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Posts Tagged ‘Übergewicht’

Hunger und Übergewicht sind weltweit auf dem Vormarsch. Beides ist eine Folge von Armut und fehlender Bildung. Hunger und Übergewicht sind Ursachen vieler Krankheiten, Ärzten kann das nicht egal sein.

Die schlimmste Katastrophe, der Hunger in Ostafrika, bedroht 10 Million Menschen mit dem Tod. Gegen Dürren können wir wenig ausrichten, aber der Hunger dort ist vermeidbar; es läge in unserer Macht, in der Macht unserer Regierungen, den Hungerstod dort zu vermeiden.

Jeder siebte Mensch hungert
Weltweit hungern mehr als 900 Millionen Menschen, das ist ungefähr jeder siebte. Und es werden nicht weniger, sondern mehr. Die globale Finanzkrise hat die Lage verschärft. Nahrungsmittel sind zum Spekulationsobjekt geworden, zeitweise geraten die Preise für Nahrung in schwindelerregende Höhen. Ackerland ist zum Spekulationsobjekt geworden, häufig gerade dort, wo die Not am größten ist: in Afrika. Weltweit wird Ackerland benutzt, um Biosprit anstatt Nahrungsmittel zu erzeugen. Damit unsere Energieverschwendung weiter gehen kann, müssen anderswo Menschen verhungern.

Nicht nur in Asien und Afrika hungern Menschen. Über zwei Millionen Kinder in Deutschland leben in Armut, meldete gestern der Bundesverband der Kinder und Jugendärzte .

„Hunger macht dick?“

Der Bundesvorsitzende des Kinderärzteverbands, Dr. Wolfram Hartmann sagte zum Thema arme Kinder in Deutschland: „Viele von ihnen werden fehl- oder mangelernährt. Das sehen wir täglich in unseren Praxen. Oft reicht das Geld in den Familien nur bis zum 20. des Monats und dann gibt es eben zehn Tage nur noch Nudeln ohne Soße, Fleisch und Gemüse. Die Folge davon ist Übergewicht. Wir haben also in Deutschland die paradoxe Situation, dass Hunger dick macht.“

Armut macht dick

Übergewicht beginnt im Kindesalter. Übergewicht tritt auf, wenn Kinder sich zu wenig bewegen und sich falsch ernähren. Falsche Ernährung hängt oft damit zusammen, dass Kinder aus sozial schwachen Familien Fast Food Restaurants aufsuchen. Aufsuchen müssen, weil das Essen dort billig ist, weil die Eltern nicht kochen können, weil sie z.B. beide arbeiten müssen. Die Lage ist in den USA so dramatisch geworden, dass in Los Angeles neue Fast Food Filialen in den armen Stadtvierteln im Süden der Stadt verboten wurden.

I am proud to be taking part in Blog Action Day OCT 16 2011 www.blogactionday.org

Quellen und weitere Links

Aktion Deutschland hilft

Kinderärzte im Netz: Welternährungstag: Mangelernährung auch in Deutschland

World Food Programme: Hunger

Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE

KiGGS. Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey: Ergebnisse zu Übergewicht, Allergie, Jodversorgung, sportlicher Aktivität und Motorik

Spiegel: Kampf dem Übergewicht Los Angeles verbietet Fastfood-Filialen

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75 % der Männer und 60 % der Frauen in Deuschland sind übergewichtig, mehr als die Hälfte der Männer und ein knappes Viertel der Frauen sogar „adipös“. „Adipös“, das bedeutet eine Steigerung von übergewichtig. Übergewicht bedeutet ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, aber immer mehr Wissenschaftler sind mit den bisherigen Meßmethoden für das Übergewicht nicht mehr einverstanden.

Das Problem mit dem BMI

Wenn man von übergewichtig, untergewichtig oder adipös spricht, legt man dabei bestimmte (Grenz-)Werte des sogenannten BMI, des „Body Mass Index“, zugrunde.

