbereich sammeln sich unschöne (und ungesunde) Polster an.

Sowohl das sexuelle Verlangen (die Libido) als auch die Potenz nehmen ab.

Hormonersatz: Langfristige Risiken noch völlig unklar

Obwohl die Verschreibung von Testosteronpräparaten weltweit zunimmt, fehlt es an aussagekräftigen Studien über die langfristigen Risiken.

Diskutiert werden vor allem folgende nachteilige Effekte:

  • Förderung von Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Verschlechterung der Blutfette
  • gutartige Prostatavergrößerung
  • Polyzythämie (die -krankhafte – Vermehrung der Blutzellen)
  • Prostatakarzinom

E. L. Rhoden und A.Morgentaler, Urologen an der Harvard Medical School in Boston, USA, haben in einem Übersichtsartikel des New England Journal of Medicine den Stand der Forschung zusammengefasst. Nach ihrer Meinung kann nach den heute geltenden Erkenntnissen für jedes der o.g. Risiken Entwarnung gegeben werden. Allerdings betonen auch sie noch einmal, dass dringend weitere Forschung nötig tut.

Die vorliegenden Studien über Testosteronbehandlung und Prostatakarzinom sind entweder viel zu kurz oder haben zu wenig Teilnehmer, um wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.

Ein Mann, der an einem Prostatakarzinom leidet, darf nicht mit männlichen Geschlechtshormonen behandelt werden. Es ist seit langem bekannt: Testosteron fördert das Wachstum dieses bösartigen Tumors. Andererseits tragen sehr viele Männer ab dem 50. Lebensjahr verborgene Prostatakarzinome in sich, die keine Beschwerden verursachen und vermutlich auch nie verursachen werden. Führt die Behandlung mit Testosteron zur Aktivierung dieser okkulten Karzinome? Diese Frage ist noch nicht sicher geklärt.

Akne, Brustschwellung und Wassereinlagerung

Testosteronpräparate können auch beim erwachsenen Mann Akne hervorrufen.

Die Schwellung der Brust, die manche Männer unter der Therapie bemerken, ist auf eine Umwandlung des Testosterons in Östrogene, die weiblichen Geschlechtshormone, im Körper des Patienten zurückzuführen.

Manche Männer lagen Wasser ein, geschwollene Beine oder Luftnot bei Patienten mit Herzproblemen sind Anzeichen dafür. Bei anderen steigt der Blutdruck, auch hier ist vermutlich die gestörte Wasserbilanz Schuld.

Wie sich Testosteron auf den Haarausfall auswirkt, ist noch nicht richtig untersucht. Theoretisch sollte es die männliche Glatze fördern, der Bartwuchs und die Körperbehaarung nehmen dagegen zu.

Die Hodengröße nimmt ab, weil die anregende Wirkung der Stimulationshormone der Hirnanhangdrüse unter Testosterontherapie wegfallen, auch eine Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) durch nachlassende Spermienproduktion ist häufig. Eine bestehende Schlafapnoe – Atemstillstände im Schlaf – wird oft verschlechtert.

Leberwerte steigen manchmal an, eine Gelbsucht zwingt zum Abbruch der Therapie. Die Auswirkung auf die Blutfette wird sehr unterschiedlich beurteilt: Manche Studien sehen einen Anstieg des Cholesterins, eine Verminderung der schützenden (HDL-)Fraktion des Cholesterins, andere sehen keine Veränderung, wieder andere sogar eine Verbesserung.

Männliche Geschlechtshormone führen zu einer vermehrten Blutbildung. Deswegen wurden sie früher auch zur Therapie bestimmter Formen der Anämie (Blutarmut) eingesetzt. Allerdings: Ist diese Wirkung zu stark, kommt es zur Polyzythämie, das Blut wird durch die Vielzahl neugebildeter Blutzellen „zähflüssig“, was zu Durchblutungsstörungen vor allem kleiner Blutgefässe führen kann.

Gels, Tabletten, Pflaster, Spritzen

Es gibt viele praktikable Wege, den Mangel an männlichem Geschlechtshormon zu behandeln – die Rote Liste® führt 14 verschiedene Präparate an. Welches ist das richtige?

Testosteron, als Tablette oder Kapsel geschluckt, gelangt vom Darm aus zunächst in die Leber. Dort wird es fast vollständig inaktiviert. Um dies zu vermeiden, schuf man eine Reihe von Testosteronverbindungen, die diesen „First-Pass-Effekt“ in der Leber „überleben“. Leider schadeten viele dieser Substanzen jedoch der Leber, riefen sogar gutartige und bösartige Lebertumore hervor. Kapseln, die Testeronundecanoat enthalten, sollen diese Giftigkeit für die Leber nicht entfalten, es ist allerdings schwer, ausreichende Wirkstoffspiegel im Blut mit dieser Substanz zu erreichen.

Das in den Transbuccaltabletten (transbuccal = über die Backe) enthaltene Testosteron wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und umgeht damit dem Abbau in der Leber beim First-pass-Effekt.

