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373825_R_by_Dorothea-Jacob_pixelio.de©Dorothea Jacob auf pixelio.de

Foodwatch, ein gemeinnütziger deutscher Verbraucherschutzverein, prangerte den Missstand gleich zweimal in den letzten zwölf Monaten an: „Zuviel Uran im Mineralwasser“ hieß es vor einer Woche, „Uran im Leitungswasser – gefährlich für Säuglinge“ war das Thema einer Kampagne im August letzten Jahres. Übertriebene Panikmache oder berechtigte Sorge – ich habe versucht, die Fakten aufzuklären.

Wie kommt das Uran ins Wasser?

Uran kommt in verschiedenen chemischen Verbindungen überall auf der Erde vor: Im Erdboden, in der Luft, im Meer- und im Flusswasser und besonders konzentriert in uranhaltigem Gestein. Die Konzentration von Uran in der Umwelt wird gesteigert durch Uranhaltigen Dünger, durch Uranminen, durch Kernkraftwerke aber auch durch die Verbrennung von Kohle. Wegen seiner hohen Dichte wird Uran auch zur Herstellung von Geschossen und Panzern benutzt – in den Kriegen in Jugoslawien und im Irak wurden große Mengen von Uran freigesetzt, Zivilbevölkerung wie Soldaten erlitten gesundheitliche Schäden.

Wie schädlich ist Uran für den Menschen?

Die ehrliche Antwort zuerst: Nichts genaues weiß man nicht. Uran ist radioaktiv. Natürlich vorkommendes Uran schadet dem Menschen kaum durch seine Radioaktivität, es strahlt recht wenig, verglichen mit der natürlichen Hintergrundstrahlung, die ständig auf uns einwirkt.

Aber Uran ist ein giftiges Schwermetall, vielleicht so giftig wie Blei. Es gibt viele Hinweise darauf, dass Uran die Niere des Menschen schädigt. Aber leider nur wenig exakte Untersuchungen. Ich habe eine Studie aus Finnland und eine aus Kanada gefunden. Die Studien sind nicht sehr groß, die gefundenen Veränderungen betreffen nur einige Abweichungen in den Urintests, keine gravierenden Nierenschädigungen.

Im wesentlichen geben uns heute Tierversuche Auskunft darüber, wie giftig Uran ist. Aber die Ergebnisse aus Tierversuchen müssen in komplizierten Berechnungen (Schätzungen) auf den Menschen umgerechnet werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kommt aufgrund solcher Kalkulation zu dem Ergebnis, dass 15 μg (Mikrogramm, 1/1000tel Milligramm) Uran pro Liter Trinkwasser unbedenklich sind. (Der Berechnung liegt ein Mensch mit 60 kg Gewicht zugrunde, der zwei Liter Wasser am Tag trinkt und nicht mehr als 20 % des Urans mit der Nahrung aufnimmt.) Vermutlich wären auch 30 μg/l noch unbedenklich, stellt die WHO fest.

Keine Grenzwerte in Deutschland und Europa

30 μg Uran pro Liter Trinkwasser, dies ist auch der Grenzwert, der in den USA gesetzlich festgelegt wurde. In Deutschland gibt es keinen solchen Grenzwert, obwohl es technisch kein Problem mehr ist, Uran aus dem Trinkwasser zu entfernen. Grenzwerte für die Handelsware Mineralwasser – dies wäre Europaangelegenheit – aber auch dort tut sich bislang wenig.

Einen Grenzwert gibt es allerdings doch in Deutschland – Mineralwässer, die mit dem Hinweis: „Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ beworben werden, dürfen höchstens 2 Mikrogramm Uran pro Liter enthalten.

Das ist löblich, allerdings: Es gibt keinen vernünftigen Grund, Mineralwasser anstelle von Leitungswasser für die Säuglingsnahrung zu verwenden. (Ganz abgesehen davon ist das Stillen des Säuglings die beste Alternative.)

Fazit

Die Lage ist verwirrend. Uran ist nicht gesund, aber wir kommen nicht darum herum. Täglich nehmen wir mit der Nahrung und dem Trinkwasser durchschnittlich 1 bis 18 Mikrogramm Uran auf, weltweit. Uran ist kein lebenswichtiges Spurenelement, es schadet der menschlichen Gesundheit, gesichert sind Schädigungen der Niere.

Die Diskussion um die zulässigen Grenzwerte von Uran im Trinkwasser ist in hohem Mass spekulativ. Nach dem heutigen Stand der Erkenntnis können alle deutschen Mineralwässer ohne gesundheitliche Bedenken konsumiert werden, auch das Trinkwasser aus der Leitung ist nach wie vor eines der best kontrollierten und gesündesten Nahrungsmittel Deutschlands.

Allerdings: Die gesetzliche Festlegung von Uran-Grenzwerten könnte sowohl den Wasserwerken als auch den Herstellern von Mineralwässern einen Anreiz geben, Uran aus dem Wasser zu entfernen, was technisch heutzutage leicht möglich ist.

Auf den Seiten von Foodwatch können sie nachsehen, wie stark ihr Trinkwasser und verschiedene Sorten Mineralwasser mit Uran belastet sind.

Quellen

Foodwatch.de: „Jedes achte Mineralwasser kritisch für Säuglinge“

Foodwatch.de: „Uran im Leitungswasser – gefährlich für Säuglinge“

Gesellschaft für Toxikologie: „Überschreitung der Tinkwasser-Leitwerte für Uran“

Umweltbehörde der USA: „Uranium“

TU Bergakademie Freiberg: „Uran in Trinkwasser (Leitungswasser, Mineralwasser, Tafelwasser, Heilwasser)“
Mit elektrischer Feder: „Uran – Sind wir jetzt alle verstrahlt?“

SWR: „Wie gefährlich ist Uran im Leitungswasser?“

Päivi Kurttio, Anssi Auvinen, Laina Salonen, Heikki Saha, Juha Pekkanen, Ilona Mäkeläinen, Sari B Väisänen, Ilkka M Penttilä, and Hannu Komulainen: „Renal effects of uranium in drinking water“

Zamora ML, Tracy BL, Zielinski JM, Meyerhof DP, Moss MA.: „Chronic ingestion of uranium in drinking water: a study of kidney bioeffects in humans.“

WHO: „Chemical hazards in drinking-water“

Taylor DM, Taylor SK. : „Environmental uranium and human health.“

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