Sie berechnen Ihren BMI, wenn Sie Ihr Körpergewicht (in kg) durch das Quadrat ihrer Körpergröße teilen. (Das Quadrat ergibt sich, indem Sie die Körpergröße mit sich selbst mal nehmen.) Also: Das Gewicht in kg wird geteilt durch Körpergröße x Körpergröße in Metern.

Ein Beispiel: Sie wiegen 100 kg und sind 2 Meter groß. Ihr Body-Mass-Index errechnet sich so: 100 Kg geteilt durch 2m x 2m (= 4 qm) = 25 kg/qm. Mit einem Body Mass Index von 25 sind Sie gerade noch so eben normalgewichtig, mit einem BMI ab 25 bis höchstens 30 gelten sie als übergewichtig, ab einem BMI von 30 sind sie adipös.

Im Internet kursieren jede Menge BMI-Rechner, die Ihnen die Arbeit mit dem Kopf oder Taschenrechner abnehmen, z.B. hier.

Das Problem beim BMI: Ein durchtrainierter Sportler errechnet unter Umständen für sich einen höhereren BMI als eine notorische Couch-Kartoffel, trotzdem trägt der Sportler ein niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Übergewicht bringt ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall mit sich. Bewegung und Sport schützt, schafft neue Muskeln. Aber auch Muskeln schaffen mehr Gewicht, Muskelgewebe wiegt sogar etwas mehr als Fettgewebe.

Typ Apfel und Typ Birne

Das zweite Problem: Schon seit längerem deutet sich durch internationale Forschungsergebnisse an, dass der Speck an den Oberschenkeln und an den Hüften bei weitem nicht so schädlich ist wie der Speck am Bauch. „Typ Apfel“ trägt ein wesentlich grösseres Risiko für Herzinfarkt und Co als „Typ Birne“.

Bauch zur Größe – Bauch zur Hüfte – Verhältnis

Der BMI als Meßwert hat den großen Vorteil, dass es eine Vielzahl von Untersuchungen an einer großen Zahl von Menschen über viele Jahre in vielen Ländern gibt, die den BMI als Meßwert nutzen. Trotzdem, es zeigt sich immer mehr: Der BMI hat seine Schwächen, wenn es um die Gesundheit geht.

Immer mehr Bedeutung bekam die „Waist to Hip Ratio“, das Verhältnis von Bauch- zum Hüftumfang. Noch besser, weil noch einfacher und zuverlässiger zu messen: Das Verhältnis von Bauchumfang zur Körpergröße, die „Waist to Height Ratio“ , abgekürzt WHtR. Einer neueren Untersuchung zufolge schreckt die WHtR 35 % der (nach BMI) normalgewichtigen Männer von der Couch auf. Ihre WHtR zeigt ein grösseres gesundheitliches Risiko an, obwohl sie mit einem BMI zwischen 18,5 und 25 durchaus normalgewichtig sind. (Bei Frauen trifft dies nur 14 % der Normalgewichtigen – Typ Birne ist hier deutlich häufiger zu finden.)

WHtR – „Bauch zur Größe“ – ist einfach zu messen. Messen Sie den größten Bauchumfang und teilen Sie den Wert durch die Körpergröße. Der ideale Wert liegt unter 0,5. Anders ausgedrückt: Ihr größter Bauchumfang sollte nicht größer sein als Ihre halbe Körpergröße. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Wenn Sie zwei Meter groß sind, sollte ihr Bauchumfang unter einem Meter liegen. Einfach zu merken und wahrscheinlich aussagekräftiger, wenn es um die Gesundheit geht.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Body-Mass-Index nutzlos bei gesundheitlicher Risikovorhersage

Obesity Facts: Waist to Height Ratio Is a Simple and Effective Obesity Screening Tool for Cardiovascular Risk Factors

Science direct: The superiority of waist-to-height ratio as an anthropometric index to evaluate clustering of coronary risk factors among non-obese men and women