Die Standardbehandlung des männlichen Mangels an Testosteron besteht in intramuskulären Injektionen von Testosteronenantat oder neuerdings auch Testeronundecanoat. Das Undecanoat hat den Vorteil, dass es seltener – nur etwa alle viertel Jahre – injiziert werden muss, das Enantat jedoch alle zwei bis drei Wochen. Neben der Schmerzhaftigkeit der Injektion ist der „sägezahnartige“ Verlauf des Testosteronspiegels ungünstig: Unmittelbar nach Injektion steigt der Spiegel auf über normale Werte stark an, fällt vor der nächsten Spritze aber in den Keller.

Auch der Weg über die Haut ist möglich: Testosteron gibt es als Gel zum Auftragen auf die Haut und als Medikamentenpflaster. Beim Gel muss darauf geachtet werden, dass nicht unfreiwillig die Ehefrau, Freundin oder die Kinder mit diesen Hautstellen in Kontakt kommen, sie könnten das Hormon unbemerkt aufnehmen – eine tiefe Stimme oder Bartwuchs bei der Frau und eine vorzeitige Pubertät beim Kind könnten die Folge sein.

Überwachung der Therapie

Bevor die Behandlung mit männlichen Geschlechtshormonen begonnen wird, sollte ein Krebs der Prostata durch Bestimmung des PSA-Wertes und eine rektale Untersuchung ausgeschlossen werden. Männer mit einem erhöhten PSA-Wert sollten sich einer Prostatabiopsie (Probenentnahme aus der Vorsteherdrüse) unterziehen.

Ein Blutbild sollte gemacht und die Blutfette sowie Leberwerte bestimmt werden. In regelmäßigen Zeitabständen, anfangs monatlich, danach vierteljährlich und schließlich jährlich sollte das Blutbild, die Blutfette, die Leberwerte und das PSA kontrolliert werden. Steigt der PSA-Wert schnell an oder überschreitet er den Normalwert, dann ist eine Biopsie anzuraten.

Der Mangel an Testosteron muss vor der Behandlung gesichert sein, am besten durch zwei Untersuchungen wegen der starken natürlichen Schwankungen.

Bessert sich unter der Therapie das Befinden des Patienten, dann braucht die Hormondosis nicht erhöht zu werden, auch wenn die Blutspiegel tief liegen. Spricht die Behandlung nicht an, dann hat eine Erhöhung der Dosis nur Sinn, wenn sich die Blutspiegel im unteren Bereich des Normalen oder darunter befinden. Erhält der Mann intramuskuläre Injektionen, dann sollte man bei der Interpretation der Blutwerte berücksichtigen, dass sie in den ersten Tagen nach der Spritze oft sehr hoch liegen, um in der Zeit danach auf sehr niedrige Werte abzufallen.

Hormonersatz beim Mann wirkt gut auf die Stimmung, auf Muskeln und Knochen. Auch die Libido, das sexuelle Interesse, steigt. Leider ist der Effekt auf die Potenz sehr gering.

Natürliche Alternativen: Ernährung und Bewegung

Vor allem die Bauch-betonte Adipositas führt zu niedrigen Testosteronwerten. Vermutlich liegt das daran, dass der Bauchspeck auch als hormonell aktives Organ tätig wird: Er wandelt das männliche Geschlechtshormon Testosteron in weibliche Östrogene um.

Auch regelmäßige körperliche Bewegung vor allem im Sinne eines Ausdauertrainings soll dem Mangel an männlichem Hormon wirksam entgegenwirken.

Fazit

Die Wechseljahre des Mannes haben ebenso Krankheitswert wie die der Frau, treten aber nicht bei jedem Mann und mit sehr unterschiedlicher Schwere auf. Bei erheblichen Beschwerden und nachgewiesenem Hormonmangel kann mit männlichem Geschlechtshormon behandelt werden. Viele Risiken der Hormonbehandlung bei Frauen konnten erst in großen Studien mit vielen tausend Teilnehmerinnen identifiziert werden. Beim Mann fehlen Studien in diesem Umfang, das potentielle Risiko der Behandlung ist daher schwer abzuschätzen.

Eine risikoarme Alternative gegen den Hormonmangel heißt: Abspecken und körperliches Training!

Quellen

Bild: Diskussion im Weinberg, © leocat auf pixelio.de

Dynamed: Testosterone therapy, EBM-basierte Übersicht auf englisch, Registrierung erforderlich

Urologielehrbuvh online: PADAM

Arzneitelegramm 2/2004: Jungbrunnen Testosteron?

Darby E, Anawalt BD.: Treat Endocrinol. 2005;4(5):293-309.Male hypogonadism : an update on diagnosis and treatment.(Zusammenfassung in Englisch auf PubMed

L. J. G. Gooren, Department of Endocrinology
Free University Hospital of Amsterdam: Partial Androgen Deficiency In The Ageing
Male (Padam)

The New England Journal of Medicine, 350:482-492, 29.Januar 2004: Ernani Luis Rhoden, M.D., and Abraham Morgentaler, M.D.: Risks of Testosterone-Replacement Therapy and Recommendations for Monitoring

Ärztewoche: Wie viel Testosteron braucht der Mann?

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