Int J Obes (Lond). 2008 Jun;32(6):1028-30. Epub 2008 Apr 15.: Waist-to-height ratio: a simple option for determining excess central adiposity in young people. Abstract auf pubmed

Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism , doi:10.1210/jc.2009-1584: The Predictive Value of Different Measures of Obesity for Incident Cardiovascular Events and Mortality

Foto: © Dieter Schütz auf pixelio.de

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dickÜbergewichtige Menschen, also solche mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m², leben länger als normalgewichtige Menschen (BMI zwischen 18,5 und 24,9). Dies ergab eine große kanadische Studie in diesen Tagen.

Untersucher der Studie befragten 11.000 Kanadier im Rahmen einer großen nationalen Gesundheitsstudie. Den erwachsenen Probanden, alle älter als 25 Jahre, wurden neben anderen auch Fragen zu Körpergröße und Gewicht gestellt. Die Sterbedaten wurden dem offiziellen kanadischen Sterberegister bis zum Jahr 2006 entnommen.

Untergewicht und extreme Adipositas verkürzen das Leben

Die Forscher fanden das größte Sterberisiko bei den Untergewichtigen (BMI unter 18,5) und bei den extrem Adipösen mit einem BMI über 35 kg/m² (= Adipositas Grad II). Die Adipösen mit einem BMI zwischen 30 und 35 (= Adipositas Grad I) lebten dagegen genau so lange wie die Normalgewichtigen.

In Zahlen fiel der Vergleich zu der Gruppe der Normalgewichtigen folgendermaßen aus: Die Untergewichtigen hatten ein um 70 % erhöhtes Sterberisiko, bei den extrem Adipösen war dieses Risiko um 36 % erhöht, die Übergewichtigen (BMI zwischen 25 und 29,9) konnten sich über ein um 17 % verringertes Risiko freuen.

Ein ähnliches Ergebnis hatte eine Studie aus den USA ergeben, die bereits 2005 in der amerikanischen Fachzeitschrift JAMA veröffentlicht wurde. (Hier gibt es diese Studie als PDF-Datei in Englisch.)

Kein Freibrief für Völlerei

Diese neuen Erkenntnisse sind aber für Normalgewichtige kein Anlass, ein paar Pfund zuzulegen, um länger leben zu können. Die Statistik hat ihre Tücken: In beiden Untersuchungen wurde nur nach Größe, Gewicht und Sterbedatum gefragt. Das besagt nichts über die Krankheiten, die die Übergewichtigen im Vergleich zu Normalgewichtigen plagen. Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und Arthrose – alles dies sind Krankheiten, die durch Übergewicht gefördert werden. Ein ehemals Adipöser oder Übergewichtiger nimmt ab, wenn er an Krebs oder Diabetes erkrankt; bevor er (vorzeitig) stirbt, ist er zunächst in der Gruppe der Normalgewichtigen, kurz vor seinem Tod häufig sogar in der Gruppe der Untergewichtigen zu finden.

Möglicherweise spielt auch die bessere medizinische Versorgung eine Rolle: Diabetes und Bluthochdruck können heute effektiv behandelt werden, sicher verlängert dies das Leben der Patienten mit ein paar Pfunden zuviel.

Oder stimmt doch die Vermutung, dass Übergewichtige im Falle einer ernsthaften Erkrankung ein paar Pfunde „zusetzten“ können, leben Moppelchen dadurch länger?

Fragen über Fragen, die neue Studien geradezu herausfordern. Insbesondere sollte der Zusammenhang zwischen Übergewicht und den Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Co. besser herausgearbeitet werden.

Quellen

obesity – a research journal: „BMI and Mortality: Results From a National Longitudinal Study of Canadian Adults“, Obesity (2009) doi:10.1038/oby.2009.191

Kaiser Permanente: „June 23, 2009: Underweight and Extremely Obese Die Earlier than People of Normal Weight, Study Finds“

National Population Health Survey (NPHS)

Deutsches Ärzteblatt, Studie: Übergewicht verlängert das Leben

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rauchenÜbergewicht verkürzt das Leben in gleichem Maß wie Rauchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine interessante Studie schwedischer Forscher am Karolinska Institut, der Universitätsklinik von Stockholm in Schweden.

Sie verfolgten die Daten von 45.920 jungen schwedischen Männern, die vor rund 38 Jahren im Alter von 18 Jahren gemustert wurden. Sie verglichen die Angaben zum Rauchverhalten und den Body Mass Index mit den Sterbedaten in den folgenden Jahren.

incidencerate

Die Grafik (Quelle: Karolinska Institut) zeigt die Ergebnisse ihrer Studie. Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis kompliziert aus. Aber so schwer ist es nicht: Sie sehen drei Reihen von jeweils fünf Säulen hintereinander. Die erste Reihe zeigt die Nichtraucher, die zweite die schwachen Raucher und die dritte repräsentiert die starken Raucher. In jeder Reihe stehen ganz links die stark Übergewichtigen, medizinisch die „Adipösen“ (BMI größer als 30). Rechts finden sie die Männer mit starkem Untergewicht (BMI kleiner als 17).

Am besten dran sind die normalgewichtigen und leicht untergewichtigen Nichtraucher: In einem Jahr sind von 10.000 Personen 11 Todesfälle zu beklagen. Die Gruppe der übergewichtigen Nichtraucher – in der ersten Reihe ganz links – weist 25 Todesfälle auf, genauso viel wie die normalgewichtigen Raucher – dritte Reihe Mitte hinten.

Das höchste Risiko für einen vorzeitigen Tod haben die stark übergewichtigen Raucher – ganz links hinten – in dieser Gruppe sterben 54 pro 10.000 und Jahr – das sind fast fünf mal so viel wie bei den normalgewichtigen Nichtrauchern!

Fazit: Nicht nur das Rauchen, sondern auch das Übergewicht muss schon bei jungen Leuten als Risikofaktor energisch angesprochen werden. Kommt beides zusammen, steigt das Risiko auf einen vorzeitigen Tod um das Fünffache!

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Studie: Übergewicht so ungesund wie Rauchen

Pressemitteilung des British Medical Journals: Being overweight just as risky to health as being a smoker

Zusammenfassung der Studie im British Medical Journal: Combined effects of overweight and smoking in late adolescence on subsequent mortality: nationwide cohort study

Zusammenfassung der Studie auf Englisch vom Karolinska Institu in Stockholm: Teenage obesity just as risky as being a smoker

Bild: ©Gerd Altmann auf pixelio.de

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Das British Medical Journal, eine der bedeutendsten medizinischen Zeitschriften weltweit, hat in seiner Weihnachtsausgabe 2008 wieder einmal kräftig mit medizinischen Mythen aufgeräumt.

maultaschenDie Mehrzahl meiner Patienten und auch viele meiner Kollegen würden mit Nachdruck behaupten: Essen am Abend macht dick!. Stimmt das wirklich? Setzen also Schnitzel oder schwäbische Maultaschen, abends gegessen, wirklich mehr an als wenn dasselbe mittags verzehrt wird ?

Die Kalorien-Bilanz entscheidet über das Gewicht, nicht der Zeitpunkt der Mahlzeit

„Mitnichten !“ sagen die Herausgeber der englischen Fachzeitschrift. Sie berufen sich dabei auf eine Vielzahl gründlicher Untersuchungen weltweit.

Es stimmt zwar: Menschen, die das Frühstück auslassen, haben ein größeres Risiko, dick zu werden. Das liegt aber nicht daran, dass sie abends mehr essen. Tatsächlich nehmen sie den ganzen Tag über vermehrt Kalorien zu sich. Regelmäßig über den Tag verteilt essen, hält schlank. Wer nur eine oder zwei Mahlzeiten zu sich nimmt, verzehrt mehr Kalorien als ein regelmäßiger Esser.

Aber ob die Hauptmahlzeit abends, mittags oder morgens eingenommen wird, ist dem Körper egal. Das einzige was zählt ist die Bilanz: Aufgenommene Kalorien minus verbrauchte Kalorien.

Noch ein paar weitere Mythen …

So ganz nebenbei erledigen die Engländer noch ein paar kleinere, hartnäckige medizinische Gerüchte:

  • Kinder werden nicht von Zucker hyperaktiv (aber viele Eltern finden ihre Kinder hyperaktiv, wenn sie glauben, dass sie Zucker gegessen haben).
  • Weihnachtssterne sind weder für Mensch noch Tier giftig.
  • Über den Kopf geht genau so viel Wärme verloren wie über jeden anderen Teil des Körpers auch.
  • Es gibt keine Häufung von Selbstmorden rund um oder an Weihnachten.
  • Es gibt kein wirksames Heilmittel gegen den Alkoholkater.

Quelle

BMJ 2008;337:a2769: Festive Medical Myths (engl.)

Bild: Schwäbisches Nationalgericht, © Albrecht E. Arnold auf pixelio.de

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Ratten werden dick von Fruchtzucker (Fruktose), Mäuse auch. Keiner weiß, ob dies auch für Menschen zutrifft, aber vieles spricht dafür.

Sicher ist: die Blutfette des Menschen steigen bei reichlicher Fruktosezufuhr, der (besonders ungesunde) Bauchspeck nimmt zu, mehr als die Fettpolster an anderen Stellen. 100g Fruchtzucker liefern genau so viel Kalorien wie 100g Traubenzucker, aber Traubenzucker macht den Menschen satt, Fruchtzucker weit weniger.

Die rasante Zunahme des Übergewichts in den Vereinigten Staaten soll wenigstens teilweise auf den rasant gestiegenen Fruchtzuckerverbrauch zurückzuführen sein. In Amerika werden Fruchtsäfte und Erfrischungsgetränke zunehmend mit dem sogenannten High Fructose Corn Syrup (HFCS) gesüßt. HFCS, in Deutschland als Maissirup oder Fructose-Glucose-Sirup deklariert, wird aus Maisstärke gewonnen. Der Anbau von Mais wird in den USA subventioniert, die Einfuhr von Rohrzucker dagegen mit Zöllen belastet. Das macht den High Fructose Corn Syrup zu einer außerordentlich preiswerten Zutat.

Maissirup enthält einen hohen Prozentsatz an Fruktose. Der Verbrauch an HFCS stieg in den USA zwischen 1970 und 1990 um rund 1000 Prozent an; vermutlich wird er auch in Deutschland zunehmend als Süßungsmittel verwendet, ohne dass dies extra deklariert werden müsste. Die Adipositasrate nahm in den USA zwischen 1960 und 2004 von 13 auf 32 % zu. (Von einer Adipositas spricht man ab einem Body-Mass-Index, BMI , von 30 kg/qm.)

Unklar war bisher, wie der genaue Mechanismus aussieht, mit der Fruktose das Gewicht steigert. Ein bisschen Licht ins Dunkel brachte jetzt, im Jahr 2008, eine Studie von Alexandra Shapiro und Mitarbeitern an der Universität von Florida. Sie teilte Versuchsratten in zwei Gruppen: Die eine Gruppe erhielt eine Diät mit reichlich Fruchtzucker, die andere überhaupt keine Fruktose.

Nach sechs Monaten unterschieden sich die beiden Gruppen kaum. Die mit Fruktose gefütterten Tiere wiesen etwas höhere Spiegel an Triglyceriden (Neutralfetten) auf. Insbesondere unterschieden sich die beiden Gruppen nicht in ihrem Körpergewicht. Auch der Spiegel von Leptin, Insulin, Glukose und Cholesterin war bei allen Ratten gleich.

Nur in einem Punkt unterschieden sich die mit Fruchtzucker verwöhnten von den Fruchtzucker-abstinenten Ratten: Die Fruktoseratten entwickelten eine deutliche Resistenz gegen Leptin.

Leptin ist ein Hormon, das üblicherweise von den Fettzellen des Körpers gebildet wird. Leptin drosselt das Hungergefühl. Das Hormon steigert aber auch die Fettverbrennung zum Beispiel durch Steigerung des Energieverbrauchs in Ruhe, des sogenannten Grundumsatzes.

Leptinresistenz bedeutet, dass der Körper unempfindlich wird gegen die Wirkung der hormonellen „Adipositasbremse“.

Und tatsächlich: Die zuvor mit Fruktose gefütterten Ratten nahmen erheblich mehr zu als die Kontrollgruppe und auch mehr als erwartet, als sie eine fetthaltige, hochkalorische Kost erhielten.

Natürlich handelt es sich hier nur um Ratten. Und nicht alles, was für Ratten gilt, ist auf den Menschen übertragbar. Trotzdem scheint die Beweislage ausreichend zu sein: Ein übermäßiger Konsum von Fruchtzucker in sogenannten Softdrinks ist ungesund, führt zu überhöhten Blutfetten und möglicherweise auch zu Übergewicht. Die Empfehlung an Diabetiker, Traubenzucker und Haushaltszucker durch reinen Fruchtzucker zu ersetzen, muss sicherlich revidiert werden.

Quellen

Bild: © hofschlaeger auf pixelio.de

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) – Neuer Zusammenhang zwischen Fructose-Konsum und Gewichtszunahme entdeckt

wissenschaft.de: Fruchtzucker macht schneller dick

ärztliche Praxis vom 16.10.2008: Fructose steigert Gewichtszunahme

„Fructose-Induced Leptin Resistance Exacerbates Weight Gain in Response to Subsequent High Fat Feeding“ – Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol (August 13, 2008). doi:10.1152/ajpregu.00195.2008 –

Ärztewoche online: Die schädliche Wirkung von hoher Fruktosezufuhr

wissenschaft.de: Weniger Fruktose, weniger Fett

Pharmazeutische Zeitung online: „Sättigung: Fructose macht nicht nur Zwerge dick“

stern.de/wissenschaft: „Die Fruktosefalle“

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fructose

WebMD: „Fructose: Sugar’s Dark Side?
Study: Fructose Increases Heart Risk Factors — and Weight“

TAZ vom 8.8.2008: Wenn Fruktose zum Problem wird

University of Florida News: “
Fructose hampers hormone that controls appetite, UF study finds“

Alexandra Shapiro et al. :Fructose-Induced Leptin Resistance Exacerbates Weight Gain in Response to Subsequent High Fat Feeding in Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol (August 13, 2008). doi:10.1152/ajpregu.00195.2008

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Die Zahl der Übergewichtigen in Deutschland und Europa nimmt rapide zu. Völlig unbestritten: Übergewicht ist ungesund. Ebenfalls unbestritten: Bewegung ist gesund und hilft, das Gewicht zu reduzieren. Völlig unklar: Welches ist der beste Weg, das Gewicht nach unten zu bringen?

Diät – eine Glaubenssache

Da Fakten fehlen, gerät die Diskussion um die „rechte“ Diät zur Glaubensdiskussion. Jeder Prophet verkündet seinen Jüngern seine Offenbarung, die er nicht aus Langzeitstudien sondern aus einer Betrachtung der „Natur des Menschen“, der Philosophie oder sogar der Archäologie entnimmt. („Die Steinzeitmenschen waren reine Fleischfresser.“)

Neue Studie aus Israel

Ein ganz wenig Licht ins Dunkel bringt jetzt eine Studie aus Israel. Wissenschaftler an der Ben Gurion Universität des Negev untersuchten 322 mäßig übergewichtige Menschen (mittlerer BMI 31), zum größten Teil Männer, die in einer Forschungseinrichtung arbeiteten.

Sie wurden in drei Gruppen mit drei verschiedenen Diäten eingeteilt:

* Gruppe 1 erhielt die von der Amerikanischen Herzgesellschaft (und auch von mir) oft empfohlene „low fat“ – Diät. Kurz zusammengefasst: Nicht mehr als 1500 kcal für Frauen, 1800 für Männer, nicht mehr als 30 % der Kalorien aus Fett.

* Gruppe 2 sollte mit der ebenfalls von mir oft empfohlenen Mittelmeerdiät abnehmen. Hier gilt die gleiche Kalorienbeschränkung wie in Gruppe 1, Fisch und Geflügel ersetzen das rote Fleisch, es gibt viel Gemüse, und das Fett (maximal 35 % der Gesamtkalorien) stammt in erster Linie aus Olivenöl und Nüssen.

* In Gruppe 3 („Low-carb-Diät“) durfte jeder soviel Kalorien essen, wie er wollte. Beschränkt wurden nur die Kohlenhydrate: Auf 20 Gramm in der zweimonatigen Anfangsphase, danach auf 120 g. Das Fett sollte hauptsächlich aus pflanzlichen Quellen stammen.

85 % blieben zwei Jahre dabei

Das besondere an der israelischen Studie, die im Juli 2008 in der weltweit hoch angesehenen amerikanischen Medizinerzeitschrift New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurde, ist die lange Zeit der Nachbeobachtung. Außerdem bemerkenswert im Vergleich zu anderen Studien: Die geringe „Drop- -out – Rate“: Gut 85 % (272 Teilnehmer) bleiben der Studie bis zum Ende nach zwei Jahren treu.

Wegen der „langen“ Nachbeobachtungszeit erregte die Studie weltweit einige Aufmerksamkeit. Zwei Jahre sind nun wirklich keine sehr lange Dauer, aber es gibt nun mal nur sehr wenige langfristige Untersuchungen zum Problem Gewichtsabnahme.

Eine andere Diät für Frauen?

Der große Nachteil der israelischen Untersuchung ist der große Männeranteil. Es zeigt sich, dass das Ansprechen von Frauen und Männern auf Diäten zur Gewichtsabnahme sehr unterschiedlich ausfällt: In Israel sprachen die Frauen auf die mediterrane Kost besser an als die Männer.

Am dünnsten nach Low-Carb

Die Resultate der Studie sind einigermaßen überraschend. Den größten Gewichtsverlust erzielte die „Low-carb-Gruppe“ mit durchschnittlich 5,5 kg nach zwei Jahren. Es folgt die Mittelmeergruppe mit 4.6 kg und ganz am Ende liegt die „low fat“ Gruppe mit 3,3 kg mittlerem Gewichtsverlust.

Für Diabetiker die Diät vom Mittelmeer

Alle drei Diäten besserten die Blutfettwerte, am besten schnitt aber auch hier wieder die „low carb“ Gruppe ab. Die 31 Diabetiker profitierten am besten von der Mittelmeerkost, gemessen z.B. an ihren Nüchternblutzucker – Werten.

Resümee: Sind Diäten sinnvoll?

Das Resümee der Forscher: Mittelmeerdiät und „low carb“ Diät sind ganz sicher Alternativen zu der oft von Ärzten propagierten „Wenig-Fett“-Kost, wenn es ums Abnehmen geht.

Meine Meinung: Ob Diäten auf lange Sicht sinnvoll sind, beweist auch diese Studie nicht. Sinnvoller für die Gesundheit ist eine langfristige Umstellung der ganzen Lebensweise. Mehr Obst und Gemüse, mehr Bewegung, weniger Fett und Fleisch sind nicht nur gut für das Gewicht, sie verhindern nachweislich auch eine Reihe anderer Krankheiten wie z.B. Krebs.

Quelle

Weight Loss with a Low-Carbohydrate, Mediterranean, or Low-Fat Diet– Originaltext der Studie im NEJM, Volume 359:229-241, 17. Juli 2008

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